11:25:19 | Mittwoch, 8. April 2009
Die Frage stellt sich, ob Päpste und Bischöfe mit der Liturgie der Kirche machen können, was sie wollen. Von John Casey.

In der Alten Messe gibt es nur die Mundkommunion.
© joebrad1326, CC(kreuz.net) Ich habe einmal den Patriarch von Antiochien in Damaskus interviewt. Dabei fragte ich ihn,
ob er – ähnlich wie der Bischof von Rom – glaube, die Macht zu haben, um die Liturgie verändern zu dürfen.
„Oh, ja wir haben viel Autorität in Sachen Liturgie“ – antwortete er mir: „Und in fünf hundert Jahren
haben wir einmal ein Gebet verändert.“
Es wurde mir klar, daß es dem Patriarchen nie einfallen würde,
künstlich eine neue Liturgie zu schaffen.
Auch die sogenannte Tridentinische Messe wurde nicht vom Konzil
von Trient erfunden. Sie war vielmehr eine Kodifizierung des Römischen Ritus, der schon seit vielen Jahrhunderten
existierte.
Die eigentliche Frage besteht also darin, ob Papst und Bischöfe wirklich eine solche Autorität
über die Liturgie besitzen.
Ein angesehener katholischer Theologe meinte, daß es keine solche weitgehende
Macht gebe.
Die Liturgie habe ihre eigene Autorität die auf einer unvordenklichen Tradition beruhe.
Die päpstliche Autorität stehe nur im Dienste der Heiligen Tradition.
Derselbe Autor wagte sogar, die
Neue Messe nicht als Wiederbelebung, sondern als Verwüstung, als eine fabrizierte Liturgie, als ein banales
Produkt des Augenblickes zu bezeichnen.
Der Mann, von dem ich spreche, ist der gegenwärtige Papst Benedikt
XVI.
Die Kardinäle haben ihn zum Nachfolger Petri gewählt, obwohl sie um seine Überzeugungen wußten.
Das kann nicht in einem Augenblick der Geistesabwesenheit geschehen sein.
Die Katholische Kirche hat
die innere Einheit oft mit größter Gewaltanstrengung erkämpft.
Doch im gegenwärtigen Kampf der Kulturen
scheint die Einheit weit entfernt zu sein.
Als die Bemühungen des Papstes um die Alte Liturgie bekannt
wurden – Kardinal Dario Castrillón erklärte sogar, daß der Papst den Alten Ritus in allen britischen
Pfarreien zugänglich machen wolle – fielen die englischen Bischöfe in ein merkwürdiges Schweigen.
Als der Pfarrer einer bekannten Jesuitenkirche höflich gebeten wurde, einige Alte Messen zu feiern, reagierte
er mit unverhüllter Wut.
(In seiner Kirche gibt es eine Kindermesse, eine japanische Messe, Gottesdienste
für Brasilianer und Philippiner, doch scheinbar überschreitet die Alte Messe die Grenze des Machbaren).
Die Auseinandersetzung um die Liturgie ist Teil eines breiteren Kampfes. Jene, welche die Kirche dem
gerade regierenden Zeitgeist – also den geläufigen liberalen Werten – angleichen wollen, folgen tendenziell
dem Zweiten Vatikanum.
Doch ihre Hoffnung, daß die Kirche ihre Ansichten zur Befreiungstheologie, Scheidung,
Homosexualität oder Frauenordination folgen würde, ist an Papst Johannes Paul II. zerschellt.
Papst
Benedikt XVI. ist traditioneller als sein Vorgänger. Er ist der Auffassung, daß Auseinandersetzungen
über die Liturgie Auseinandersetzungen über die Natur der Kirche sind.
Er schätzt die Alte Messe,
die sich über Jahrhunderte nach ihren eigenen Gesetzen entwickelt hat.
Der Papst ist auch von dem östlichen
Konzept der Liturgie angezogen, derer Licht unsere veränderlichen Zeiten mit ihrer unveränderlichen
Schönheit und Größe erleuchtet.
Jene, welche die Messe nach dem Zweiten Vatikanum änderten, glaubten
an die Möglichkeit der Schaffung einer Gottesdienstform, die von den wechselnden Zeiten erleuchtet sein
könnte. Doch hier stoßen zwei völlig unkompatible Dinge aufeinander.
Benedikt XVI. erklärt das in
seinem Begleitbrief zum Motu Proprio: „Das was frühere Generationen für heilig gehalten haben, bleibt
auch für uns genauso heilig und großartig. Es kann folglich nicht auf einmal völlig verboten oder für
schädlich gehalten werden.“
Der Artikel erschien zum ersten Mal auf der englischsprachigen Webseite
‘openDemocracy’.Nächstes Mal: Nicht die letzten Tränen
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HBR 21:12:02 | Mittwoch, 8. April 2009
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Vineta 17:57:30 | Mittwoch, 8. April 2009
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pamino 13:28:55 | Mittwoch, 8. April 2009
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Vineta 11:46:37 | Mittwoch, 8. April 2009