Theologie
In einer Zeit des Niederganges ist es gut, auf die Alten zu blicken
Er war ein deutscher Jesuit und Kurienkardinal. Daß er nur 75 Jahre nach seinem Tod weitgehend der Vergessenheit anheimfiel, ist in sich schon symptomatisch. Von Hubert Alisade.
 Franz Kardinal Ehrle
Franz Kardinal Ehrle
(kreuz.net) Heute jährt sich zum 75. Male der Todestag des großen Historikers, Bibliothekars und Jesuiten, Franz Kardinal Ehrle.

Franz Ehrle wurde am 17. Oktober 1845 im württembergischen Isny als Arztsohn geboren.

Er absolvierte das Jesuitengymnasium Stella Matutina in Feldkirch. Im Jahr 1861 trat er ins Jesuitennoviziat zu Gorheim ein.

Auf das Noviziat folgten die philosophischen Studien in Maria Laach und die theologischen Studien im englischen Ditton-Hall.

Im Jahre 1876 empfing er die Priesterweihe. Darauf folgte eine kurze Tätigkeit als Seelsorger in England.

Auf nach Rom

Im Anschluß daran wurde er vom Orden nach Schloß Tervueren bei Brüssel gesandt, wo zu dieser Zeit die Zeitschrift ‘Stimmen aus Maria Laach’ ihren Sitz hatten.

Kardinal Ehrle war ein großer Historiker, Bibliothekar und Jesuit
Kardinal Ehrle war ein großer Historiker, Bibliothekar und Jesuit
In dieser Zeitschrift veröffentlichte der Pater im Jahre 1880 seine ersten Artikel – einen über die Enzyklika ‘Aeterni Patris’ von Papst Leo XIII. und einen weiteren über den damals noch Seligen Albertus Magnus.

Noch im selben Jahr, in das auch die Öffnung des Vatikanischen Archivs durch Papst Leo XIII. fällt, wurde Pater Ehrle nach Rom berufen.

Fast gleichzeitig mit ihm traf auch Pater Heinrich Suso Denifle O.P. ein, der sein langjähriger wissenschaftlicher Weggefährte werden sollte.

In den folgenden Jahren unternahm Pater Ehrle große Bibliotheksreisen in verschiedene Länder.

Spezialist für alte Handschriften

Auf diese Weise machte er nicht nur wertvolle Bekanntschaften mit Bibliothekaren und Forschern, sondern er eignete sich auch gute paläographische Kenntnisse an, die für das Handschriftenstudium unerläßlich sind.

Im Jahre 1885 begründete er zusammen mit Pater Denifle die Zeitschrift ‘Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte des Mittelalters’, von der bis zum Jahre 1900 sieben stattliche Bände erschienen sind.

In dieser Zeitschrift hat Pater Ehrle viele bahnbrechende Arbeiten veröffentlicht, so über die mittelalterliche Spiritualen-Bewegung, über den Franziskanertheologen Petrus Johannis Olivi und über das Verhältnis zwischen Augustinismus und Aristotelismus im 13. Jahrhundert.

Nach dem Tod von Prälat Isidoro Carini († 1895) ernannte Papst Leo XIII. den Jesuiten zum Präfekten der Vatikanischen Bibliothek, die unter seiner Leitung reorganisiert und modernisiert wurde.

Den Gelehrten aus aller Welt wurden die Arbeitsbedingungen an der Vaticana bedeutend erleichtert.

Sein Nachfolger wurde Papst

Nach fast zwanzigjähriger Tätigkeit als Präfekt dieser Bibliothek übergab Pater Ehrle die Leitung der Bibliothek an Hw. Achille Ratti, der acht Jahre später als Pius XI. die Kathedra Petri besteigen sollte.

Pater Ehrle kehrte nach Deutschland zurück. Dort betrieb er vor allem in München Studien zur Spätscholastik.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrte er schließlich nach Rom zurück, hielt am päpstlichen Bibelinstitut Vorlesungen über Paläographie und gründete an der Gregoriana einen Lehrstuhl für die Geschichte der Scholastik.

Päpstliche Ehren

Papst Pius XI. verlieh ihm im ersten Konsistorium seines Pontifikats im Dezember des Jahres 1922 den Kardinalspurpur.

Zum 80. Geburtstag überreichte ihm Papst Pius XI. im Rahmen eines Festaktes persönlich eine fünfbändige Festschrift mit dem Titel Miscellanea Francesco Ehrle.

Nach dem Tode des Benediktinerkardinals Francis Aidan Gasquet im Jahre 1929 wurde Franz Kardinal Ehrle S.J. zum Kardinalarchivar und -bibliothekar der Römischen Kirche ernannt.

Obwohl er bereits das Greisenalter erreicht hatte, stand er weiterhin unermüdlich im Dienste der Wissenschaft.

