14:28:37 | Montag, 20. April 2009
Die Fakten stehen im Gegensatz zu den vielen bequemen Erfindungen über israelisches Leid durch Raketenbeschuß. Von Noam Chomsky.
(kreuz.net) Auch das Ende der Angriffe auf Gaza war sorgfältig geplant. Man achtete zeitlich sehr darauf,
daß das Ende direkt vor der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obamas erfolgte.
Damit minimiere
man das – geringe – Risiko, daß dieser sich zu einigen kritischen Worten über diese bösartigen, von
den USA unterstützten Verbrechen genötigt sähe.
Zwei Wochen nach Beginn der Angriffe am Sabbat – als
Gaza schon in Trümmern lag und die Zahl der Toten auf 1.000 gestiegen war –, erklärte das Hilfswerk
der Vereinten Nationen UNRWA, von dem die meisten Menschen in Gaza abhängen, um überleben zu können,
daß das israelische Militär sich weigere, Hilfslieferungen nach Gaza durchzulassen.
Die Übergänge
seien wegen des Sabbat geschlossen.
Parodie auf die jüdische ReligionUm den heiligen Tag zu ehren,
mußten die Palästinenser, die um ihr Überleben kämpften, auf Nahrungsmittel und Medizin verzichten,
während gleichzeitig Hunderte durch US-amerikanische Jetbomber und Helikopter abgeschlachtet werden durften.
Dieses rigorose Befolgen des Sabbat, diese Doppelmoral, erregte wenig bis gar keine Aufmerksamkeit. Das
macht Sinn.
In den Annalen der US-israelischen Verbrechen findet Grausamkeit und Zynismus dieser Art
selten mehr Erwähnung als in einer Fußnote. Man hat sich daran gewöhnt.
Grausamkeit und Zynismus
Um eine Parallele zu zitieren: Im Juni 1982 begann der von den USA unterstützte israelische Einmarsch
in den Libanon mit der Bombardierung der palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatila – die
später zum berüchtigten Schauplatz eines schrecklichen Massakers unter Aufsicht der israelischen Armee
wurden.
Bei diesem Bombardement wurde das örtliche Krankenhaus getroffen – das ‘Gaza Hospital’. Dabei
wurden laut des Augenzeugenberichtes eines akademischen US-Nahostexperten mehr als zweihundert Menschen
getötet.
Dieses Massaker war der Auftakt zu einer Invasion, der schließlich 15.000 bis 20.000 Menschen
zum Opfer fielen. Weite Teile des Libanon und Beiruts wurden zerstört.
Dabei spielte US-Unterstützung,
auf militärischer und diplomatischer Ebene, eine entscheidende Rolle.
Die kriminelle Aggression stoppen
Damals wurde gegen mehrere Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates ein Veto eingelegt. Die Vereinten Nationen
wollten die kriminelle Aggression stoppen, die Israel – kaum verhohlen – vor der Bedrohung einer friedlichen
politischen Regelung retten sollte.
Dies steht im Gegensatz zu den vielen bequemen Erfindungen über
israelisches Leid durch intensiven Raketenbeschuß – dieser Phantasie der Entschuldiger.
All dies war
normal und wird von hohen israelischen Offiziellen auch ziemlich offen diskutiert.
Israel hat stets Zivilisten
angegriffenDreißig Jahre später sagte der israelische Stabschef Mordechai Gur († 1965): Seit 1948
„kämpfen wir gegen eine Bevölkerung, die in Dörfern und Städten lebt“.
Der prominenteste israelische
Militäranalyst, Zeev Schiff, faßte Gurs Aussagen so zusammen:
„Die israelische Armee hat stets zivile
Bevölkerungen angegriffen, absichtlich und bewußt. Die Armee hat – nach Gur – nie zwischen zivilen und
militärischen Zielen unterschieden, sondern zivile Ziele bewußt angegriffen“.
Die Begründung lieferte
einst der bekannte israelische Politiker Abba Eban († 2002):
„Es bestand eine vernünftige Aussicht,
die sich letztlich auch erfüllt hat, daß eine angegriffene Bevölkerung Druck ausüben wird, damit die
Feindseligkeiten enden“ – mit dem von Eban sehr wohl erkannten Effekt, daß Israel seine Programme der
illegalen Expansion und harschen Repression würde ungestört umsetzen können.
Strategie von Tod und
AngstEban kommentierte eine Erörterung des ehemaligen israelischen Premierministers
Menachem Begin
(† 1992) über die Angriffspolitik von Regierungen der israelischen Arbeitspartei gegen Zivilisten.
Begin
habe das Bild „eines Israel“ präsentiert, so Eban, „das zivile Bevölkerungen willkürlich und in jedem
nur denkbaren Ausmaß dem Tod und der Angst preisgibt und dies in einer Stimmung, die an Regime erinnert,
die weder Mr. Begin noch ich wagen würde, zu benennen“.
Eban bestritt keineswegs die von Begin erörterten
Fakten. Er kritisierte Begin, weil dieser sie veröffentlicht hatte.
Auch scherte es weder Eban noch
seine Bewunderer, daß auch dessen Eintreten für einen massiven Staatsterrorismus an Regime erinnerte,
die er nicht gewagt hätte, zu benennen.
Ebans Rechtfertigung von Staatsterrorismus klingt in den Ohren
respektierter Autoritäten überzeugend.
Der Verfasser (80) war Professor für Linguistik am Massachusetts
Institute of Technologie. Er revolutionierte in den 60er Jahren die Vorstellungen über Sprache und Denken.
Zugleich ist er einer der prominentesten und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen Weltordnung und des
US-Imperialismus. Der Text ist eine sprachliche Bearbeitung eines Artikels, der ursprünglich auf ‘ZNet
Deutschland’ erschien.Nächstes Mal: Große Schmerzen zufügen
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