Wo die Heiligen vorüberzieh’n
Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Seele, folgst du Jesus nach? Er hat für dich aus Liebe das Kreuz auf den Kalvarienberg getragen. Nimmst du in Liebe das Kreuz an, das er dir bereitet hat?
(kreuz.net) Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir
nach.Wenn jemand mir nachfolgen will, mir, der ich mich so verdemütigt, so vernichtet habe, daß ich mehr einem Wurm als einem Menschen glich. Nur deshalb kam ich in die Welt, um das Kreuz zu empfangen, es „in die Mitte meines Herzens“ zu pflanzen, es „von meiner Jugend an zu lieben“.
Nach ihm habe ich mich mein ganzes Leben lang gesehnt, um es mit Freuden zu tragen und es allen Freuden und Vergnügungen des Himmels und der Erde vorzuziehen, und nicht eher
war ich zufrieden, als bis ich in seiner Umarmung starb.
Wenn also jemand mir, dem Gekreuzigten, nachfolgen will, so rühme er sich, wie ich, nur noch seiner Armut, der Verdemütigung und Leiden seines Kreuzes und „verleugne sich selbst“.
Er trage sein Kreuz: Dieser starke, seltene Mann, der wertvoller ist als alle Schätze der Erde, nehme mit Freuden sein Kreuz auf sich, umarme es mit Liebe, trage es mit Mut auf seinen Schultern; sein Kreuz, nicht das eines anderen; sein Kreuz, welches meine Weisheit ihm bereitet hat nach Zahl, Gewicht und Maß; sein Kreuz, welchem ich seine vierfache Ausdehnung, seine Dicke, seine Länge, seine Breite und Tiefe gegeben habe.
Er trage sein Kreuz, welches ich ihm von dem Kreuze abgeschnitten habe, das ich aus unendlicher Liebe zu ihm auf den Kalvarienberg getragen; sein Kreuz, als größtes Geschenk, das ich meinen Auserwählten auf Erden geben kann.
Er möge das Kreuz tragen, nicht schleppen und nicht abschütteln, nichts davon wegschneiden und es nicht verbergen. Mit erhobenen Händen möge er es tragen, ohne Ungeduld, ohne Kummer und ohne Klage, ohne freiwilliges Murren, ohne Nachgiebigkeit und natürliche Schonung, ohne Scham und ohne menschliche Rücksicht.
Er setzte es auf seine Stirne, indem er mit dem Heiligen Paulus spricht: „Ferne sei es von mir, mich zu rühmen, außer im Kreuze unseres Herrn Jesu Christi, meines Meisters.“
Er trage es auf seinen Schultern nach dem Beispiel Jesu Christi, damit das Kreuz für ihn die Waffe seiner Eroberungen und das Zepter seiner Herrschaft werde. Endlich pflanze er es aus Liebe in sein Herz, um daraus einen Dornbusch zu machen, der Tag und Nacht von der reinsten Liebe Gottes brenne, ohne verzehrt zu werden.
Aus dem „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“ des Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort († 1716). Der Hl. Ludwig war ein besonderer Verehrer der Muttergottes.
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