14:09:16 | Samstag, 11. April 2009
Man kann der Kirche nicht Friede, Freude, Eierkuchen und zugleich Demokratie wünschen. Denn Demokratie bedeutet Parteien und Kampf der Meinungen. Ein Kommentar.

Klosterkirche des Benediktinerstifts Einsiedeln
© Tuuur, CC(kreuz.net) In seiner Predigt zum Gründonnerstag erinnerte der Einsiedler Abt Martin Werlen (47) an die
schweren innerkirchlichen Grabenkämpfe in der Schweiz.
Das Benediktinerkloster Einsiedeln befindet sich
in der Zentralschweiz.
Abt Werlen wurde für seine lieblose
Stellungnahme gegen Papst Benedikt XVI. bekannt,
die er nur zwei Tage nach dessen Wahl veröffentlichte.
Ein Scherbenhaufen als Symbol der Vielfalt?
In seiner Predigt am Gründonnerstag erinnerte der Prälat an eine Demonstrationen und einen Gebetstag,
die Anfang März in der Zentralschweizer Stadt Luzern stattfanden.
Bei der Demonstration handelte sich
um einen von den kirchenfeindlichen Medien bejubelten Auftritt altliberaler Kräfte gegen Glaube, Kirche
und Papst.
Gleichzeitig versammelten sich einige an den Rand gedrängte Katholiken zu einem Gebetsnachmittag
in einer altgläubigen Kirche der Stadt. Die altliberalen Pfarreien der Stadt hätten ihnen keinen Zutritt
gewährt.
Bei beiden Veranstaltungen nahm der altliberale Abt von Einsiedeln als Vertreter der Schweizer
Bischofskonferenz teil und richtete ein paar Worte an die Anwesenden.
Danach lud er je sechs Vertreter
der altliberalen Demonstration und der katholischen Gebetsveranstaltung zum Abendessen und zur Fußwaschung
am Gründonnerstag in sein Kloster ein.
Der Abt wollte mit diesen zwölf Personen die „Kirche in ihrer
Vielfalt“ symbolisieren, der man angeblich „bereits im Jüngerkreis“ begegne.
Ein größeres Problem
Doch seine Rechnung ging nicht auf: „Heute bleiben sechs Stühle leer“ – erklärte der Abt ernüchtert
in seiner Predigt.
Die altliberalen Organisatoren der Demonstration hätten sofort zugesagt. Doch: „Von
Seiten der Veranstalter des Gebetsnachmittags kam die Meldung, daß niemand gefunden wurde, der bereit
wäre, am 9. April nach Einsiedeln zu reisen.“
Der Prälat fällt aus allen Wolken: „Wir haben ganz offensichtlich
in der Kirche ein größeres Problem“ – staunt er:
„Wir gehen einander aus dem Weg. Selbst die Liturgie
kann uns nicht mehr zusammenführen.“
Was der Abt, der einen Abschluß in Psychologie besitzt, nicht
bedachte:
Den altliberalen, glaubensfernen und von den Bischöfen hofierten Berufskatholiken fällt ein
selbstdarstellerischer Auftritt bei der Fußwaschung eines altliberalen Abtes leichter als einfachen Katholiken,
die aus eigener Initiative und unbezahlt an einem Gebetsnachmittag teilnahmen.
Seit Jahrzehnten werden
diese Gläubigen in der Schweizer Staatskirche in eine Ecke gedrängt, als Fremde behandelt, mit Unterstützung
kirchenfeindlicher Medien diffamiert und schikaniert.
Jetzt wundert sich ein altliberaler Vertreter der
Bischofskonferenz, die diesen Zustand seit Jahren fördert, daß es diese Menschen keine Lust haben, in
der Rampenlicht-Liturgie eines altliberalen Klosters vorgeführt zu werden.
Spannender Zusammenbruch
Zurecht stellte der Abt in seiner Predigt fest: „Wir gehen getrennte Wege“. Für ihn ist „tragisch“,
daß „wir“ uns weitgehend damit abgefunden hätten.
Was er nicht erwähnt: Hatten die an den Rand gedrängten
Schweizer Katholiken eine andere Wahl?
