Katechismusklasse
kreuz.net Katechismusklasse: Der Vater von Max und Moritz und die Wahrheit der Auferstehung
Der deutsche Dichter Wilhelm Busch († 1908) und Vater von Max und Moritz begegnet dem Geheimnis von Ostern mit Pessimismus und Unverständnis. Ein muiger Katholik diskutiert mit ihm über das leere Ostergrab.
Wilhelm Busch: Also lautet der Beschluß / daß der Mensch was lernen muß.

Ein Katholik: Ach wie wahr, du großer Dichter / laß drum leuchten Deine Lichter. Im Glauben spielt das Lernen eine sehr wichtige Rolle. Wer nichts im Kopf hat, kann nicht glauben. Er wird statt dessen fühlen oder spüren und sich dabei in oberflächlichem, selbstverliebtem Gedusel verlieren.

Wilhelm Busch: Dann frisch ans Werk, frei nach dem Motto: Bemüh dich nur und sei hübsch froh / der Ärger kommt schon sowieso.

Ein Katholik: Klopf sie nur, die alten Sprüche / auch sie gehn einmal in die Brüche. An Ostern ärgert sich nur der Ungläubige. Es wurmt ihn, glauben zu müssen, daß an diesem Tag ein Toter auferstand und der Tote solches aus eigener Kraft vollbrachte. Warum ärgert das den Ungläubigen? Wer nicht an Gott glaubt, muß an sich selber glauben. Doch die Auferstehung Christi erfordert den Glauben an ihn.

Wilhelm Busch: Auch hier gilt, daß Kinder, in ihrer Einfalt, immer und immer fragen: Warum? Der Verständige tut das nicht mehr, denn jedes Warum – das weiß er längst – ist nur der Zipfel eines Fadens, der in den dicken Knäuel der Unendlichkeit ausläuft, mit dem keiner recht fertig wird, er mag wickeln und haspeln so viel er nur will.

Ein Katholik: Mit diesem Satz hast Du selber einen ziemlichen Knäuel in die Welt gesetzt. Nenne das Kind doch beim Namen. Deine ‘Unendlichkeit’ ist Gott. Keiner hat behauptet, daß man den Unendlichen begreifen kann. Aber Gott hat uns einen Verstand gegeben, damit wir ihn benützen, nicht um über seine Grenzen zu jammern. Man kann über Gott und über die Auferstehung seines Sohnes mehr sagen, als Du mit Deinem Knäuel vorgibst.

Im Klartext: Der Grund der Auferstehung aus eigener Kraft liegt in der – Vorsicht Fremdwort – hypostatischen Union. In Christus gibt es zwei Naturen, die menschliche und die göttliche. Beide sind in der einen Person verbunden. Die Hauptursache der Auferstehung ist der Ewige Sohn in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Der Tod kann den nicht halten, der das Leben ist. Spar Dir also Deinen Ärger: Freude ist im Anmarsch.

Wilhelm Busch: In Wahrheit flieht die Freude auf allen Wegen / und nur der Ärger kommt uns gern entgegen.

Ein Katholik: Kein Gefühl kommt von alleine / sondern Du gibst ihm die Beine. Der Eintritt Christi in die Herrlichkeit und die sieghafte Vollendung des Erlösungswerkes sind Grund zu unermeßlicher Freude. Freuen wirst Du Dich aber nur, wenn Du Dich freuen willst. Gott schlägt die Osterfreude keinem um die Ohren. Wenn Du den Wein der Melancholie bevorzugst, dann ist das Dein Bier.

Wilhelm Busch: Mir ist alles einerlei. Mit Verlaub, ich bin so frei.

Ein Katholik: Wäre alles einerlei / dann wär’s – statt frei – ein Einheitsbrei. In der Auferstehung hat einer den Kopf über die Höhe seines Friedhofkreuzes gestreckt. Die Auferstehung Christi ist das Vorbild und der Unterpfand unserer eigenen leiblichen Auferstehung. Das ist das Gegenmittel gegen den Einheitsbrei unserer Friedhöfe, wo alle so unerträglich gleich werden. Sie, Herr Busch, sind schon lange genug dort, um zu wissen, was ich meine.

Wilhelm Busch: Wenn mir aber was nicht lieb, ‘weg damit!’ ist mein Prinzip.

Ein Katholik: An Prinzipien soll’s nicht fehlen / doch soll auch Busch das Leben wählen. Euer Leib wird nach dem jüngsten Gericht vielleicht dem verklärten Leib Christi gleichgestaltet sein – sofern Ihr zusammen mit den Gerechten die ewige Seligkeit erlangen werdet. Euer Körper wird – wie der Leib Christi – verklärt von Eurem Grab auferstehen.

Wilhelm Busch: Wo man am meisten drauf erpicht / grad das bekommt man meistens nicht.

Ein Katholik: Und was der Mensch sich sonst erwirbt / verliert er wieder, wenn er stirbt. Darum müssen wir unser Verlangen auf die himmlischen Güter richten. Diese Verlangen spornt uns zu einem heiligen Leben an und führt uns zur ewigen Seligkeit. Am heutigen Tag ist uns diese Hoffnung geschenkt. Gleich dem erstandenen Leib Christi wird unser Körper nach der Auferstehung unfähig sein, zu leiden, zu erkranken oder zu sterben. Schau Deine modernden Knochen an. Hast Du, als Du das folgende sagtest, auch den jetzigen Zustand Deines Leibes im Grab betrachtet:

Wilhelm Busch: Die Welt, obgleich sie wunderlich / ist mehr als gut genug für mich.

Ein Katholik: Wie wahr: Jeder ist am Schluß der Tage / in einer wunderlichen Lage. Sag mir doch ob es genügt / daß Dein Leib dem Sarg sich fügt. Im Himmel hätte eine Alternative gewinkt. Wer sich heute freut, wird im Jenseits einen erneuerten Körper besitzen. Er wird von der Last des Fleisches und der kalten Erde nichts mehr spüren. Der neue Körper wird vergeistigt und wie von der Seele durchflutet sein. Leicht und schnell wird er sich bewegen – nicht mehr wie der irdische Körper dem Gravitationsgesetz und dem Sargdeckel unterstellt. Er wird ein verklärter Körper voll Klarheit, Schönheit und Glanz sein.

Mein Freund, Sie hätten auf den Auferstandenen blicken sollen.
      
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