18:24:51 | Donnerstag, 9. April 2009
Er starb vor zehn Jahren. Obwohl er als Laie und Außenseiter in der Kirche schon zu Lebzeiten Unglaubliches bewirkte, hat seine Stunde noch immer nicht geschlagen.
(kreuz.net) Professor
John Senior († 1999) wirkte sein ganzes Leben als Professor für Literatur in den
Vereinigten Staaten.
Er verfaßte zahlreiche Werke „The Way Down and Out“ (1959), „The Death of Christian
Culture“ (1978), „The Restoration of Christian Culture“ (1983), „Pale Horse, Easy Rider“ (1992) und „The
Idea of a School“ (1994).
Er starb am 8. April 1999 und wurde am 13. April zu Grabe getragen. Die Beerdigungsmesse
im Alten Ritus zelebrierte Pater Ramon Angles von der Piusbruderschaft.
Ein Lehrer fürs LebenMit zwei
anderen Professoren, Dennis Quinn und Frank Nelick, unterrichtete er am sehr erfolgreichen Integrated
Humanities Program – dem Integrierten geisteswissenschaftlichen Programm – der Universität von Kansas
im US-Bundesstaat Kansas.
Die Vorlesungen bestanden darin, daß die Professoren mit den Studenten zum
Beispiel den griechischen Philosophen Plato († 348 v. Chr), den englischen Dichter Geoffrey Chaucer († 1400)
oder den Dramatiker William Shakespeare († 1616) lasen.
Sie beugten sich über die Odysee des griechischen
Dichters Homer (ca. † 750 v. Chr.), die Aeneis des römischen Dichters Vergil († 19 v. Chr.) oder das
Rolandlied.
Hundert Studenten begannen im Gefolge dieser Erfahrung, Konvertitenunterricht zu besuchen.
Wiederentdeckung des MönchtumsIm Jahr 1972 besuchte eine Gruppe von Senior-Studenten Rom. Über die
Schwestern, bei denen sie untergekommen waren, erfuhren sie vom altgläubigen französischen Benediktinerkloster
Notre-Dame de Fontgombault.
Danach pilgerten Dutzende von Senior-Stundenten an diesen Ort. Im Jahr 1977
sprach der Abt von Fontgombault sogar von einer amerikanischen Invasion.
Acht von ihnen wurden schließlich
Mönche in dem Kloster: Pater Francis Bethel von Wichita, Kansas, Pater Lawrence Brown, Pater Philip Anderson,
Pater Matthew Shapiro, Pater Francis Bales, und Bruder Martin Markey, alle von Kansas City, Kansas, ferner
Pater Francis Xavier Brown von Los Angeles, and Bruder Joseph-Marie Owen von Oregon.
Zwei Senior-Studentinnen –
Mutter Marie-Dolores Anderson von Kanas und Mutter Marie-Kristen Epperson von Oklahoma – traten bei den
altgläubigen Benediktinerinnen von Jouques in Frankreich ein.
Inzwischen hat das Kloster Fongombault
in den USA ein Priorat errichtet. Es befindet sich neben der Ortschaft Lost City im Osten des US-Bundesstaates
Oklahoma.
Senior selber war viele Jahre ein Gläubiger der von der Piusbruderschaft betreuten Immaculata
Chapel am St. Mary’s College in Kansas.
Regen ist naßSenior war vor allem Lehrer. Sein Denken war
in der Wirklichkeit verwurzelt. Der Ausgangspunkt für jede Diskussion mit ihm waren die Dinge, wie sie
wirklich sind.
Die grundlegende Frage für ihn lautete: Ist es wahr?
Von ganzem Herzen stand er hinter
der Philosophie des gesunden Menschenverstandes, wie sie im Drama „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare
grundgelegt ist:
„Die Eigenschaft von Regen ist, naß zu sein, und die Eigenschaft von Feuer ist, zu
brennen.“
Senior sprach die Wahrheit aus, auch wenn er einem Freund oder jemandem, den er sehr respektierte,
dabei widersprechen mußte.
Katholisch bis auf die KnochenEr war Konvertit. Mit all seinem Sein glaubte
Senior, daß der Katholische Glaube der höchste Ausdruck der Wahrheit ist.
Als er in seinem Leben zum
Katholizismus geführt wurde, nahm er den Glauben mit paulinischem Eifer an und lotete seine Weisheit
und seine Traditionen aus.
Er liebte die lateinische Sprache, weil sie die Sprache der Kirche war. Er
liebte den Heiligen Benedikt von Nursia als Patron Europas. Er liebte seine Mönchsregel als Pflug des
Christentums.
Er liebte die Kirchenväter und den Heiligen Thomas von Aquin.
Senior betete das alte
Brevier und pries die Alte Römische Liturgie.
Er liebte die Allerseligste Jungfrau Maria und alle Engel.
Er liebte das Heilige Opfer der Messe, weil er dort Christus selber fand.
Zahllose seiner Studenten führte
er zum Taufbrunnen, zur Priesterweihe, zum Bund einer guten und fruchtbaren Ehe oder in die Chorstallen
der Klöster.
Katholizismus heißt Heilige MesseEr begriff, daß die christliche Kultur, das Saatbeet
des Glauben ist.
Zwar kann der Glaube auch in einer Kultur überleben, die ihm feindlich gesinnt ist,
aber er kann unter diesen Bedingungen nicht blühen.
Gerne erinnerte sich Senior daran, daß Erzbischof
Marcel Lefebvre ihm gesagt hatte: „La messe est l’Eglise“ – Die Heilige Messe ist die Kirche.
In seinem
Buch „The Restoration of Christian Culture“ – Die Wiederherstellung der christlichen Kultur – dachte Senior
über diese Wahrheit nach:
„Was ist christliche Kultur? Sie ist im wesentlichen die Messe. Das ist nicht
meine Meinung oder die Meinung von sonst jemandem, eine Theorie oder ein Wunsch, sondern das zentrale
Faktum von 2000 Jahren Geschichte.
Das Christentum – was westliche Säkularisten die ‘Westliche Zivilisation’
nennen – ist die Messe und das Zubehör, welches sie beschützt und ermöglicht.“
Die Architektur, die
Künste, die politischen und sozialen Formen, die Ökonomie, die Weise, wie die Menschen leben, fühlen
und denken, Musik, Literatur – diese Dinge sind, wenn sie geordnet sind, Weisen, um das Heilige Opfer
der Messe zu fördern und zu beschützen.
Er wußte um die NiederlageNicht alle Studenten von Senior
folgten ihm in die Kirche. Aber auch jene, die draußen blieben, erreichten als Ergebnis seiner Vorlesungen
über die klassischen Werke der Literatur eine größere Nähe zum Guten, Wahren und Schönen.
Senior
legte im übrigen Wert darauf, daß kein Katholik im Rahmen der Vorgaben dieser Welt siegen würde.
Er
erkannte, daß es der Weg der Märtyrer und Heiligen war – ein Weg der von der Passion und dem Tod unseres
Heilands gekennzeichnet war – zu verlieren.
Senior starb am Oster-Donnerstag in seinem Haus, während
er mit seiner Frau den Rosenkranz betete.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.