Theologie
Jetzt geht es den Theologischen Fakultäten an den Kragen
Jahrzehntelang waren die Theologischen Fakultäten in Deutschland die Vorkämpfer für den dortigen Glaubensverfall in Klerus und Kirchenvolk. Jetzt frißt die Revolution ihre eigenen Kinder, die kleinen und unschuldigsten zuerst.
(kreuz.net, Greifswald) In Deutschland stehen verschiedene Theologische Fakultäten vor dem Aus. In Greifswald droht wegen sinkender Absolventenzahlen die erste Schließung in Deutschland. Das berichtete bereits anfangs dieses Monates die deutsche Tageszeitung „Die Welt.“ Greifswald befindet sich im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern im Nordosten Deutschlands.

Es ist möglich, daß die evangelisch-theologische Fakultät in Greifswald schon zum nächsten Wintersemester keine neuen Studenten mehr aufnimmt. Es wäre die erste Schließung einer theologischen Fakultät in Deutschland.

Hintergrund ist – nach Angaben von „Die Welt“ – die Absicht der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, an der Universität Greifswald bis 2017 insgesamt 167 Stellen einzusparen. Daraufhin hat der Rektor der Universität Ende Februar einen Sparplan vorgestellt, wonach die theologische Fakultät Greifswald mit der 90 km weiter westlich gelegenen Universität Rostock zusammengelegt werden soll. Der Rektor begründete das Vorhaben damit, daß die theologische Fakultät jährlich eine Million Euro koste, obwohl es kaum Absolventen gäbe.

Diese Argumentation kann der Greifswalder Dekan der Theologischen Fakultät, Michael Herbst, nicht nachvollziehen. Es sei nicht angemessen, eine solche Fakultät nach der Anzahl ihrer Absolventen zu beurteilen, erklärte der Dekan vor „Die Welt“. Alle Pfarramtskandidaten müßten nämlich ihr Examen an Universitäten im Gebiet ihrer eigenen Landeskirche ablegen. Deshalb würden Studenten, die nicht zur pommerschen Landeskirche gehören, die Universität vor dem Abschluß verlassen. Außerdem habe die Fakultät im letzten Jahr eine Million Euro von dritter Seite bekommen.

Geht es nach dem Willen des Rektors, soll die Theologische Fakultät in Greifswald im Jahr 2009 endgültig zugesperrt werden. Bereits ab Wintersemester 2005/06 würden demnach keine Erstsemester mehr zugelassen. Doch vermutlich ist dieser Zeitplan aufgrund der schwierigen Verhandlungen nicht realistisch. Zur Zeit studieren 186 Studenten evangelische Theologie in Greifswald.

Von Greifswald könnte eine Signalwirkung, zum Beispiel Richtung Bayern, ausgehen. Dort fordert der Oberste Rechnungshof der Bundesrepublik die Schließung von drei der sechs katholischen Fakultäten. Die Existenz der Fachbereiche ist durch ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl geregelt. Anton Landersdorfer, der Dekan der Theologischen Fakultät Passau, hält Schließungen von Fakultäten gleichwohl „leider für möglich.“ Gerüchteweise stehen die katholisch-theologischen Fakultäten in Augsburg, Passau und Bamberg vor dem Aus.

Auch hier sinken die Absolventenzahlen. Laut dem Deutschen Statistischen Bundesamt begannen im Wintersemester 2003/04 zwar so viele Studenten ein Theologiestudium wie seit fünf Jahren nicht mehr. Bei den Katholiken waren es 1254, bei den Protestanten 1295 Erstsemester. Allerdings erreichen immer weniger den Abschluß.

Bei den Katholiken ging die Zahl der Absolventen zwischen 1999 und 2003 um 26 Prozent, bei den Protestanten um knapp 33 Prozent zurück.
      
3 Lesermeinungen
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#3   Gallowglas   18:06:05 | Freitag, 25. März 2005
@GerdEric
Nur geht es, in der Praxis, weder dem einen, noch dem anderen um den Menschen …
Außerdem ändert das nichts daran, daß die Kirchen für das, was sie für sich beanspruchen, auch endlich zahlen sollen … oder die Klappe halten …
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#2   GerdEric   15:52:05 | Freitag, 25. März 2005
Staat oder Kirche (Institution)
ich sehe da keinen grossen Unterschied.
Es sollte in beidem um den Menschen gehen.
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#1   Gallowglas   15:08:53 | Freitag, 25. März 2005
Tja …
Wenn die Kirchen theologische Fakultäten wollen, dann sollen sie diese auch gefälligst selber bezahlen … schließlich profitieren sie als einzige davon, nicht der Staat …
Aber den Staat zu Erhaltung solcher Geldgräber zwingen zu wollen und dann jammern, wenn dieser doch mal den Geldhahn zudreht ist schon ziemlich heuchlerisch …
(ok, das sind „kirchliche“ Krankenhäuser, Kindergärten ect. auch, die werden ja auch nicht von den Kirchen bezahlt, die dürfen nur ihren Namen draufkleben … )
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