Pastoraler Prozeß
Jetzt gehen in Fulda die Priester aufeinander los
Die Diözese Fulda will ihre Pfarreien in Pastoralverbünden zusammenlegen. Damit würden die Priester zu Zelebrationskasper reduziert, meinen die Kritiker. In der Zwischenzeit schlagen sich die Gegner und Befürworter die Köpfe ein. Ist die Einheit der Diözese in Gefahr?
(kreuz.net, Fulda) Die Fuldaer Pfarreien sollen in Zukunft nicht mehr im klassischen Sinn weitergeführt, sondern in zentral verwalteten Pastoralverbünden zusammengeschlossen werden. Diese Pläne stoßen bei den Priestern des Bistums auf zum Teil heftige Widerstände.

Für vierzig oder sechzig Pfarrverbünde brauche man vierzig oder sechzig Priester als Obermanager. Die übrigen Priester sollen Seite an Seite mit den Laien Teamfähigkeit beweisen und seien im Grunde ersetzbar. Aber – so fragen sich die Kritiker – haben diese Männer dafür zu ihrer priesterlichen Berufung, zum Zölibat und zur Ganzhingabe an Gott Ja gesagt, um als rotierende Zelebratoren in einem Pfarrverbund zu enden?

Die Einführung von Pastoralverbünden werde zur Auflösung des pfarrlichen Lebens führen. Selbst wenn die Pfarreien eines Pastoralverbundes formal bestehen blieben, würde die Seelsorge pfarreiübergreifend betrieben. Der notwendige Kontakt zwischen Klerus und Gläubigen sei so nicht gewährleistet.

Ein Herd des Widerstandes gegen die diözesanen Pläne ist das Dekanat Geisa. Das Dekanat besteht aus elf Pfarreien, einer Pfarreikuratie und zwei Seelsorgestellen.

Gremienmitglieder der Gemeinden Spahl, Ketten und Geismar, die zum Dekanat gehören, hatten sich mit ihrem Pfarrer Uwe Winkel zu Wort gemeldet und die Pastoralpläne der Diözese kritisiert.

Kritik erhielt diese Kritik vom stellvertretenden Dechant, Pfarrer Uwe Hahner, der am Wochenende im Gottesdienst eine „Erklärung der Priesterschaft des Dekanats Geisa“ verlas. Darin geißelte der Vizedekan die Erklärung aus Spahl, Ketten und Geismar scharf. Der Vizedekan ist der Vertreter des Dekans (Dechants). Ein Dekan ist der Vorsteher der Priester in einem diözesanen Teilgebiet.

Im Namen der „Priester des Dekanates Geisa“ äußert der Vizedekan sein „Befremden“ über die „einseitige Berichterstattung“ der Lokalpresse, sowie über die Presseerklärung der Gemeinden von Pfarrer Winkel, die seiner Meinung nach „gegen Bischof Algermissen gerichtet“ ist. Diese Erklärung sei „nicht hinnehmbar“ und verletzte „die Einheit.“

In einer Wir-Formulierung drückt der Vizedekan auch seine Empörung über einen Kommentar in der „Südthüringer Zeitung“ aus, der Bischof Heinz Josef Algermissen „auf bösartige Weise“ vorführe und angreife. Damit sei dem Ansehen des Bischofs, des Dekanates Geisa und der Kirche im Bistum Fulda in aller Öffentlichkeit großer Schaden zugefügt worden.

Die öffentliche Erklärung der drei Gemeinden um Pfarrer Winkel zeige, daß sowohl die Einheit zwischen Dekanat und Ortsbischof als auch die von Bischof Algermissen erwartete Kooperation unter Priestern und Gemeinden notwendig sei, um Schaden von der Kirche abzuwenden.

Nach einer demonstrativen Einheitsbekundung mit dem Bischof meint der Vizedekan: „Was in 40 Jahren aufgezwungener Diktatur ein atheistisch geprägter Staat nicht schaffte, nämlich das Dekanat Geisa von seinem vom Papst bestellten Oberhirten abzuspalten, das sollte auch in heutiger Zeit nicht geschehen, schon gar nicht durch oder über die Presse.“

Die vom Vizedekan verlesene „Erklärung der Priesterschaft des Dekanates Geisa“ haben sogleich sechs Priester des Dekanates öffentlich widersprochen: die Pfarrer Bela Horvath (Schleid, Motzlar), Raimund Stitz (Vacha, Dorndorf), Gerhard Arnold (Kranlucken, Zitters, Gerstengrund), Sebastian Schmidt (Zella), Jan Kozaczka (Buttlar, Wenigentaft) und Uwe Winkel (Geismar, Spahl, Ketten) sowie Diakon Thomas Kranz.

In einem Schreiben, das ebenfalls am letzten Wochenende im Gottesdienst verlesen wurde, gaben sie bekannt, daß der Vizedekan das Schreiben ohne ihr Wissen aufgesetzt hat. Daraus ergebe sich, daß die meisten Geistlichen des Dekanats die Erklärung aus Geismar, Spahl und Ketten nicht als Angriff auf den Bischof, sondern als von der Kirchenleitung ausdrücklich gewünschten Diskussionsbeitrag verstehe.
      
1 Lesermeinung
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#1   Konrad   08:38:13 | Freitag, 25. März 2005
Pastoraler Prozess?
Nach dem Fehlstart des „pastoralen Prozesses“: Wo in der Bibel gibt es eine Grundlage dafür? Man nenne ein Beispiel eines „pastoralen Prozesses“. Es gibt dort „pastorale Begegnungen“, aber die soll ja jetzt ein „kooperatives Team“ gestalten. Das Ganze ist eine Depersonalisierung wie sie unsere Gesellschaft auf allen Ebenen mittlerweile prägt. Politiker, Journalisten und nun auch Kirchenleute „blinzeln“ und „kaspern“ herum. CS Lewis nannte es die „Abschaffung des Menschen“. Je
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