Österreich
Patriotische Nationalkirche nach Chinesischem Modell?
War das Problem des im Januar ernannten Linzer Weihbischofs tatsächlich, daß er angeblich „im Bewußtsein der halbsäkularen Gesellschaft nur oberflächlich daheim“ ist? Von Andreas Kirchmair, Piberegg.
In Österreich wirkt ein angepaßter Episkopat als ausführende Behörde weltlicher Interessen
In Österreich wirkt ein angepaßter Episkopat als ausführende Behörde weltlicher Interessen
© Catholic Church of England, Creative Commons
(kreuz.net) Die Trennung von Kirche und Staat ist im Bewußtsein und in realiter noch immer nicht vollzogen. Die Politik hat der österreichischen Amtskirche ein Reservat zugewiesen.

Dieses wird von Bischöfen verwaltet, die sich weltlichen Gesetzen und Politikern heute genauso oder mehr verpflichtet fühlen als dem Evangelium und dem Heiligen Vater.

In diesem Reservat sind mir in den letzten Jahren zahlreiche Mißstände aufgefallen. Um einige aufzuzählen:

• Mitarbeiter der Amtskirche, die wie Beamte eines Religionsministeriums agieren
• eine mit wildesten kirchenrechtlichen Verrenkungen begründete Kirchensteuer
• eine linkspolitisierende und vom Lehramt entfernte ‘Katholische Aktion’
• eine doppelbödige Beschwichtigungspolitik gegenüber der Kindesabtreibungs-Lobby
• eine aufgeblasene Rätekirche, in der Demokratie nur gespielt wird
• eine ineffiziente und glaubensfeindliche theologische Ausbildung an den staatlichen Universitäten
• ein enormer Einfluß von ÖVP-Politikern, die alles Katholische zu ihrem Herrschaftsbereich zählen.

Weder das kirchliche noch das politische Establishment dulden, daß katholische Laienfunktionäre, christliche Politiker und selbst Priester dieses Reservat verlassen. Wer es dennoch tut, wird verbal und medial gejagt – wie Pfarrer Mons. Wagner.

Seine gescheiterte Ernennung zum Linzer Weihbischof hat die Krise, in welche die Kirche durch diese Mißverstände hineinmanövriert wurde, erneut offengelegt.

Lavierende Bischöfe

Erwartungsgemäß lavierten die meisten Bischöfe nach der Ernennung dieses bewährten Geistlichen. Aus anfänglicher Zustimmung wurde innerhalb kurzer Zeit Neutralität, dann Ablehnung. Wo blieben Brüderlichkeit und Gehorsam, Rückgrat und Führungsqualität ?

Besonders empörend war der Februar- Hirtenbrief, durch den sich die zehn österreichischen Oberhirten an die Stelle des Papstes setzten und sich an diesem abputzten. Gerade in einer Zeit der Bedrängnis für Benedikt XVI.

Die momentane Situation in Österreich offenbart eine tiefe Führungs-, Struktur- und Orientierungskrise des gesamten katholischen Establishments.

Diese Krise hat dazu geführt, daß sich in Österreich eine patriotische Nationalkirche nach Chinesischem Modell ausbildet.

Darin bestimmen Politiker und Journalisten den ideologischen Kurs und die Bischofsernennungen. Ein angepaßter Episkopat wirkt als ausführende Behörde.

Die gegenwärtigen Kirchenpolitiker müssen ersetzt werden

Einen Ausweg aus dieser Sackgasse gibt es nur, wenn die gegenwärtigen bischöflichen Kirchenpolitiker durch katholische Seelsorger ersetzt werden.

Damit würde auch eine alte und üble Tradition beseitigt, die ihre Wurzeln in der alten Monarchie und der Hochzeit von Thron und Altar hat.

Diese Allianz wurde nach dem 1. Weltkrieg bis in die 1930er Jahre durch einen politisch tätigen Klerus verlängert.

Danach und bis heute traten vorwiegend politisch korrekte und verdeckt politisierende Oberhirten deren Erbe an. Und die ihnen unterstehenden ‘Katholischen Aktionen’ taten es ihnen nach.

Raus aus dem politischen Reservat

Es ist an der Zeit, diese Kaste von Kirchenpolitikern durch Bischöfe zu ersetzen, die sich als Seelsorger mit Verstand, Mut und Herz der Kirche und den Menschen verpflichtet wissen.

Erst dann wird die Kirche sich auch in Österreich zum Evangelium bekennen und das ihr von weltlichen Kreisen zugewiesene politische Reservat verlassen.

Bischof Egon Kapellari (73) von Graz hat dem im Januar ernannten Linzer Weihbischof hochmütig vorgeworfen, „im Bewußtsein der halbsäkularen Gesellschaft nur oberflächlich daheim“ zu sein.

Was Mons. Kapellari damals entging: Das Problem ist nicht die „halbsäkulare Gesellschaft“.

Das Problem ist seine halbsäkulare Kirche.

