09:23:52 | Mittwoch, 23. März 2005
Das Bistum Fulda will die bisherige Pfarreistruktur zerschlagen und statt dessen zentral organisierte Pastoralverbünde einführen. Ist das Versuch, die Autorität des Pfarrers auszuhöhlen und ihn zu einem herumreisenden Funktionär zu degradieren? Ein Kommentar von Pfarrer Hendrick Jolie, Mühltal, Bistum Mainz.
1. Das vorgeschlagene „Fuldaer Modell“ gerät in Gefahr, die Autorität des Pfarrers durch eine „kooperative
Pastoral“ auszuhöhlen.
Dabei haben römische Instruktionen in der Vergangenheit mehrfach vor dem Weg
in eine „Laienkirche“ gewarnt.
In der berühmten Laieninstruktion aus dem Jahre 1997 wird zum Beispiel
daran erinnert, daß der Pfarrer den Vorsitz im Pfarrgemeinderat innehaben muß.
Auch die Instruktion
über den Priester als Hirten und Leiter der Pfarrgemeinde aus dem Jahr 2001 warnt vor der Einrichtung
eines „Leitungsteams“ als pfarreiliche Letztinstanz.
2. Diese Mahnungen hindern die Pastoralstrategen
in Deutschland offenbar nicht, dem Grundsatz „mehr Demokratie wagen“ zu frönen und weiterzumachen wie
bisher.
Das geschieht meistens mit dem Hinweis auf die „deutsche Sondersituation“ oder mit der Bemerkung,
daß man mit dem römischen Zentralismus ohnehin nichts zu tun haben wolle.
3. Gestützt wird diese Haltung
vom ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’.
Bereits im Jahre 1999 hat das ‘Zentralkomitee’ durch die
Gründung der Abtreibungsberatung ‘Donum vitae’ den organisierten Laienkatholizismus in eine Sackgasse
manövriert.
Auch die Polemik des Zentralkomitee-Präsidenten Hans Joachim Meyer gegen die erwähnte
Laieninstruktion und seine Aufrufe zum zivilen Ungehorsam sind vielen noch in unguter Erinnerung.
4.
„Was haben die Gläubigen davon?“ fragt Guido Horst in einem Kommentar der ‘Tagespost’ zu den Fuldaer
Pastoralplänen.
Die Antwort lautet: In Zukunft werden „Teamfähigkeit“ und „Organisationstalent“ die
herausragenden Eigenschaften sein, wenn es darum geht, leitende Pfarrer für die neu errichteten Seelsorgeeinheiten
zu finden.
5. Dabei wird vergessen, daß es eine ansehnliche Zahl von Katholiken gibt, die an ihrem Priester
andere Qualitäten schätzen, beispielsweise, ob er die Heilige Messe gemäß der Ordnung der Kirche zelebriert
oder ob sich seine Verkündigung an der Lehre der Kirche orientiert.
6. Es wird in Zukunft ein leichtes
sein, „unbequeme Priester“ mit dem Hinweis kalt zu stellen, sie seien zu wenig „teamfähig“.
Dies wird
um so leichter fallen, als bei den Gläubigen und im Klerus ohnehin kein Konsens mehr bezüglich der Frage
herrscht, was denn „katholisch“ ist.
Man wird sich folglich auf den kleinsten – sehr kleinen – gemeinsamen
Nenner einigen.
7. Die Leitungsgewalt des Priesters und sein Anspruch, in der Pfarrei in Fragen des Glaubens
und der Liturgie das letzte Wort zu haben, wird in einer demokratistischen Kirche als Anachronismus betrachtet.
Priester, die sich weiterhin um einen konsequenten Leitungsstil bemühen, werden zum „Hilfspfarrer“ degradiert
und als „Zelebrationskasper“ durch die Dekanate gejagt.
Niemand wird sich mehr an ihnen stoßen, weil
man ihnen die Mittel genommen hat, ihre katholischen Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Quo vadis, Ecclesia
in Europa?
8. Die meisten deutschen Bistümer legen mittlerweile katastrophale Bilanzen vor.
Während
der Priesternachwuchs und die Zahl der Gottesdienstbesucher einbrechen, schießen die Kirchenaustritte
in die Höhe.
Diesen personellen und institutionellen Bankrott nutzt man aus, um die sakramentale Struktur
der Kirche weiter zu verwässern. Wann wacht das Kirchenvolk auf?
Der Priester Hendrick Jolie ist Pfarrer
im Bistum Mainz und Initiator im ‘Netzwerk Katholischer Priester’, einer Vereinigung glaubenstreuer Geistlicher.
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#4
Konrad 16:58:52 | Donnerstag, 24. März 2005
#3
turnschuhfan 16:17:45 | Donnerstag, 24. März 2005
#2
Sulpicius 00:33:35 | Donnerstag, 24. März 2005
#1
Yersinia 19:24:07 | Mittwoch, 23. März 2005