Tod am Karsamstag

Bis in seine letzten Lebenswochen arbeitete er, obwohl bereits fast erblindet, an einem Werk über die Statuten der theologischen Fakultät der Universität Bologna aus dem Jahre 1364.

Am 31. März 1934 schließlich, in den frühen Morgenstunden des Karsamstags, gab er seine Seele dem Schöpfer zurück.

Leuchte der neoscholastischen Erneuerung

Pater Ehrle hat frühzeitig erkannt, daß die historische Forschung einen unverzichtbaren Bestandteil der neuscholastischen Erneuerungsbewegung darstellt.

Niemals aber hätte er sich dazu verstiegen, im Namen der historischen Forschung bestimmte theologische Autoritäten oder gar Glaubenswahrheiten zu relativieren.

Er war ein eherner Verfechter der aristotelisch-scholastischen Philosophie und ein großer Freund des Heiligen Thomas von Aquin.

Lehrmeister der heutigen Zeit

Sein Forschen war vom Gedanken beseelt, daß es notwendig ist, die katholische Tradition immer besser kennenzulernen, um eine wirkliche Erneuerung in Theologie und Philosophie herbeizuführen.

Diesen Grundsatz befolgte die Neuscholastik weitaus besser als die moderne Theologie.

So war Pater Ehrle ein frommer und bescheidener Priester. Zugleich glänzte er als hervorragender Wissenschaftler, der Mitglied von sieben wissenschaftlichen Akademien und Ehrendoktor von sieben Universitäten – darunter Oxford und Cambridge – war.

In unserer Zeit, die ein halbes Jahrhundert systematischer Zerstörung der katholischen Theologie und Philosophie hinter sich hat, ist es nützlich, auf große Gestalten der Vergangenheit zu blicken, die weithin der Vergessenheit anheimgefallen sind.

Die Prinzipien, nach denen sie gelebt und gearbeitet haben, können auch dem Katholiken des 21. Jahrhunderts als Orientierungspunkte dienen.
      
