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Freitag, 25. März 2005 11:50
Der Bischof kritisiert die Kritiker
Am Donnerstag hat der Bischof von Fulda, Mons. Heinz Josef Algermissen, die Umstrukturierung seines Bistums verteidigt. Der „Pastorale Prozeß“, so der Name des Projekts, wurde von verschiedenen Priestern seiner Diözese scharf kritisiert und in Frage gestellt.
(kreuz.net, Fulda) In einem Bericht der Fuldaer Zeitung von gestern Donnerstag nimmt Bischof Heinz Josef Algermissen zur Kritik an der geplanten Umstrukturierung des Bistums Fulda- genannt der „Pastorale Prozeß“ – Stellung.

Der Diözesanbischof von Fulda plant aufgrund des Gläubigen- und Priesterrückgangs, seine Diözese in zentral verwaltete Seelsorgeeinheiten umzustrukturieren und somit die traditionellen Pfarreien aufzuweichen. Dieser Prozeß sei eine Antwort auf eine „schreiende Not“. Er wäre ein „ganz mieser Bischof“, so Algermissen, würde er zusehen, wie sein Bistum dem Kollaps entgegenlaufe.

Dem Priestermangel durch katholische Geistliche aus dem Ausland abzuhelfen, will Bischof Algermissen nicht. Denn Sprachschwierigkeiten und Mentalitätsunterschiede könnten der Seelsorge schaden. Und gerade die Seelsorge ist es, die dem Bischof besonders am Herzen liegt: „Es muß eine Befreiung der Priester zur Seelsorge gelingen“, unterstreicht Algermissen und spricht hiermit das Ziel des „Pastoralen Prozesses“ an.

Daß sich deswegen noch immer einige der Fuldaer Priester massiv seinen Ideen widersetzten, stimme ihn traurig. Er sei enttäuscht, meint Bischof Algermissen. Nach fast drei Jahren geleisteter Überzeugungsarbeit gebe es immer noch manche, die sich seinen Plänen verschließen würden. Konkret wurden die öffentlich rebellierenden Pfarreien Spahl, Geismar und Ketten im Geisaer Amt genannt, also jene Kirchgemeinden, die gemeinsam mit ihrem Pfarrer Uwe Winkel gegen die Auflösung der Pfarreien als selbständige Seelsorgeeinheiten ihre Bedenken kundgetan hatten.

Dabei sei geplant, daß in den künftigen Pastoralverbünden, die aus Zusammenschlüssen selbständiger Pfarrgemeinden bestehen sollen, „jede Pfarrei grundsätzlich mit einem Priester verbunden“ werde, unterstreicht der Bischof. Damit würden in seinen Augen viele Ängste im Zusammenhang mit dem „Pastoralen Prozeß“ hinfällig. Schließlich würden den Gläubigen die Pfarrer ja nicht weggenommen, so Algermissen weiter. Daß das Gegenteil der Fall sein könnte, daran hat Bischof Algermissen wohl noch nicht gedacht: Nämlich, daß den Pfarrern die Gläubigen weggenommen werden.

Bischof Algermissen bestätigte mit seinen Aussagen indirekt die Befürchtung von Kritikern, daß es sich bei jenen Priestern nicht um kanonische Pfarrer, sondern um „priesterlichen Mitarbeiter“ handeln werde. Einem priesterlichen Mitarbeiter kommt nicht die Amtsautorität eines Pfarrers zu. Er entspricht in dieser Aufgabe viel mehr einer rotierenden Marionette, die ihren priesterlichen Dienst in den Pfarreizusammenschlüssen zu erfüllen hat. Die Untergrabung der Amtsautorität von priesterlichen Mitarbeitern wird durch eine von Bischof Algermissen positiv hervorgehobenen Stärkung der Laien zusätzlich unterstützt.

Ob unter diesen Umständen eine vom Fuldaer Bischof hervorgehobene „Befreiung der Priester zur Seelsorge“ gelingen kann?
6 Lesermeinungen:
Freitag, 25. März 2005 16:27
Ireneus: die Ausführung von 25. März 2005, 13:58 Spectator
zu eingeredetem Priestermangel in Deutschland kennzeichnen die Situation vortrefflich.

