13:56:12 | Donnerstag, 12. März 2009
War das Problem des im Januar ernannten Linzer Weihbischofs tatsächlich, daß er angeblich „im Bewußtsein der halbsäkularen Gesellschaft nur oberflächlich daheim“ ist? Von Andreas Kirchmair, Piberegg.

In Österreich wirkt ein angepaßter Episkopat als ausführende Behörde weltlicher Interessen
© Catholic
Church of England, Creative Commons(kreuz.net) Die Trennung von Kirche und Staat ist im Bewußtsein und in realiter noch immer nicht vollzogen.
Die Politik hat der österreichischen Amtskirche ein Reservat zugewiesen.
Dieses wird von Bischöfen
verwaltet, die sich weltlichen Gesetzen und Politikern heute genauso oder mehr verpflichtet fühlen als
dem Evangelium und dem Heiligen Vater.
In diesem Reservat sind mir in den letzten Jahren zahlreiche Mißstände
aufgefallen. Um einige aufzuzählen:
• Mitarbeiter der Amtskirche, die wie Beamte eines Religionsministeriums
agieren
• eine mit wildesten kirchenrechtlichen Verrenkungen begründete Kirchensteuer
• eine linkspolitisierende
und vom Lehramt entfernte ‘Katholische Aktion’
• eine doppelbödige Beschwichtigungspolitik gegenüber
der Kindesabtreibungs-Lobby
• eine aufgeblasene Rätekirche, in der Demokratie nur gespielt wird
• eine
ineffiziente und glaubensfeindliche theologische Ausbildung an den staatlichen Universitäten
• ein
enormer Einfluß von ÖVP-Politikern, die alles Katholische zu ihrem Herrschaftsbereich zählen.
Weder
das kirchliche noch das politische Establishment dulden, daß katholische Laienfunktionäre, christliche
Politiker und selbst Priester dieses Reservat verlassen. Wer es dennoch tut, wird verbal und medial gejagt –
wie Pfarrer Mons. Wagner.
Seine gescheiterte Ernennung zum Linzer Weihbischof hat die Krise, in welche
die Kirche durch diese Mißverstände hineinmanövriert wurde, erneut offengelegt.
Lavierende Bischöfe
Erwartungsgemäß lavierten die meisten Bischöfe nach der Ernennung dieses bewährten Geistlichen. Aus
anfänglicher Zustimmung wurde innerhalb kurzer Zeit Neutralität, dann Ablehnung. Wo blieben Brüderlichkeit
und Gehorsam, Rückgrat und Führungsqualität ?
Besonders empörend war der Februar-
Hirtenbrief, durch
den sich die zehn österreichischen Oberhirten an die Stelle des Papstes setzten und sich an diesem abputzten.
Gerade in einer Zeit der Bedrängnis für Benedikt XVI.
Die momentane Situation in Österreich offenbart
eine tiefe Führungs-, Struktur- und Orientierungskrise des gesamten katholischen Establishments.
Diese
Krise hat dazu geführt, daß sich in Österreich eine patriotische Nationalkirche nach Chinesischem Modell
ausbildet.
Darin bestimmen Politiker und Journalisten den ideologischen Kurs und die Bischofsernennungen.
Ein angepaßter Episkopat wirkt als ausführende Behörde.
Die gegenwärtigen Kirchenpolitiker müssen
ersetzt werdenEinen Ausweg aus dieser Sackgasse gibt es nur, wenn die gegenwärtigen bischöflichen
Kirchenpolitiker durch katholische Seelsorger ersetzt werden.
Damit würde auch eine alte und üble Tradition
beseitigt, die ihre Wurzeln in der alten Monarchie und der Hochzeit von Thron und Altar hat.
Diese Allianz
wurde nach dem 1. Weltkrieg bis in die 1930er Jahre durch einen politisch tätigen Klerus verlängert.
Danach und bis heute traten vorwiegend politisch korrekte und verdeckt politisierende Oberhirten deren
Erbe an. Und die ihnen unterstehenden ‘Katholischen Aktionen’ taten es ihnen nach.
Raus aus dem politischen
ReservatEs ist an der Zeit, diese Kaste von Kirchenpolitikern durch Bischöfe zu ersetzen, die sich
als Seelsorger mit Verstand, Mut und Herz der Kirche und den Menschen verpflichtet wissen.
Erst dann
wird die Kirche sich auch in Österreich zum Evangelium bekennen und das ihr von weltlichen Kreisen zugewiesene
politische Reservat verlassen.
Bischof Egon Kapellari (73) von Graz hat dem im Januar ernannten Linzer
Weihbischof hochmütig vorgeworfen, „im Bewußtsein der halbsäkularen Gesellschaft nur oberflächlich
daheim“ zu sein.
Was Mons. Kapellari damals entging: Das Problem ist nicht die „halbsäkulare Gesellschaft“.
Das Problem ist seine halbsäkulare Kirche.
Der Verfasser ist ein langjähriger ehrenamtlicher kirchlicher
Mitarbeiter in der Diözese Graz-Seckau und überregional tätiger Lebensschützer.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#10
tacitus1 20:26:19 | Donnerstag, 12. März 2009
#8
wickerl 19:47:31 | Donnerstag, 12. März 2009
#7
Alumnus 17:34:49 | Donnerstag, 12. März 2009