Der vertriebene Churer Bischof Wolfgang Haas sitzt bekanntlich
seit über zehn Jahren – mit erzbischöflichen Federn geschmückt – im Gästehaus eines Liechtensteiner
Frauenklosters.
Abt Werlen versucht aus dem kirchlichen Bürgerkrieg eine verpaßte Chance herbeizureden:
„Die Folgen sind verheerend: Wir lassen uns nicht mehr gegenseitig herausfordern“ – sprüchelt er.
Oder:
„Das, was Kirche so spannend macht – ihre Vielfalt und Katholizität – geht verloren.“
Was Abt Werlen
als „Vielfalt und Katholizität“ bejubelt ist in Wahrheit Glaubensabfall und Häresie – genau jene Dinge,
welche die Kirche in der Schweiz so langweilig und blutleer machen, sodaß Schweizer, die nach Religion
suchen, sich besser an die evangelischen Freikirchen wenden.
Dialektischer SchwindelAn einer Stelle
bemerkt der Abt selber die Verdrängung der Katholiken aus der Kirche: „In der Kirche tragen wir füreinander
Verantwortung – auch für diejenigen, die nicht da sind“ – säuselt er vielsagend.
Dann strickt er die
alte Masche, die allen Recht gibt und im Endergebnis für die Altliberalen Partei nimmt: „Es ist keine
Sünde, eher progressiv eingestellt zu sein. Und es ist keine Sünde, eher konservativ eingestellt zu
sein.“
Die Lösung sieht der Prälat in der „Liebe“: „Es ist eine Sünde, lieblos, überheblich oder
gleichgültig zu sein. Und gerade in der Liebe – selbst zu den Ärmsten und Geringsten – zeigt sich unser
Glaube.“
Mit einem passenden Wort von Papst Johannes Paul II. spielt er diese „Liebe“ sogleich gegen
den Glauben aus. Das Zitat: „Daran mißt die Kirche ihre Treue als Braut Christi nicht weniger, als wenn
es um die Rechtgläubigkeit geht.“
Erwartungsgemäß wird diese Aussage augenblicklich dialektisch in
ihr Gegenteil verdreht: „Damit ist auch klar gesagt, daß Rechtgläubigkeit und Liebe nicht gegeneinander
ausgespielt werden können.“
Das ist der bekannte altliberale Seiltanz, der sich vor der Wahrheit solange
dreht, wendet und im Kreis dreht, bis als Endergebnis ein allgemeiner Schwindel übrigbleibt.
Diese Schwindel-Argumentation
spielt der Abt noch an weiteren Beispielen durch, die freilich für den, der das Prinzip verstanden hat,
keine Erkenntnisse mehr beinhalten.
Er will also doch den kirchlichen MeinungskriegAm Ende seiner Predigt
läßt der Abt die altliberale Katze ganz aus dem Sack: „Wir sind uns wohl alle bewußt, daß in unserer
Kirche Reformen anstehen“ – erklärt er.
Eilig stellt er sich hinter das Hauptverlangen der antikirchlichen
Luzerner Demonstranten: „Zum Beispiel die Forderung nach mehr demokratischen Prozessen.“
Hat der Abt
diesen Gedanken jenseits seiner weltfrommen Worte zu Ende gedacht?
Denn eine gesunde Demokratie basiert
auf dem Meinungskampf und auf der Parteienbildung – beides Dinge, die Abt Werlen im vorausgehenden Teil
seiner Predigt noch kritisiert hat.
Wer die Kirche nach dem politischen Modell der Demokratie strukturieren
will, darf „getrennte Wege“ nicht ablehnen, sondern muß sie wollen. Die Demokratie einer Einheitspartei
ist bekanntlich Diktatur.
Wenn die Altliberalen wirklich eine kirchliche Demokratie wünschen, dann liegt
es an ihnen, dafür zu sorgen, daß sich die altliberale kirchliche Räterepublik – die seit dem Zweiten
Vatikanum festbetoniert ist – öffnet, damit die katholischen Stühle in der Klosterkirche zu Einsiedeln
nicht mehr länger leer bleiben.
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