Der Verfasser ist ein langjähriger ehrenamtlicher kirchlicher Mitarbeiter in der Diözese Graz-Seckau und überregional tätiger Lebensschützer.
      
12 Lesermeinungen
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#12   Marcelus   11:37:05 | Sonntag, 15. März 2009
Nationalkirchliche Tendenzen sind kein Novum der unseligen Nachpastoralkonzilsära,
sondern fanden sich insbesonders in Zeiten des Staatskirchentums, in dem sich sogar die Monarchen regelmäßig das illegitime Pseudorecht herausnahmen, zu bestimmen, ob ein päpstliches Dekret veröffentlicht werden durfte, und soagr eigenmächtig Diözesen errichtetem, und direkt Bischöfe und Äbte bestimmten – den Päpsten in Rom wurde das Recht zugestanden, die Entscheidungen des Monarchen nachzulegitimieren, um den Anschein päpstlicher Oberhoheit zu wahren,
und das war in allen katholischen Staatskirchentümern üblich.
Bei Streitigkeiten drohten die sich in kirchliche Belange einmischenden katholische Monarchen, sich von Rom abzuspalten, was zumeist genügte, um den Papst freiwillig auf Geltungmachung seiner päpstlichen Rechte verzichten zu lassen,
der einzige Monarch, der die Drohung in die Tat umsetzte, war bekanntlich Englands König Heinrich VIII., der auf seine illegitimen Rechte auf Ehebruch pochte … wer in Religionsfreiheitszeiten immer noch der Anglikanizismussekte anhängt, kann deshalb nur ein schlechter Gläubiger sein,
und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß immer mehr hochgestellter Engländer, sogar hohe Bischöfe und der ehemalige Ministerpräsident Blair, römisch-katholisch werden.
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#11   Josef Preßlmayer   07:40:36 | Freitag, 13. März 2009
Für wahr ein Wirrwar, das der Autor aber präzise beschreibt!
Betrachtet man z.B. allein Kardinal Schönborn näher, so bietet sich das Bild eines linken Funktionärs aber keineswegs eines Gottesmannes:
Christoph Kardinal Schönborn
• zeichnet die langjährige Generalsekretärin der ‘Aktion Leben Österreich’, Gertraude Steindl, mit dem päpstlichen Sankt Gregorius-Orden aus. Frau Steindl setzt sich öffentlich für die Abtreibungsgewalt ein;
• zeichnet die frühere Wiener Gesundheitsstadträtin und Vorkämpferin für die Abtreibungsgewalt, Renate Brauner, gleichfalls mit dem St. Gregorius-Orden aus;
• traut der Abtreibungsindustrie die medizinische Beratung vor einer Kinderschlachtung zu, wenn eine Hinweispflicht auf weitere Beratungsmöglichkeiten beachtet wird. Damit will der Kardinal uns glauben machen, daß Abtreiber auf ihren Henkerslohn verzichten und schwangere Mütter überzeugen werden, ihr Kind auszutragen.
• unterstützt finanziell und ideell die ‘Aktion Leben Österreich’, die tötungsoffene „Beratungen“ durchführt, „Beratungsscheine“ für Kinderabtreibungen ausstellt und die chemische Tötung von Kindern empfiehlt.
• verteidigt die Abtreibungsgewalt und Fristenlösung in der Fernsehsendung „Pressestunde“ vom 3. Dezember 2006.
So bietet sich in der Führung der Katholischen Kirche Österreichs das erbärmliche Bild einer von der Lehre der Kirche abgefallenen, stark schrumpfenden Pseudokirche, wobei der Vergleich mit der chinesischen Staatskirche durchaus schmeichelhaft ist, weil diese, wie das gesamte Christentum in China, stark expandiert!
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#10   tacitus1   20:26:19 | Donnerstag, 12. März 2009
absurdes wirrwarr
so ein logisches und theologisches durcheinander habe ich schon lange nicht mehr gelesen.ich kenn mich nicht aus, wo der kirchmair hinaus will: nach china, weg von der kirchensteuer? ich bin kein freund der bischöfe, aber so einen komischeen vorwurf haben sie nicht verdient.
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#9   Protestant   20:02:16 | Donnerstag, 12. März 2009
Wer im Glashaus sitzt…
Darin bestimmen Politiker und Journalisten den ideologischen Kurs und die Bischofsernennungen. Ein angepaßter Episkopat wirkt als ausführende Behörde.
Naja, schließlich wünschen sich in Deutschland die Herren Meissner, Mixa und Konsorten ja auch eine angepaßte CDU als ausführende Klerusbehörde! So oft, wie die sich mit ihren „qualifizierten“ Äußerungen vor allem in Bereiche wie Familienpolitik einmischen…
Diesen Herren wäre es doch am liebsten, sie könnten Einfluss auf Personalentscheidungen der Union nehmen! Aber: die CDU ist eine christliche Partei und kein verlängerter Arm der römisch-katholischen Kirche! Und das ist auch gut so!
