11:43:57 | Donnerstag, 19. März 2009
Ein fast persönliches Zeugnis zum Thema der Gewichtsabnahme. Von Sedisvakantisten-Pater Rolf Hermann Lingen, Dorsten.
(kreuz.net) In einer kleinen Stadt lebte einmal ein Mann. Er war 1,85 Meter groß und wog 110 Kilogramm.
Zwar störte ihn sein Volumen etwas. Aber er beschwichtigte sich und andere mit dem Sprüchlein: „Ich
bin rund, na und?!“
Vor einigen Wochen wog er noch 105 Kilo. Das war auch schon zu viel. Deshalb legte
er eine extrem strenge Diät ein. Während seines Urlaubs lag er zehn Tage lang nur und ernährt sich
fast gar nicht. Dabei nahm er vier Kilo ab.
Danach war er äußerst erschöpft und dermaßen übel gelaunt,
daß er innerhalb der nächsten drei Wochen fast zehn Kilo zunahm.
So wog er also 110 Kilo.
Katholische
KücheDoch dann begann er, sich mit dem katholischen Glauben zu beschäftigen. Damit kam das Thema Essen
wieder auf den Tisch.
Das lag an den Fastenvorschriften der Kirche. In der Fastenzeit, an den Quatembertagen
und an einigen Vigiltagen vor hohen kirchlichen Festen ist es nur erlaubt, eine einzige sättigende Mahlzeit
sowie zwei kleine Stärkungen einzunehmen.
Das Nichteinhalten dieser Fastenvorschriften ist üblicherweise
eine Todsünde.
Außerdem zählt die Unmäßigkeit zu den Hauptsünden. Folglich ist der ungeordnete
Genuß von Speis und Trank bis hin zur Schädigung der Gesundheit wenigstens eine läßliche Sünde und
kann in bestimmten Fällen sogar eine Todsünde sein.
Nimmt man die Tatsache hinzu, daß Christus selber
das Fasten geübt und empfohlen hat und daß auch viele Heilige ein sehr enthaltsames Leben mit strengem
Fasten geführt haben, fällt es nicht leicht, unmäßiges Essen mit christlicher Lebensführung zu vereinbaren.
Der Dicke setzte sich deshalb zum Ziel, die Tugend der Mäßigung zu üben. Disziplin um Christi Willen,
das sollte das Motiv des Dicken werden.
Es war ihm natürlich recht, wenn er dabei abnehmen und sich
gesunder und wohler fühlen würde. Aber an erster Stelle stand für den Dicken die christliche Motivation.
Kulinarische UmkehrErnährung und Lebensweise mußten also umgestellt werden. Die Frage war nur: Wie?
Denn der Ernährungsweise hörte er von allen Seiten völlig Widersprüchliches: Was der eine als Quelle
gesunden Lebens anpries, wurde von dem anderen als reinstes Gift verteufelt.
Wenn es in einigen Ernährungsfragen
eine starke Mehrheitsmeinung gab, wurde sogleich eingeschränkt, daß gewisse Menschen aufgrund persönlicher
Veranlagungen diese Ernährung nicht wählen dürften.
Der Dicke ließ sich von diesem Durcheinander
aber nicht entmutigen. Er ging vielmehr von der Überlegung aus, daß zwei Dinge während Jahrtausenden
als grundlegende Nahrungsmittel galten: Wasser und Brot.
Er stellte auch fest, daß es immer noch viele
Ernährungswissenschaftler gibt, die Wasser und Brot zu den wichtigsten Bestandteilen der Ernährung zählen.
Bedeutsam sind dabei die Kohlenhydrate. Einfache Kohlenhydrate – also Einfachzucker wie Traubenzucker
und Zweifachzucker wie Haushaltszucker – sind nur sehr maßvoll einzunehmen.
Vertrauen auf die gottgeschenkte
StärkeKomplexe Kohlenhydrate – darunter die im Brot vorhandene Stärke – sind deutlich zu bevorzugen.
Viele Lebensmittel sind mit einer Nährwerttabelle versehen, in denen der Anteil von Kohlenhydraten und
Zucker angegeben ist. Wird der Zuckeranteil nicht detailliert ausgewiesen, ist der überwiegende Teil
der Kohlenhydrate vermutlich Zucker.
Ebenso soll auf eine fettarme – allerdings nicht fettfreie – Ernährung
geachtet werden. Auch darüber gibt die Nährwerttabelle Auskunft.
Darum ersetzte der Dicke alle Getränke
wie Limonade, Bier – und anderes – durch Wasser. Dafür wählte er verschiedene qualitativ hochwertige
Mineralwassersorten.
Über den Tag verteilt, trank er immer zwei bis drei Liter davon.
