Wer hätte gedacht, daß der Vatikan seine eigene Fußballiga besitzt?
Der Fußball rollt auch auf dem heiligen Gelände des Vatikan. Dabei sieht sich der Kirchenstaat mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert. Der Priesterrock hindert die Beweglichkeit der Spieler. Wegen der Tracht der Klosterschwestern, hat man auf eine Frauenmannschaft verzichtet.
(kreuz.net, Vatikan) Unter dem Titel „Gott kickt immer mit“ veröffentlichte das deutsche Boulevardmagazin
„Spiegel“ kürzlich einen Bericht zum Fußball im Vatikan.
Es ist bekannt, daß der Kirchenstaat seine
eigenen Münzen prägt und Briefmarken druckt. Weniger bekannt ist, daß es dort auch eine eigene Fußballiga
gibt. Seit 1972 wird sogar eine offizielle Meisterschaft gespielt. Auf dem Feld tummeln sich allerdings
keine bezahlten Berufsspieler, sondern das fußballbegeisterte vatikanische Personal.
Die Mannschaften
rekrutieren sich aus den Verwaltungsabteilungen des Kirchenstaates. In der vatikanischen Liga spielen
zum Beispiel die Vatikanischen Museen, der Osservatore Romano oder Radio Vatikan. Dem Gewinner wird ein
Siegespreis verliehen, von dem ja schon der Apostel in seinem Brief an die Korinther spricht.
Eine der
ersten theologischen Rechtfertigungen des Fußballs stammt übrigens vom Theologen Giovanni Semeria († 1931),
einem Anführer des italienischen Modernismus: „Die Unterwerfung unter eine Autorität ist die erste Lektion,
die man beim Fußballspiel lernt.“ Diesen Punkt lohnt es sich, in der Kirche immer wieder zu vertiefen.
Auch die Schweizer Garde stellt eine Mannschaft: „Es geht uns darum“, so dessen Kapitän, „den Angestellten
die Möglichkeit zu bieten, sich ab und an ein wenig zu bewegen.“ Das sei alles. Die Leibgardisten des
Papstes verbringen ihre Zeit häufig berufsbedingt damit, unbewegt zu stehen.
Die vatikanische Fußballiga
wurde vor 33 Jahren von zwei Angestellten des Kirchenstaates ins Leben gerufen. Einer von ihnen meint
vor dem „Spiegel“: „Fußball ist gesellschaftsfördernd. Durch unsere Liga finden Klerus und Laien zusammen.“
Am Anfang traten – wie es die Regeln fordern – jeweils elf Spieler gegeneinander an. Allzu oft brachten
man aber keine vollständigen Mannschaften zusammen. Deshalb wurde im Jahre 1993 auf Mini-Fußball umgestellt.
Beim Mini-Fußball treten fünf gegen fünf Spieler auf einem Kleinfeld an.
Vatikanische Beobachter ließen
sich schnell davon überzeugen, daß ein Kleinfeld-Turnier für den weltweit kleinsten Staat der Welt
angemessen ist. Der Vatikan zählt 0,44 Quadratkilometer mit weniger als 500 Einwohner. Oder in der Fußballsprache:
Auf dem gesamten Staatsgebiet der „Stadt des Vatikans“ könnte man vierzig Fußballfelder einrichten.
Gott sei gedankt, daß der Vatikan außerhalb des Staatsgebietes jenseits der Tiberbrücke zahlreiche
weitere Immobilien und Grundstücke besitzt. Dort stehen auch Sporthallen, die zum Training benützt werden,
erklärt der Kapitän der Mannschaft der Schweizergarde.
Die Mannschaften bestehen größtenteils aus
Italienern, die im Vatikan arbeiten und keine vatikanische Staatsangehörigkeit besitzen. Deshalb ist
es fast unmöglich eine eigene vatikanische Nationalmannschaft auf die Beine zu stellen.
Gerne hätte
der Vatikan dieses Jahr an einer Mini-Weltmeisterschaft besonderer Art teilgenommen. Bei dieser Meisterschaft
werden Länder antreten, die nicht Mitglieder des Internationalen Fußballverbandes „FIFA“ sind. Darunter
befinden sich Gibraltar, Grönland oder der Tibet. Es habe sogar bereits Kontakte zu den Organisatoren
gegeben. Doch schließlich habe man absagen müssen, weil die vatikanische Liga nicht genügend Vatikanbürger
zusammenbrachte.
Denn unter den vatikanischen Angestellten besitzen nur die Schweizer Gardisten die Staatsbürgerschaft.
Eine vatikanische Nationalmannschaft würde darum ausschließlich aus den päpstlichen Leibgardisten bestehen.
Ihr Kapitän ist davon überzeugt, daß seine Spieler bei der Weltmeisterschaft der Nicht-FIFA-Länder
durchaus mithalten könnten. Es sei aber aus dienstlichen Gründen völlig unmöglich, elf Leute für
ein solches Ereignis abzukommandieren.
Länderspiele sind selten. 1994 gab es ein Spiel gegen die Republik
von San Marino. Die Partie ging unentschieden aus.
Dafür treten die vatikanischen Fußballer gerne gegen
Pilger-Mannschaften an. Es gebe viele Anfragen von Firmen aus ganz Europa, die mit Angestellten Rom besuchen
und ein Spiel gegen den Vatikan austragen wollen. Der Vatikan spielt generell in den gelb-weißen Landesfarben
und mit einem angemessenen nationalen Bewußtsein. Es ist eine Selbstverständlichkeit, vor jedem Spiel
die vatikanische Hymne zu singen.
Mit Stolz erinnert man sich an die denkwürdige Begegnung des Vatikan
mit Italien. Das Spiel fand große mediale Resonanz und grenzte ans Mirakulöse: Denn der Kirchenstaat
gewann mit 4:1.
Derzeit spielen die Verantwortlichen des vatikanischen Fußballs mit dem Gedanken, das
Ligasystem auszuweiten. Sogar an eine Frauenmannschaft habe man gedacht. Wegen der langen Röcke der Ordensschwestern
habe man die Idee allerdings nicht weiter verfolgt.
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