20 Lesermeinungen
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#20   Das Kind   23:00:51 | Sonntag, 8. November 2009
Scholastik
Es sei auch daran erinnert, daß die Scholastik ein Appell an das Mitdenken jedes einzelnen war. Sie legte den Grund zu einer Diskussionsgemeinschaft zwischen Lehrern und Schülern. – Das sollten alle bedenken, die die Scholastik als „verstaubt“ und „mittelalterlich“ abtun wollen.
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#19   catholic   09:54:38 | Mittwoch, 1. April 2009
Ein erfeulich objektiver Bericht, ohne üble Hetze
und verstaubte Predigterei.
Danke, weiter so.
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#18   vonHerzmanovsky-Orlando   22:39:58 | Dienstag, 31. März 2009
@Buchstabe des Lebendigen
ja, denn Iraner sind die Ur-Arier
ICh dachte, es sind dies diese schwarzen Teufel, die die Atombombe entwickeln um die Ur-Semiten zu pulverisieren. Oder habe ich Obama (oder hieß der Osama???) da irgendwie falsch verstanden. Mein Radio ist kaputt, ich krieg diesbezüglich nicht alles mehr mit! Und wenn es noch ganz wäre, der öffentlich-rechtliche Sender hier würde das dann doch zu verhindern wissen.
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#17   Simplicius   22:31:15 | Dienstag, 31. März 2009
Danke
Ich habe Ehrle nicht gekannt. Es ist erfreulich, daß einmal ein informativer Beitrag erscheint und nicht immer nur die gleiche Hetze gegen immer die gleichen Feindbilder
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#16   Buchstabe des Lebendigen   22:30:30 | Dienstag, 31. März 2009
@vonHerzman…
ja, denn Iraner sind die Ur-Arier :-D
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#15   vonHerzmanovsky-Orlando   22:25:23 | Dienstag, 31. März 2009
@Buchstabe des Lebendigen
Wer ist Alisade?
‘n Ariernachweis jefällich oder was. Irschendwie biste nicht janz von dieser Welt, oder?
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#14   Buchstabe des Lebendigen   22:22:52 | Dienstag, 31. März 2009
Wer ist Alisade?
Es wird höflichst gebeten, der Autor des Artikels möge seine Herkunft erklären. Alisadeh oder Alizadeh ist ein Name in Farsi (persisch): „Sohn des Ali“, „von Ali geboren“.
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#13   vonHerzmanovsky-Orlando   22:00:54 | Dienstag, 31. März 2009
@incubi
was willst da nun damit beweisen. Dass die vorbildlichen Alten beschädigt werden, die verachtenswürdigen Modernisten allerdings gelobt werden, das ist doch endemisch in der 2.Republik.
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#12   Inabikari   20:38:52 | Dienstag, 31. März 2009
Kardinalsrot
Das Kardinalsrot der Kleidung eines Kardinals entspricht dem Scharlachrot. („Und wären eure Sünden rot wie Scharlach…“)
Purpur, das einen Stich ins Violette hat, ist die Farbe der Bischofsgewandung.
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#11   Mrs.Cologne   19:42:49 | Dienstag, 31. März 2009
@pamino
Kardinalspurpur ist schon richtig. Das sagt man so.
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#10   pamino   19:34:16 | Dienstag, 31. März 2009
Hierarchie der Farben
Papst Pius XI. verlieh ihm im ersten Konsistorium seines Pontifikats im Dezember des Jahres 1922 den Kardinalspurpur.
Bis jetzt dachte ich, Kardinäle hatten rot und Bischöfe purpur. Habe ich also unrecht?
Das erinnert mich an ein englisch-katholisches Epigramm:
And when I die, may this of me be said:
His sins were purple, but his books were read.
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#9   Beatus Theophilus_89   19:22:20 | Dienstag, 31. März 2009
Im Alter liegt die Kraft, die Schönheit und die Erfahrenheit…
…die Schönheit der röm.-kath. Kirche ist die gute alte tridentinische Messe und somit auch die alten Gepflogenheiten www.memorare.com/…/vestmentsmednum.jpg in der Kirche selbst.
Wer das alte verachtet, der verachtet auch seine Eltern und Ureltern und somit auch Tradition bzw. die Gesellschaft in der wir leben.
Wer das alte nicht mit dem neuen verbinden kann der hat nichts in der röm.-kath. Kirche zu suchen.
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#8   Bodo11 †   18:58:45 | Dienstag, 31. März 2009
Katholiken wählt NPD
Ich finde alle Katholiken sollten die NPD wählen und diese Partei einfach so durch ihre schiere Anzahl übernehmen.
Macht eure EIGENE Partei draus,wenn ihr genug seid,klappt das auch.
Die wirklich beinharten Nazis hauen dann sowieso ab,nur der VS bleibt.
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#7   thaumaturgos   18:24:40 | Dienstag, 31. März 2009
wieso v e g e s s e n ???
wir theologiehistoriker verwenden Ehrles Arbeiten immer noch, muss man was zum mittelalter arbeiten …
Ehrle wird aber nicht geschätzt, weil er vorkonziliar-reaktionär ist sonder weil vieles in seinen arbeiten noch immer gültig ist!
also: blödsinniger titel!
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#6   Karl Rahna   17:17:42 | Dienstag, 31. März 2009
„eherner Verfechter der aristotelisch-scholastischen Philosophie“?
Durchaus. Aber in einem ganz bestimmten Sinn. So erhob er stets entschiedenen Einspruch, wenn man in seiner Gegenwart etwas gegen Suárez oder gar Kleutgen sagte (oder diese gar als Anti-Thomisten vernaderte). Was wohl der „Thomist“ Dr. Dr. David Berger / M. Kirschbaum zu allem meint?
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#5   Mrs.Cologne   17:15:52 | Dienstag, 31. März 2009
Ach, sie mal einer an,…
Der Kinderschänder ist auch wieder da! :-!
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#4   gutpfad   17:14:26 | Dienstag, 31. März 2009
Mit Dankbarkeit lese ich endlich einen anständigen Bericht
Franz Kardinal Ehre hätte seinen Ordensbruder Karl Rahner wohl nach Jesuitenart höflich behandelt und ihn nicht „Giftzwerg“ genannt.
Ist es die Tugend der Nichtskönner,
andere herunterzumachen?
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#3   DJM †   16:59:20 | Dienstag, 31. März 2009
Kardinal Ehrle
Sein Forschen war vom dem Gedanken beseelt, daß es notwendig ist, die katholische Tradition immer besser kennenzulernen, um eine wirkliche Erneuerung in Theologie und Philosophie herbeizuführen.
Erneuerung bedeutet immer die Assimilierung des Alten!
Wir nehmen aus der Vergangenheit und erschaffen daraus die gegenwärtige Zukunft. :-P
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#2   stimme der vernunft †   16:56:07 | Dienstag, 31. März 2009
Wär ja auch noch schöner!
Niemals aber hätte er sich dazu verstiegen, im Namen der historischen Forschung bestimmte theologische Autoritäten oder gar Glaubenswahrheiten zu relativieren.
Wenn die Realität nicht zu den theologischen Autoritäten oder den „Glaubenswahrheiten“ passt, dann hat sich gefälligst die Realität zu ändern, ist doch klar!
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#1   Romulus   16:31:38 | Dienstag, 31. März 2009
Solche Jesuiten bräuchten wir wieder!
Dieser Pater war von wirklicher Größe ganz im Gegensatz zu diesem Giftzwerg Rahner!
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