09:29:39 | Mittwoch, 18. März 2009

Pater Florian Abrahamowicz
(kreuz.net) Was sich in der Kapelle von Lanzago di Silea abgespielt hat, ist ein großes Ärgernis für
die Gläubigen, welche die Kapellen der Piusbruderschaft kennen und lieben und dort ihre persönliche
Heiligung gesucht haben.
Im Gegensatz zum nunmehr zweideutigen und verworrenen Verhalten seiner Oberen
gegenüber dem modernistischen Rom hat sich der Unterzeichnete während den letzten Jahren stets bemüht,
eine klare und konsequente Linie einzuhalten und dies in Übereinstimmung mit den Anweisungen unseres
verehrten Gründers, Erzbischof Marcel Lefebvre.
Schwerwiegende und mit aller Behutsamkeit anzugehende
Angelegenheiten wie Papst, Konzil und Nachkonzil, Neue Messe, Indultmesse sowie die Anwendung der uns
von unserem Gründer hinterlassenen Richtlinien hinsichtlich unserer Auseinandersetzungen mit dem modernistischen
Rom in theologischen Fragen, dem Motu proprio, der Gültigkeit der Exkommunikation fallen in den Kompetenzbereich
des Generaloberen.
Mehr noch als ein Recht ist es eine Pflicht für jeden Gläubigen und zuallererst
für jeden Priester diese Fühlungsnahmen mit dem Feinde aufmerksam und kritisch zu verfolgen.
Leider
verwandelten sich diese Kontakte mit dem Gegner allmählich in Freundschaften.
Um den Gegner zufriedenzustellen,
geht man sogar so weit, Priester zu opfern, dessen ungeachtet, daß sie ihr Leben für die Bruderschaft
eingesetzt haben. Der Unterzeichnete ist einer unter ihnen.
Wegen seinem dreifachen Nein zum Konzil,
zum Motu proprio, sowie zur Aufhebung einer Exkommunikation die keine war, wurde er aus der Bruderschaft
ausgeschlossen.
In grundsätzlicher Hinsicht wurde der Inhalt seiner Ablehnung deswegen beanstandet,
weil es ein eindeutiges und zweifaches Nein anstatt eines zweideutigen Jein ist.
In disziplinärer Hinsicht
wird gegen ihn der Vorwurf erhoben, sein unmißverständliches Nein in die Öffentlichkeit hineingetragen
zu haben, während der Generalobere dem gleichen Sachverhalt mit seinem üblichen Jein entgegengetreten
ist.
Dem Unterzeichneten wurden Vergehen in grundsätzlicher und disziplinarischer Hinsicht vorgeworfen.
Deswegen wurde sein Ausschluß beschlossen und ihm der Zugang zu seinem Domizil verweigert. Will man
diese Maßnahmen angemessen würdigen, so gilt es, vorerst folgendes in Erwägung zu ziehen:
1. die gegenwärtige
Lage der Kirche,
2. die Aussichten auf eine Versöhnung und
3. die künftigen theologischen Gespräche
und Auseinandersetzungen mit dem modernistischen Rom.
Diese drei Gegebenheiten müssen im Lichte der
letzten Verfügungen unseres verehrten Gründers bewertet werden.
1. Die gegenwärtige Lage der Kirche
In seinem Brief an seine zukünftigen Bischöfe stellt Erzbischof Marcel Lefebvre fest:
„Da der Stuhl
Petri und die amtlichen Stellen in Rom von antichristlichen Kräften besetzt sind, schreitet die Zerstörung
der Herrschaft Unseres Herrn sogar innerhalb Seines Mystischen Leibes auf Erden rasch voran“.Obschon
unsere Gemeinschaft sämtliche Massenmedien gegen sich hatte, konnte sie nach den Bischofsweihen aus einer
Position der Stärke argumentieren.
In der Folge konnten der Generalobere und mit ihm zusammen die Distriktoberen
in ihrem Antwortschreiben an Kardinal Bernard Gantin die über sie verhängte Exkommunikation mit folgenden
Worten für nichtig erklären:
„Bitte wollen Sie selbst über den Wert einer solchen Erklärung urteilen,
die von einer Autorität herrührt, die in ihrer Amtsausübung mit derjenigen aller Ihrer Vorgänger bis
zu Papst Pius XII bricht: Im Gottesdienst, in der Lehrunterweisung und in der Leitung der Kirche (Damit
die Kirche fortbestehe 737).“2. Die VersöhnungMehrmals hat Erzbischof Lefebvre erklärt, daß wir
ein anderes Verständnis von Versöhnung haben:
„Für Rom ist das Ziel der Unterhandlungen die Wiederversöhnung,
wie Kardinal Gagnon in einem der italienischen Zeitung ‘L’Avvenire’ gewährten Interview erklärt, das
heißt die Rückkehr des verirrten Schafes in den Schafstall.“Der Erzbischof fährt dann weiter:
„Wenn
wir an die Geschichte der Beziehung Roms zu den Traditionalisten von 1965 bis zu unseren Tagen denken,
müssen wir feststellen, daß hier eine unentwegte und grausame Verfolgung vorliegt, um uns zur Unterwerfung
unter das Konzil zu drücken.
