Im folgenden Interview spricht Michael Davis, der kürzlich verstorbene Buchautor und Präsident der internationalen UNA VOCE Bewegung, die sich für die alte Lateinische Messe einsetzt. Thema des Interviews ist Erzbischof Annibale Bugnini, der Architekt des „Neuen Ritus“. Dieser Ritus ersetzte in den späten Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts die klassische Liturgie der Römischen Kirche.
Frage: Ich möchte Sie etwas über Erzbischof Annibale Bugnini fragen. Bugnini war bekanntlich der Leiter
der Gruppe von katholischen und protestantischen Fachleuten, die den Wechsel von der Alten Messe zur Novus-Ordo-Messe
ausarbeiteten. Stimmt das?
Michael Davies: Oh ja.
Frage: Stimmt es, daß Papst Paul VI. am Ende der
Liturgiereform feststellte, daß Bugnini ein Freimaurer war und ihn, den Liturgiker, deshalb als Pronuntius
nach Teheran (Persien) versetzte, wo es praktisch keine Katholiken gibt?
Michael Davis: Das stimmt. Als
Papst Johannes XXIII. beschloß, das Zweite Vatikanische Konzil einzuberufen, versammelte er eine Vorbereitungskommission,
um die Themen auszuarbeiten, mit denen sich das Konzil beschäftigen sollte. Anfangs waren es siebzig
Themen, die später auf ungefährt zwanzig reduziert wurden.
Pater Bugnini, der damals Professor an der
Päpstlichen Lateranuniversität war, hatte praktisch die totale Kontrolle über den Inhalt des Vorbereitungsschemas
(Dokumentes) zur Liturgie. Darum wurde das Papier auch „Bugnini Schema“ genannt. Doch nur wenige Wochen,
bevor das Konzil begann, entließ Papst Johannes XXIII. Bugnini aus der Vorbereitungskommission. Pater
Bugnini verlor auch seinen Lehrstuhl an der Lateranuniversität. Aber es war zu spät. Der Schaden war
bereits angerichtet. Das Bugnini Schema wurde ohne jede Änderung übernommen.
Frage: Können Sie mir
erklären, warum solche Dinge nicht korrigiert werden können?
Michael Davis: Wie ich in meinem Buch
gesagt habe. Das Konzil wurde mehr oder weniger von einer kleinen Minderheit an sich gerissen. Ich glaube
auch, daß etwas ähnliches mit der Kirche geschehen ist. Besonders merkwüdig ist in diesem Zusammenhang,
daß Papst Paul VI. Bugnini nach dem Konzil wieder in sein Amt einsetzte. Man bedenke, daß der gleiche
Bugnini vom unmittelbaren Vorgänger Pauls VI. entlassen worden war.
Frage: Welcher Grund wurde angegeben?
Michael Davis: Überhaupt keiner. Auf diese Weise erhielt Bugnini die Chance, sein Schema über die Liturgie,
das praktisch unverändert geblieben war, in die Tat umzusetzen. Später begannen Hinweise zu zirkulieren,
daß Bugnini möglicherweise ein Freimaurer gewesen ist. Diese Hinweise wurden Papst Paul VI. übermittelt.
Der Papst war offensichtlich davon überzeugt, sonst hätte er Bugnini nicht nach Teheran geschickt.
Bugnini war auf mich verärgert. Er sagte, daß ich ihn angeklagt hätte, ein Freimaurer zu sein. Das
habe ich aber nie getan. Ich antwortete Bugnini, daß ich alleine beweisen könne, daß Papst Paul VI.
geglaubt hatte, daß er Logenbruder war und daß dies der Grund war, warum der Papst ihn entließ. Bugnini
erklärte, daß die Beweise, die der Papst erhielt, falsch waren und daß sie von Leuten fabriziert wurden,
die seine liturgische Reform diskreditieren wollten. Das kann theoretisch wahr sein. Darum habe ich in
meinem Buch nichts weiteres gesagt, als daß Paul VI. geglaubt habe, daß Bugnini ein Freimaurer war und
ihn deshalb seines Amtes enthob.
Ich kontaktierte den Priester, der die entsprechenden Beweise einem
Kardinal überbrachte, der die Dokumente seinerseits dem Papst weiterleitete. Ich sagte: „Kann ich die
Beweise sehen?“ Der Priester antwortete: „Nein. Sie sind streng geheim und sie müssen immer streng geheim
bleiben.“ Aber das Faktum, daß der Papst Bugnini entließ, sollte eigentlich genügen.
Ich versuchte
herauszufinden, warum die Dokumente ein absolutes Geheimnis bleiben sollten, und es wurde mir erklärt,
daß weitere hochgestellte vatikanische Persönlichkeiten involviert wären und daß das einen Skandal
provoziert hätte. So wird das Geheimnis vielleicht niemals bekannt werden.
Frage: Viele Dinge, die sich
im Vatikan zutragen, erscheinen bisweilen wie ein Kriminalroman in Fortsetzungsgeschichten.
Michael Davis:
Tatsächlich. Was uns die Liturgische Reform beschert hat, ist in Tat und Wahrheit nicht im entferntesten
mit dem verwandt, wofür die Konzilsväter glaubten, ihre Stimme abzugeben. Haben sie das Buch von Mons.
Klaus Gamber „Die Reform der Römischen Liturgie“ gesehen?
Frage: Nein, aber ich weiß, daß Sie dieses
Buch empfehlen.
Michael Davis: Von Kardinal Ratzinger wird das Buch sehr empfohlen. Mons. Gamber argumentiert
sehr zugunsten der traditionellen Messe. Es sei unglaublich, daß das, was früher als der Heiligste Ritus
der Katholischen Kirche betrachtet wurde, jetzt als das Schädlichste und Übelste behandelt wird. Der
Kardinal sagt, daß dies alle unsere Glaubwürdigkeit raubt.
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4 Lesermeinungen
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Seit wann wird man denn als enttartner Freimaurer zum Nuntius erhoben? Bugnini selbst hat die Frage nach
seiner Amtsenthebung im Buch „Die Liturgiereform“ unglaubwürdig auf diese „Indiskretion“ zugespitzt.
Aber seiner eigenen Darstellung kann man entnehmen, dass er mit drei vorgesetzten Kardinälen unbotmäßig
verfuhr (Benno Gut und zwei Nachfolger) und sogar nach „Marialis cultus“ die Liturgiereform immer weiter
weitertreiben wollte. Das war der Konflikt: Reform oder „institutionalisierte Revolution“. Eine Verstrickung
in Logenverkehr ist m.E. ein viel zu schwaches Motiv für den Dissens, der 1975 nicht mehr zu überbrücken
war.