Im trotz eben so lange wie in der DDR vorherrschendem Kommunismus in Polen, ist dort Christentum (Katholizismus) starke Kraft. Man frage sich, ob trotz, oder wegen es dreifachen Arbeitsandranges, den dort der Priester bewältigt bei 880 zu Betreuenden, gegen den 240 hier.

In Polen, Südamerika und den deutschsprachigen Kirchen gilt gleiches Eheverbot. Man vermeide also diesen Hinweis, der nicht Ursache ist.

Wenn bei Umfragen zum Sinn des Karfreitags oder Osterfestes eine Mehrheit mit Stumpfsinn brilliert; sich darüber amüsiert es nicht zu wissen, so ist hier erhebliche Fehlarbeit der Kirche zu erkennen.

Erhebliche Fehlarbeit aber auch bei unfähigen Eltern und nicht nur ihnen, sondern ebenso Freunden und Bekannten, kurz allen Christen, welche die Frohe Botschaft in offener und freier Rede des Alltags, nicht in den Lebensmittelpunkt stellen, sondern als geheime Privatsache verstecken.
Freitag, 25. März 2005 14:41
GerdEric: sollte es um die Reine Lehre gehen,
so gibt es wohl nur 500.000 Katholiken,
denn der Rest ist eh nicht interessiert
oder protestantisiert oder es sind Herätiker…

Insofern, wären die Priester mehr als genug,
wenn sie denn der Reinen Lehre anhingen…aber da ist dann noch das liebe Geld
Freitag, 25. März 2005 14:25
Konrad: Rebellion?
Natürlich gibt es Priester- und noch mehr Gläubigenmangel in Deutschland. Und welche Einstellung haben die verbliebenen Seelsorger? Von welcher Theologie und welchem Amtsverständnis sind sie geprägt? Was bedeutet ihnen die tägliche Zelebration, das Bußsakrament, die Verehrung Mariens und der Heiligen? Aber was in dieser Situation eine „Rebellion“ ohne oder gegen die Bischöfe katholischen Priestern bringen soll ist mir schleierhaft. Nein, die Lage ist einfach traurig, zum Heulen, Karfreitagsmässig – ein wirkliches Leiden der Kirche und des Glaubens, das anzunehmen viel Kraft kostet.
Freitag, 25. März 2005 13:58
spectator †: @ Priestermangel in Deutschland?
In Deutschland gibt es 26000000 Katholiken und 17000 Priester – dh. = 1 Priester auf 1529 Katholiken.
wenn alle in Deutschland registrierten Katholiken (26400000) auch Kirchgänger wären – Kirchgänger, die an den liturgischen Feiern teilnehmen, die alle ihre Kinder zum Religionsunterricht und zur Katechese schicken würden, Kirchgänger die regelmäßig das Sakrament der Busse und die Kommunion empfangen… usw. dann hätten wir tatsächlich Priestermangel.

Berücksichtigt man jedoch die Zahl der Kirchgänger in Deutschland = 15,2% x 26400000 Katholiken = 4012800 Kirchgänger und die Zahl der Priester 16523 (ohne ausländischer Priester), dann ergibt das auf 1 Priester 242 Kirchgänger

In Polen gibt es 37000000 Katholiken und 21000 Priester – dh. ein Priester auf 1761 Katholiken.
Berücksichtigt man jedoch die Zahl der Kirchgänger in Polen = 50% x 37000000 Katholiken = 4012800 Kirchgänger und die Zahl der Priester, dann ergibt das auf 1 Priester 880 Katholiken-Kirchgänger.

Fazit:
– in Deutschland muss 1 Priester ( mit Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten) 242 Kirchgänger betreuen.
-in Polen muss 1 Priester ( ohne Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten) 880 Kirchgänger betreuen.

Können die deutschen Priester nicht arbeiten oder wollen sie nicht arbeiten?????

Es gibt keinen Priestermangel in Deutschland!
Freitag, 25. März 2005 13:46
Sulpicius: Wenn der Bischof von Seelsorge spricht,…
… meint er doch sicher den überlieferten Glauben? Oder etwa die neu-„katholischen“ Sandkastenspiele, die es mittlerweile allerorten gibt?
Freitag, 25. März 2005 12:25
jolie: priestermangel
herzlichen dank für die präzise analyse. ich bin gespannt, ob weitere priester den mut haben, gegen die schleichende aushöhlung ihrer amtsautorität zu rebellieren. leider ist die solidarität unter den priestern nicht allzuhoch.
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