12:28:50 | Mittwoch, 1. April 2009
Eine christliche Qualitätszeitung produziert einen kirchenfeindlichen und verleumderischen Artikel und verherrlicht indirekt die Abtreibungsgewalt. Vorher hat sie mit mir telephoniert. Von Dr. Josef Preßlmayer.
(kreuz.net) Die Wiener Wochenzeitung ‘Die Furche’ hält sich für eine „von der christlichen Weltanschauung
geprägte Qualitätszeitung“.
Mit heraushängender Zunge hoppelte sie glaubensvertrockneten Furchen entlang,
während andere „bin schon da!“ rufen.
Neuerdings hat sie das Portal ‘kreuz.net’ entdeckt. Der Artikel
dazu hat eine Vorgeschichte.
Am Montag, dem 16. März vormittags, läutete bei mir das Telefon. Ein freundlicher
Mitarbeiter der ‘Furche’ namens Michael Weiß möchte mich zu meiner Mitarbeit bei ‘kreuz.net’ befragen.
„Warum schreiben Sie nicht anonym?“ fragt der Journalist.
„Weil ich für meine Meinung auch persönlich
einstehe“ – antworte ich.
„Kennen Sie andere persönlich, die auf ‘kreuz.net’ anonym schreiben?“. „Ja!“
„Aber Sie werden mir die Namen nicht sagen?“ – „Nein“ – antworte ich, und so geht es weiter. Das Interview
dauert etwa zwanzig Minuten.
Niedrige Erwartungen wecken positive GefühleAm gleichen Tag schreibe
ich der ‘Furche’ einen Kurzartikel unter dem Titel „Warum ich auf ‘kreuz.net’ poste und Artikel schreibe“.
Anliegen des Schreibens war, Mißverständnisse zu vermeiden.
Der Artikel erscheint schließlich am Donnerstag,
dem 26. März, ohne daß er mir vorausgehend zur Kontrolle übermittelt worden wäre.
Mein erster Eindruck
war positiv. Der Artikel war zwar klar tendenziell gegen das Portal ‘kreuz.net’ und mich gerichtet. Immerhin
enthielt er eine Reihe einigermaßen richtig wiedergegebener Zitate aus dem Interview.
Ich reagierte
deshalb positiv, weil meine Erwartungen nach den bisherigen medialen Erfahrungen extrem gering waren.
Bitterer NachgeschmackBei einer näheren Betrachtung des Artikels stellte sich dessen Einseitigkeit
aber immer schmerzlicher heraus.
Es beginnt schon mit dem ersten Satz: „Josef Preßlmayer bezeichnet
sich als Gesundheitspsychologen“.
Die Wahrheit besteht darin, daß ich gemäß Paragraph 7 des Psychologengesetz
ein Gesundheitspsychologe bin und als solcher in der Liste des Bundeskanzleramtes aufgeführt werde.
Will die ‘Furche’ meine erworbenen Berufsqualifikationen in Frage stellen? Oder persifliert die Qualitätszeitung
generell, daß sich ein Arzt als Arzt oder ein Journalist als Journalist „bezeichnet“?
In meiner schriftlichen
Stellungnahme habe ich auch klar gesagt, daß ich nach meiner langjährigen Berufstätigkeit als Schulpsychologe
und mehrjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Gehsteigberater von ‘Human Life International’ weiter
mit dieser Organisation zusammenarbeite.
Somit mußte klar sein, daß ich mich nicht nur als Gesundheitspsychologe
„bezeichne“, sondern hier auch meine berufliche Basis habe.
Dann bleibe ich noch einmal am ersten Satzes
hängen: „bezeichnet sich selbst als Gesundheitspsychologen“ – ein grammatikalischer Querschläger: Ich
bezeichne mich als „Gesundheitspsychologe“.
Seltsame Gewährsleute für eine QualitätszeitungDie ‘Furche’
beruft sich in dem Artikel auch auf die „Gesellschaft kritischer Psychologen und Psychologinnen“, die
für eine christliche Qualitätszeitung nicht unbedingt die erste und beste Adresse ist.
Mit Bezug auf
diese Gruppe schmettert die ‘Furche’ meine Feststellung nieder, daß unsere Gesellschaft durch die Abtreibung
„schwer geschädigt“ ist.
„Hanebüchener Blödsinn“ zitiert die Qualitätszeitung mit sichtlichem Genuß
die „kritischen Psychologen“, deren Reaktion sie als „schlicht“ bezeichnet – ohne die Mehrdeutigkeit dieses
Adjektivs in Betracht zu ziehen.
Damit ist klar, daß die „Gesellschaft kritischer Psychologen und Psychologinnen“
auch die Abtreibungsgewalt rechtfertigt.
Daß der Kommentar der ‘Gesellschaft’ in Wirklichkeit schlicht
im Sinne von einfältig ist und nicht, wie wohl beabsichtigt, als einfach, steht außer Diskussion.
Denn
laut Jugendzeitschrift ‘Gynnie’ der Österreichischen Ärztekammer, gibt es jährlich 84.000 und „inoffiziell“
200.000 Abtreibungen in Österreich.
In 34 Jahren Fristen-Endlösung sind
somit in Österreich rund 2,8 Millionen Menschen durch Abtreibung getötet worden. Von diesem Gemetzel
sind durchschnittlich 71% der vier Millionen Österreicherinnen betroffen.