Für das Brot
wählte er verschiedene Sorten von Vollkornbrot, Knäckebrot und Mischbrot aus. Von allen drei Sorten
aß er jeden Tag mehrere Scheiben.
Dies also war die eiserne Grundlage für jeden Tag: verschiedene Mineralwasser,
Vollkornbrot, Knäckebrot und Mischbrot.
Kampf den LüstenNun ging es noch um die weiteren Einzelheiten.
Als Aufschnitt zum Brot gab es fettarmes Fleisch von Geflügel, Rind und Schwein sowie fettarmen Käse.
Ebenfalls tägliche Nahrungsbestandteile waren Joghurt und Obst.
Statt frischem Obst konnten auch ungeschwefeltes
Trockenobst und Fruchtzubereitungen eingenommen werden.
Zudem wurde viel Wert auf Gemüse gelegt. Abwechslungsreiche
Salate waren die bevorzugte Hauptmahlzeit.
An den Tagen, an denen der Fleischgenuß kirchlich unter schwerer
Sünde verboten war, darunter an allen Freitagen, gab es Fisch.
Der Dicke achtete darauf, seinem Körper
immer genügend Energie zuzuführen, um einerseits nicht geschwächt zu sein und anderseits auch nicht
von Essenslust geplagt zu werden.
Aufgrund der durch die Erbsünde geschwächten menschlichen Natur war
es oft viel leichter, von Disziplin zu reden statt sie einzuhalten.
Besonders quälend war das gelegentliche
Verlangen, Süßes zu essen. Für solche Fälle hatte der Dicke immer verschiedene Sorten von süßem
Brotaufstrich auf Vorrat.
Dann machte er sich drei Scheiben Mischbrot mit süßem Brotaufstrich, statt
eine Tafel Schokolade zu essen.
Die drei Brote hatten insgesamt zwar in etwa so viele Kalorien wie die
Tafel Schokolade, enthielten aber viel weniger Zucker und Fett.
Dadurch sättigten sie mehr als die Schokolade,
und zugleich belasteten sie den Körper weniger.
Auch kleine Sünden sind nicht erlaubtWenn zwischendurch
aus irgendwelchen Gründen Nahrung gebraucht wurde, wurden Müsliriegel und ähnliches eingesetzt.
Auch
hier wurde auf einen niedrigen Zucker- und Fettanteil geachtet.
Schließlich entschied sich der Dicke
noch für Nahrungsergänzungsmittel. Täglich nahm er Multivitamin- und Kalziumtabletten.
Der Dicke war
überzeugt, so die optimale Versorgung für seinen Körper gewählt zu haben.
Er stellte häufig fest,
daß das Essen von Süßigkeiten als „Sündigen“ bezeichnet wurde.
Nun kann man zwar in gewisser Weise
übermäßigen Zuckerkonsum als sündhaft betrachten. Aber in jedem Fall abzulehnen sind Parolen, daß
bei gesunder Ernährung auch „kleine Sünden erlaubt“ seien.
Denn Sünde ist niemals erlaubt. Es gehört
eben zum Wesen der Sünde, daß sie unter keinen Umständen erlaubt ist.
Wenn jemand maßvoll Süßigkeiten
ißt, dann sündigt er eben nicht, sondern handelt gegebenenfalls sogar tugendhaft, weil er damit seinen
Körper stärkt.
Asketische ÜbungenDie christliche Disziplin ist nicht Kasteiung um jeden Preis, sondern
die Beherrschung der Leidenschaften und der vernünftige Gebrauch der geschaffenen Dinge.
Dazu kann auch
die Freude an schmackhaftem Essen gehören. Der Dicke stellte zudem fest, daß die Kirche den Sport grundsätzlich
gutheißt.
Er informierte sich deshalb über effektive sportliche Übungen für Arm-, Rücken- und Beinmuskulatur.
Ihm ging es darum, den Körper zu belasten, aber nicht zu überlasten. Dafür wählte er verschiedene
Aktivitäten wie Dehnübungen und Fahrradfahren.
Grundsätzlich hielt er an einem Tagespensum von dreißig
Minuten fest. Einmal pro Woche, vor dem Frühstück, stellte sich der Dicke dann auf die Waage.
Er achtete
darauf, immer etwa ein halbes Kilo pro Woche abzunehmen. Tatsächlich hatte der Dicke dann in drei Monaten
fünf Kilo abgenommen.
Nach anderthalb Jahren war der Dicke von 110 Kilo auf 78 Kilo herunter. Er entschied
sich, künftig immer einen Bauchumfang von etwa 85 cm und einen Body Mass Index von etwa 22 zu halten.
Weil der Dicke damit nicht mehr dick war, endet hier seine Geschichte.
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