Das jüngste Beispiel ist das Seminar »Mater Ecclesiae« für die Überläufer
von Ecône, die in weniger als zwei Jahren mit der konziliaren Revolution gleichgeschaltet wurden, entgegen
den Versprechungen.“ (Damit die Kirche fortbestehe 726/727).
Der Erzbischof hat daraus folgendes Fazit
gezogen:
„Es ist ein Dialog unter Tauben. Ich kann mich nicht über die Zukunft äußern, denn sie liegt
hinter mir. Sollte Rom wieder auf mich zukommen, so werde ich meine Bedingungen stellen.“ (Fideliter 66).
3. Künftige Gespräche mit Rom„Ich werde nicht mehr eine solche Situation zulassen wie anläßlich
der Gespräche mit Rom. Die Auseinandersetzung wird auf der Ebene der Lehre erfolgen müssen. Dementsprechend
werde ich zuvor die Frage an sie richten: Sind die maßgebenden Rundschreiben eurer Vorgänger ‘Quanta
cura’ Pius IX, ‘Immortale Dei’ Leos XIII, ‘Pascendi’ Pius X, ‘Quas Primas’ Pius XI, ‘Humani generis’ Pius
XII für euch verbindlich?
Sind sie es für euch nicht, dann ist jedes Gespräch sinnlos. So lange ihr
nicht bereit seid, das Konzil im Lichte der Lehrdokumente dieser Päpste zu überprüfen, ist jeder Dialog
unmöglich.“ (Fideliter 66)
Aus eigener Erfahrung wußte der Erzbischof, welche Gefahren mit einem Zugehen
auf Rom verbunden sind.
Heute befinden wir uns gegenüber dem modernistischen Rom deswegen in einer Position
der Schwäche, weil die von unserem verehrten Gründer vorgeschriebenen Schutzbestimmungen nicht ausreichend
berücksichtigt und befolgt wurden.
Es ist daher nicht erstaunlich, daß das modernistische Rom erklärt,
daß eine künftige Anerkennung der Piusbruderschaft ohne ausdrückliche Zustimmung zu den Lehren des
zweitens vatikanischen Konzils sowie zum Lehramt Johannes XXIII., Pauls VI. und Johannes Pauls II. nicht
in Frage kommt.
Benedikt XVI. hat es in seinem Schreiben an die Bischöfe nochmals bekräftigt, während
unser Generaloberer nichts Klügeres zu tun weiß, als sich bei ihm dafür zu bedanken und zu erklären:
„Wir sind weit davon entfernt, die Tradition im Jahre 1962 anhalten zu wollen; vielmehr wünschen wir,
daß das II. Vatikanum und das nachkonziliare Lehramt im Lichte dieser Tradition gesehen wird, welche
der Heilige Vinzenz von Lerin definiert hat als „das was immer, überall und von allen geglaubt wurde“
(Commonitorium). Dies muß geschehen ohne Bruch und in einer vollkommen homogenen Entwicklung.“Eine
derartige Erklärung ist nicht vertretbar, denn es wird der 1962 durch Johannes XXIII. vollzogene Bruch
völlig außer acht gelassen.
In seiner skandalösen Eröffnungsrede „Gaudet Mater Ecclesia“ hat sich
dieser angeblich seliggesprochene Mann mit seiner Erklärung, daß dieses Konzil weder definieren noch
verurteilen wolle, von den einem kirchlichen Oberhaupt obliegenden Amtspflichten endgültig verabschiedet.
Professor Pasqualucci hat es in seiner vor einem Jahr erschienenen Studie über diese Rede eindeutig
herausgestellt. Diesen Willen nicht als Bruch erkennen zu wollen, ist ein schwerwiegender Irrtum.
Der
Unterzeichnete hat sich die Freiheit genommen, das zweideutige Verhalten der Oberen der Piusbruderschaft
zu rügen.
Niemand anderer als der Erzbischof hat seine Seminaristen aufgefordert, die Richtigkeit all
dessen, was ihnen in lehrmäßiger Hinsicht beigebracht wurde, an Hand der Originaldokumente nachzuprüfen.
Diese Anweisung wurde befolgt und daraus ziehe ich das Fazit: Ein Dialog mit dem Rom Ratzingers ist so
lange ausgeschlossen, als letzteres nicht zu den Lehren der vorkonziliaren Päpste zurückkehrt.
Eine
zweideutige Haltung gegenüber dem Motu proprio und der Aufhebung der Exkommunikation ist nicht gestattet.
Es genügt einfach nicht, auf das Gute und Schlechte hinzuweisen ohne daraus zu folgern, ob die Sache
gut oder schlecht ist.
Das ist nicht die Sprache des Evangeliums, das vorschreibt, daß unser Ja ein
Ja und unser Nein ein Nein sein soll. Alles übrige ist des Teufels. Möge die Bruderschaft zum Geiste
ihres Gründers zurückkehren.
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