Geht man von der „inoffiziellen“
Zahl von 200.000 Abtreibungen aus, so kommen bei 6,8 Millionen vernichteten Kindern auf jede Frau im Schnitt
sogar 1,7 tote Kinder.
Warnung vor der KinderabtreibungLaut der „Dokumentierten Patientenaufklärung“
hat die Kinderabtreibung Spätfolgen:
● „Bei späteren Schwangerschaften ist mit einer Neigung zu Fehl-
und Frühgeburten zu rechnen. Auch sonstige Komplikationen im Schwangerschafts- und Geburtsverlauf können
vermehrt vorkommen.
● Der Schwangerschaftsabbruch kann Depressionen, Schuldgefühle oder seelisch bedingte
Sexualstörungen verursachen. Unter Umständen ist dann eine längerfristige Behandlung erforderlich“.
Damit hat sich die Aussage der kritischen Psychologen selber disqualifiziert.
Ein Psychologenverband,
der sich als kritisch bezeichnet und deshalb eine „Diskussion und Weiterentwicklung kritisch-psychologischer
und gesundheitspsychologischer Inhalte“ zum Ziel hat, muß zweifellos die von kommerziellen Kinderschlächtern
und Apologeten der Fristen-Endlösung aufgestellte Behauptung hinterfragen, daß die Abtreibung keine
seelischen Folgeschäden habe.
Erst recht sollte eine „von der christlichen Weltanschauung geprägte
Qualitätszeitung“ ein solches Anliegen vertreten.
Die ‘Furche’ erklärt auch, daß ich meine Kritik
an der Abtreibung „regelmäßig“ und – Zitat ‘Furche’ – „zusammen mit dem Rest seiner Weltanschauung“
im Internet kundtue.
Die christliche Qualitätszeitung versteht es offensichtlich, einen Psychologenverein,
der die Abtreibungsgewalt verherrlicht, in ein gutes und einen christlichen Interviewpartner in ein schlechtes
Licht zu rücken.
Unsaubere BerichterstattungEs wird mir im weiteren die Behauptung unterschoben, „dass
die Seite ein breites Meinungsspektrum von konservativen bis hin zu liberalen Katholiken oder gar Atheisten
bietet.“
Oberlehrerhaft korrigiert die „Furche“ aber gleich den selbst konstruierten Gegensatz:
„Das
trifft allerdings bestenfalls für die Diskussionsbeiträge der Besucher zu.“
Die ‘Furche’ unterstellt
mir somit die Aussage, daß die „kreuz.net“-Redaktion – ähnlich wie die Bischöfe Österreichs und Deutschlands –
ein breites Meinungsspektrum, also eine schwankende und überhaupt keine gefestigte Meinung vertreten
würde.
Doch dann wäre es unverständlich, warum sich die Herren Prälaten mit ihren schwammigen Meinungen
von ‘kreuz.net’ distanziert haben.
In Wahrheit habe ich in meinem schriftlichen Text an die ‘Furche’
erklärt, daß die Forumsteilnehmer nur in geringem Ausmaß glaubenstreue Katholiken sind:
„Es sind hier
alle Schattierungen von zynischen Atheisten, bekennenden Homosexuellen, Feministinnen unterschiedlichen
Grades, modernistische, mit der »Fristenlösung« sympathisierende Katholiken, dann freilich auch konservative,
papsttreue Katholiken bis zu Pro- und Antisemiten wie auch rechtsextremen Revisionisten vertreten.“
Die
Weiterleitung meiner schriftlichen Aussagen an Weiß wurde mir übrigens vom stellvertretenden Chefredakteuer
der ‘Furche’, Rudolf Mitlöhner, bestätigt.
Verschwiegene FaktenVerschwiegen hat Weiß – obwohl ich
ihn ausdrücklich nannte – meinen Artikel „
Das muß der Papst wissen“.
Darin ist eine Dokumentation innerkirchlicher
Apologeten der Fristenlösung erhalten.
Der Artikel beginnt mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn
und endet beim Sumpf der Produzenten der Linzer ‘
Skandal-CD’, die mit sämtlichen Abtreibungskliniken
Österreichs verlinkt.
In den Ausführungen kommt auch die von Kardinal Schönborn ideell und finanziell
unterstützte ‘Aktion Leben Österreich’ zur Sprache, die
Beratungsscheine für Kinderabtreibungen ausstellt.
Statt die Wahrheit zu verkündigen, ist sich die christliche Qualitätszeitung nicht zu schade, erneut
das Gerücht zu verbreiten, der designierte Linzer Weihbischof Gerhard Wagner habe einer schwangeren Mutter
Geld für eine Abtreibung gezahlt, obwohl Mons. Wagner diese Infamie bereits am 12. März als „erstunken
und erlogen“ zurückwies.
Dagegen ist wahr, daß die katholische Caritas schwangeren Mütter Scheine
zugesteckt hat, damit sie die Tötung ihrer Kinder bezahlen können.
Das habe ich meinem Artikel „
Die
gespaltene Zunge der kirchlichen Abtreibungsschlange“ am 20. März dargelegt.
Der Autor ist Gesundheitspsychologe
und Kurator des „1. Europäischen Lebensschutz-Museums“.
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