10:59:57 | Montag, 13. April 2009
Benedikt XVI.
Vor einer französischen Boulevardzeitung hat der vatikanische Pressesprecher den obligaten Fragenkanon abgearbeitet. Das ist die übliche Methode, um die Kirche zum Schweigen zu bringen.

Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz im September 2008
© Samuraijohnny, CC(kreuz.net) In seinem
Brief an die Bischöfe habe der Papst mit äußerster Ehrlichkeit untersucht, was
bei der Aufhebung der Pius- Exkommunikationen nicht funktioniert habe.
Das erklärte der Pressesprecher
des Vatikan, Pater Federico Lombardi, vor der französischen Boulevardzeitung ‘Le Parisien’.
Der Papst
habe auf diese Weise ein Beispiel der Demut gegeben: „Wenn wir in der Lage wären, diesem Beispiel zu
folgen, würden wir viele Schritte nach vorne tun, nicht nur im Vatikan.“
Gezielte Mißverständnisse
Zu der Aufhebung der Pius-Exkommunikationen erklärt Pater Lombardi weiter, daß die Verhandlungen mit
dem Oberen der Bruderschaft geführt worden seien, nicht mit Mons. Richard Williamson.
Die Exkommunikation
hätten eine disziplinäre Entscheidung betroffen, die vor zwanzig Jahren im Gefolge unerlaubter Bischofsweihen
gefällt wurde: „Es ging dabei nicht um die persönlichen Ansichten der konsekrierten Bischöfe.“
Pater
Lombardi stellt auch angebliche vatikanische Kommunikationsprobleme in Frage: Wenn die Verlautbarungen
des Vatikan „nur zum Teil oder verändert übernommen werden, dann wird kein Mensch sie verstehen können.“
Schwimmt sie wirklich gegen den Strom?Der Pressesprecher äußert sich zu zur Exkommunikation brasilianischer
Abtreibungsverbrecher, die für die skrupellose Ermordung von Zwillingen verantwortlich sind:
„Die Heftigkeit
der Reaktionen in Europa von seiten schlecht informierter Personen überraschte mich“ – erklärt der Pater.
Er glaube, daß die Exkommunikation ein schwer zu verstehendes Wort sei, daß Verwirrung schaffe: „Darum
hätte man – wie der Osservatore Romano erklärt hat – nicht auf der Exkommunikation bestehen sollen.“
Die Kirche wisse, daß sie in der Abtreibungsfrage gegen den Strom schwimme – entschuldigt sich der Pater:
„Denn sie betrachtet das als Tod eines unschuldigen Wesens.“
Seiltanz um den Gummi-Geschlechtsverkehr
Dann wird Pater Lombardi über die jüngsten
Feststellungen des Papstes zur ehelichen Vereinigung hinter
Gummi-Pessaren befragt:
„Ich war dabei, als der Papst gesprochen hat und habe seine Antwort sehr gut
gehört“ – erklärt er und behauptet:
„Ich habe verstanden, daß der Ausdruck »verschärfen« zu Diskussionen
führen könnte, doch der Sinn der päpstlichen Aussagen war klar.“
Auf seinem Flug nach Afrika erklärte
der Papst Ende März:
„Ich würde sagen, daß das Problem der Aids-Krankheit nicht allein mit Werbeslogans
gelöst werden kann.
Wenn da keine Seele ist, wenn den Afrikanern nicht geholfen wird, kann das Übel
nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, das Problem
zu verschärfen.“Der Papst habe nicht die Absicht gehabt, einen Vortrag über den Kampf gegen Aids zu
halten – entschuldigt sich Pater Lombardi wieder.
Privatmeinung des Papstes?‘Le Parisien’ wirft ihm
vor, sich um die Beantwortung der Frage nach der Immoralität der Pessare herumzudrücken.
„Viele legen
den Nachdruck vor allem auf das Präservativ als »wirksame« Lösung des Problems“ – weicht der Pater
weiter aus:
„Genau das stellt der Papst in Frage und ist der Ansicht, daß man so die persönliche Verantwortung
nicht in Rechnung stellt.“
Der Papst habe alles Recht, das zu sagen – winselt Pater Lombardi: „Es handelt
sich um eine ganz und gar vernünftige Aussage.“
Im übrigen hatten auch Untersuchungen bestätigt, daß
die Förderung der Treue das beste Mittel gegen Aids ist.
Es sei eine „andere Frage“, Präservative bei
„Beziehungen, die als unvermeidlich betrachtet werden und mit hohen Risiken verbunden sind,“ zu akzeptieren
oder nicht. Doch dieses Problem sei nicht mit den Grundaussagen des Papstes zu vermischen.
Die große
Leere ist schon daDie Boulevardzeitung konfrontiert den Pressesprecher mit einer Aussage des ehemaligen
französischen Politikers Alain Juppé (63), wonach „dieser Papst beginnt, ein echtes Problem zu werden“.
Juppé war in den 1990er Jahren in Finanzskandale verwickelt und wurde deshalb rechtskräftig verurteilt.
Pater Lombardi geht zum Angriff über: „Mir scheint eher, daß solche Erklärungen ein wahres Problem
darstellen.“
Wenn gesellschaftliche Verantwortungsträger sich schlecht informiert über den Papst äußerten,
dann bedeutet das, daß sie sich der moralischen Autorität des Papstes in der Welt nicht bewußt seien:
„Man muß aufpassen, die Autorität der Kirche nicht in den Herzen der Menschen zu zerstören, sonst
besteht die Gefahr, eine große Leere zu hinterlassen.“
Auf die Unterstellung, daß der Papst fern der
täglichen Wirklichkeiten sei, erklärt Pater Lombardi, daß Benedikt XVI. weder isoliert noch einsam
sei:
„Er schaut die Informationen im Fernsehen an, liest die Zeitungen, erhält jeden Morgen eine Pressemappe.“
Das fülle einen guten Teil seines Tages.
Im übrigen sei es vielleicht nicht so schlecht, nicht zu sehr
von den Medien abzuhängen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.