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#8   wickerl   19:47:31 | Donnerstag, 12. März 2009
feste Ohrféige
Die Predigt des Nuntius Farhat zum Abschied in Mariazell und jetzt der Brief von Papst Benedikt ist eine ganz fest Ohrfeige für Österreichs Bischöfe , insbesondere Schönborn und Kapellari, was die innerkirchliche Laufbahn von K. Schönborn betrifft , wage ich eine Prognose, von jetzt an geht es bergab, zu dumm nur dass man in die Vatikancomputer nicht so leicht Kinderpornos schleusen kann als in das Priesterseminar von St. Pölten, Krenn , Eder , Wagner und
Groer wurden erlegt, am Bischof von Rom beißt man sich aber die Zähne aus
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#7   Alumnus   17:34:49 | Donnerstag, 12. März 2009
Das bischöfliche Trauerspiel
Die bischöflichen Auswüchse im Ösi-Land – gedeckt von V2-Ideologien vom Stand von 1975 – sind nicht mehr lustig … sie bedienen sich jener Waffen, die sie hochoffiziell ablehnen. Dass hier das Kirchenvolk nicht mehr mit will, ist ja klar.
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#6   erzbengel michael †   16:41:24 | Donnerstag, 12. März 2009
Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist …
„Dieses wird von Bischöfen verwaltet, die sich weltlichen Gesetzen und Politikern heute genauso oder mehr verpflichtet fühlen als dem Evangelium und dem Heiligen Vater.“
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#5   Mrs.Cologne   15:36:24 | Donnerstag, 12. März 2009
www.sterninger.at
:-) :)3 …
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#4   Siegfried   15:34:54 | Donnerstag, 12. März 2009
Bischöfe in unserer Zeit
Nach Abschaffung des Ant-Modernisteneides und der Verweltlichung der Theologie-Prfessoren sind unsere Bischöfe, die aus diesem Umfeld genommen wurden bestrebt, von den Herren und Frauen ProfessorInnen nicht als altgläubig betrachtet zu werden. Dieser Zustand führt dazu, daß sich der Hund ständig in den Schwanz beißt. Wichtig ist die Wiedereinführung des Antimodernisteneides für den Priesterlichen Dienst in Seelsorge und in Forschung. Dazu auch die Laien in der Professur. Von diesem Tag gibt es keine Fr/Hr Professor mehr. In der Theologischen – Vorschung werden dann wieder Priester und Patres tätig sein. Glaube und Lehre sind wieder eine Einheit und die Verirrungen beendet. Wenn ungläubige Professoren w/m auf die billigste Art und Weise ihr Geld verdienen, dann bitte in anderen Wissenschaften. Dort kommen sie nicht zum Zuge! Wasrum wohl? Ein Wissenschaftler in der Brauwirtschaft, der überzeugter Antialkoholiker ist, wird nicht als hoher Lehrer nach Weihenstephan kommen, oder? So kann jeder wischenschaftliche Bereich betrachtet werden. In der Theologie haben die Sozialganoven der 68er Generation das Ruder übernommen und auch in der Politik. Aus diesem Grund stehen die Völker am Abgrund und die Kirche wurde auch an die Wand gefahren. Danke an Papst Benedikt, er und die Piusbischöfe sind treue Wissenschaftler. Die Ortsbischöfe müssen als Pflichtlektüre die Predigten des Hl. Pfr. von Ars studieren. So sehen sie ihre Fehler und ihren Unglauben. Bittet den Hl. Patron der Priester o…
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#3   Jungpriesti   14:28:17 | Donnerstag, 12. März 2009
In unserer Zeit
hat leider der recht, der am lautesten schreien kann und das wo möglich mit der Masse. Leider trifft das auch auf Bischöfe zu. Wenn auch Menschen, wie Msgr. Mixa, etc. auf einen anderen „Kurs“ hinweisen. Die vielgepredigte Brüdrlicheit und Toleranz fehlt hier leider allzu oft – gerade auf eher „liberal“ scheinender Seite.
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#2   noch ein Landorganist   14:20:19 | Donnerstag, 12. März 2009
Bischofskabarett
Die österreichischen Bischöfe sind offenbar ein zeitgeiles Pack. Sind die wirklich alle dermaßen verdorbene Lumpen?
In Deutschland gibt es wenigstens noch einen Mixa und einen Hanke. Wenn sie es auch schwer haben, gegen die antikirchliche Schreihälse der DBK anzureden.
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#1   Jungpriesti   14:06:07 | Donnerstag, 12. März 2009
„Brüderlichkeit“
Es gibt keine Brüderlichkeit, wenn man nicht die Meinung der Mehrheit (annimmt)folgt. Die Bischöfe Österreichs sind dafür ein trauriges Beispiel. Einen MEnschen wie Mons. Wagner, egal wie man zu seinen Aussagen auch stehen mag, so zu „vernichten“, geziemt sich für keinen Menschen, erst recht nicht für einen Katholiken oder gar Bischof.
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