Pastoraler Prozeß
Vom Priester zum Zelebrationskasper?
Das Bistum Fulda will die bisherige Pfarreistruktur zerschlagen und statt dessen zentral organisierte Pastoralverbünde einführen. Ist das Versuch, die Autorität des Pfarrers auszuhöhlen und ihn zu einem herumreisenden Funktionär zu degradieren? Ein Kommentar von Pfarrer Hendrick Jolie, Mühltal, Bistum Mainz.
1. Das vorgeschlagene „Fuldaer Modell“ gerät in Gefahr, die Autorität des Pfarrers durch eine „kooperative Pastoral“ auszuhöhlen.

Dabei haben römische Instruktionen in der Vergangenheit mehrfach vor dem Weg in eine „Laienkirche“ gewarnt.

In der berühmten Laieninstruktion aus dem Jahre 1997 wird zum Beispiel daran erinnert, daß der Pfarrer den Vorsitz im Pfarrgemeinderat innehaben muß.

Auch die Instruktion über den Priester als Hirten und Leiter der Pfarrgemeinde aus dem Jahr 2001 warnt vor der Einrichtung eines „Leitungsteams“ als pfarreiliche Letztinstanz.

2. Diese Mahnungen hindern die Pastoralstrategen in Deutschland offenbar nicht, dem Grundsatz „mehr Demokratie wagen“ zu frönen und weiterzumachen wie bisher.

Das geschieht meistens mit dem Hinweis auf die „deutsche Sondersituation“ oder mit der Bemerkung, daß man mit dem römischen Zentralismus ohnehin nichts zu tun haben wolle.

3. Gestützt wird diese Haltung vom ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’.

Bereits im Jahre 1999 hat das ‘Zentralkomitee’ durch die Gründung der Abtreibungsberatung ‘Donum vitae’ den organisierten Laienkatholizismus in eine Sackgasse manövriert.

Auch die Polemik des Zentralkomitee-Präsidenten Hans Joachim Meyer gegen die erwähnte Laieninstruktion und seine Aufrufe zum zivilen Ungehorsam sind vielen noch in unguter Erinnerung.

4. „Was haben die Gläubigen davon?“ fragt Guido Horst in einem Kommentar der ‘Tagespost’ zu den Fuldaer Pastoralplänen.

Die Antwort lautet: In Zukunft werden „Teamfähigkeit“ und „Organisationstalent“ die herausragenden Eigenschaften sein, wenn es darum geht, leitende Pfarrer für die neu errichteten Seelsorgeeinheiten zu finden.

5. Dabei wird vergessen, daß es eine ansehnliche Zahl von Katholiken gibt, die an ihrem Priester andere Qualitäten schätzen, beispielsweise, ob er die Heilige Messe gemäß der Ordnung der Kirche zelebriert oder ob sich seine Verkündigung an der Lehre der Kirche orientiert.

6. Es wird in Zukunft ein leichtes sein, „unbequeme Priester“ mit dem Hinweis kalt zu stellen, sie seien zu wenig „teamfähig“.

Dies wird um so leichter fallen, als bei den Gläubigen und im Klerus ohnehin kein Konsens mehr bezüglich der Frage herrscht, was denn „katholisch“ ist.

Man wird sich folglich auf den kleinsten – sehr kleinen – gemeinsamen Nenner einigen.

7. Die Leitungsgewalt des Priesters und sein Anspruch, in der Pfarrei in Fragen des Glaubens und der Liturgie das letzte Wort zu haben, wird in einer demokratistischen Kirche als Anachronismus betrachtet.

Priester, die sich weiterhin um einen konsequenten Leitungsstil bemühen, werden zum „Hilfspfarrer“ degradiert und als „Zelebrationskasper“ durch die Dekanate gejagt.

Niemand wird sich mehr an ihnen stoßen, weil man ihnen die Mittel genommen hat, ihre katholischen Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Quo vadis, Ecclesia in Europa?

8. Die meisten deutschen Bistümer legen mittlerweile katastrophale Bilanzen vor.

Während der Priesternachwuchs und die Zahl der Gottesdienstbesucher einbrechen, schießen die Kirchenaustritte in die Höhe.

Diesen personellen und institutionellen Bankrott nutzt man aus, um die sakramentale Struktur der Kirche weiter zu verwässern. Wann wacht das Kirchenvolk auf?

Der Priester Hendrick Jolie ist Pfarrer im Bistum Mainz und Initiator im ‘Netzwerk Katholischer Priester’, einer Vereinigung glaubenstreuer Geistlicher.
      
5 Lesermeinungen
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#5   dieter mueller   13:34:23 | Mittwoch, 27. April 2005
Böses Wort
Zelebrationskasper ist ein so böses Wort.
Die Zelebration der heiligen Messe ist d i e Aufgabe
des geweihten Priesters. Danben ist alles andere
nebensächlich.
Ein Priester der sich als Zelebrationskasper sieht, ist
nicht berufen sondern hat eben nur einen Beruf ergriffen.
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#4   Konrad   16:58:52 | Donnerstag, 24. März 2005
„Zelebrationskasper“
Das Wort ist – auch in Anführungszeichen gesetzt – eines Priesters unwürdig. „Zelebrationskasper“ ist der, der sich selbst dazu macht. Keine Struktureform, mag sie noch so dilettantisch sein, kann aus einem vorbereiteten und spirituell überzeugenden Priester einen „Zelebrationskasper“ machen.
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#3   turnschuhfan   16:17:45 | Donnerstag, 24. März 2005
Priester 1.Klasse und Priester 2.Klasse
Was Pfarrer Jolie schreibt ist gut. Ich denke an die Manager von Pastoralverbünden… Sollen Priester sein. Huschen von einer Sitzung zur anderen…Bildschirmkonferenzen…Chatten … E-mail-Seelsorge… Priester 1.Klasse Und die,die das nicht können bzw. nicht wollen, die älter sind, im schul-oder hochschuldienst, in der jugendseelsorge oder wo auch immer… Priester 2.Klasse im Pastoralverbündchen …
Das darf doch nicht sein!Oder?
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#2   Sulpicius   00:33:35 | Donnerstag, 24. März 2005
Priesterliche Vollmacht versandet in den Ritzen protestantoider Verhältnisse einer Laienkirche
Kommentar sinfoniasacra.twoday.net/stories/588897/
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#1   Yersinia   19:24:07 | Mittwoch, 23. März 2005
„Teamfähigkeit“ und „Organisationstalent“
sind wohl auch in der Verkündigung des Glaubens keine ganz schlechte Sache
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