18:08:20 | Montag, 4. Mai 2009
Wir leben in einer verkehrten Welt, in der Lüge zur Wahrheit und Unrecht zu Recht umgepolt werden. Eine Theaterkritik von Reuven Cabelman.

In Genf störten zionistische Clowns die Rede des iranischen Präsidenten
(kreuz.net) Eine billige und peinliche Inszenierung – eine andere Beurteilung hat das Schauspiel nicht
verdient, das sich einige Genfer Delegierte während der
bemerkenswerten Rede des iranischen Staatspräsidenten
geleistet haben.
Im Anschluß an den tragikomischen Eröffnungsakt dreier als Clowns kostümierter zionistischer
Provokateure und nach dem offensichtlich verabredeten magischen Codewort „Palästina“ aus dem Munde Achmadinedschads,
ließ die Dramaturgie einige diplomatische Statisten – fast wie auf Knopfdruck der Regie in Tel Aviv –
von ihren Stühlen aufspringen und mit entrüsteter Mimik und ungeprobtem Gleichschritt den Konferenzsaal
verlassen.
Eine Dreistigkeit, die in der jüngeren Geschichte der internationalen Diplomatie ihresgleichen
sucht.
Man kommt nicht um die Frage herum, inwieweit die Regierungen, welche die Konferenz boykottierten,
und die Entrüster von Genf noch die Interessen ihrer Länder vertreten – oder ob sie nicht schon längst
zu einer ideologischen Kolonie des Zionismus verkommen sind?
Auf die Frage, warum er die
Sitzung verlassen hat, antwortete der britische Botschafter Gooderman ganz offen, daß man sich im Vorfeld
abgesprochen hätte, genau dann zu gehen, wenn der iranische Präsident beginnen würde, über „Israel“
zu sprechen.
Auf die Zusatzfrage eines Journalisten, worin seiner Meinung nach der Unterschied zwischen
Zionismus und Rassismus bestünde, antwortete der Vertreter der britischen Regierung, daß der Zionismus
„eine politische Bewegung und Rassismus etwas anderes“ sei.
Eine fürwahr tiefsinnige Antwort und dazu
eine analytische Meisterleistung, wie sie wohl nur von einem Diplomaten formuliert werden kann, der offensichtlich
nicht genau weiß, worüber er reden soll oder besser reden darf.
Daß das evangelikal-christlich-zionistische
Lager, „jüdisch“-zionistische Vertreter sowie die antideutschen „Israel“-Fahnenschwenker es in ihrer
verlogenen Weltsicht für opportun halten, Realitäten einfach zu ignorieren oder sie in ihr Gegenteil
umzudeuten, kann man – wenn man ihre eigennützigen Motive in Rechnung stellt – ja noch verstehen, wenn
auch nicht akzeptieren.
Daß jedoch hochrangige Regierungsvertreter einen solchen, widersprüchlichen
Schmarren von sich geben, zeugt entweder von politischer Unbildung – was wir einem Diplomaten der britischen
Krone jedoch nicht unterstellen wollen – oder eben von reinem Opportunismus.
Wir hoffen, daß Gooderman
mit seiner Aussage nicht sagen wollte, daß politische Bewegungen generell nicht rassistisch sind. Ansonsten
genügt es, sich an „Die Bewegung“ schlechthin zu erinnern, welche die Welt immerhin zwölf Jahre lang
in Atem hielt, oder an den Panslawismus mit seiner Russifizierung denken.
Das sind nur zwei Beispiele
von vielen, die diesen hochrangigen Diplomaten in seiner Statistenrolle ad absurdum führen.
Gooderman’s
Chef, der britische Außenminister David Miliband, verurteilte die Rede des iranischen Staatspräsidenten
als „beleidigend, aufhetzend und völlig unakzeptabel“.
Doch er benannte keinen einzigen Grund für dieses
tendenziöse Urteil, das seinem Land nicht zur Ehre gereicht.
Die ungeschminkte WahrheitDer iranische
Staatspräsident hingegen schilderte in seiner brillanten Rede die ungeschminkte Wahrheit.
Er ließ sich
auch durch die diversen Provokationen des billigen zionistischen Bühnenstücks nicht aus der Ruhe bringen.
Wir kennen ihn seit Jahren und wissen nicht nur um seine Zuneigung und seinem Wohlwollen gegenüber „seiner“
jüdischen Gemeinde in der Islamischen Republik des Iran, sondern auch um seine Kenntnisse darüber, wie
zwischen Judentum einerseits und Zionismus andererseits zu unterscheiden ist.
Er respektiert das echte
Judentum und weiß, daß dieses die nationalistische Bewegung des Zionismus nie unterstützt hat.
Doch
die jüdische Gemeinde des Iran – eine der ältesten der Welt – mit ihren immerhin noch ungefähr 30.000
Mitgliedern, die ihrem Vaterland treu verbunden sind, spielt weder in den Kalkulationen der Genfer Schauspieler
noch in der Regie von Tel Aviv eine Rolle.
Für den Zionismus sind die iranischen Juden – wenn überhaupt –
nur interessant, weil sie als Einwanderungsmasse in Frage kommen.
Ihr Wohlergehen, ihre Unversehrtheit,
ihre Sicherheit und die Tatsache, daß sie im Iran ein vollkommen freies religiöses Leben führen können,
ist für das nationalzionistische Projekt ohne Bedeutung.
Nicht nur deshalb haben Gooderman und sein
Statistentrupp nicht nur den Juden im Iran einen Bärendienst erwiesen, der jetzt durch geduldige und
beharrliche Zurechtrückung der Dinge wieder wettgemacht werden muß.
Die Rollen der drei Zionisten-Clowns
innerhalb dieses antiiranischen und antipalästinensischen Ensembles waren im Grunde lediglich ein Hinweis
darauf, daß der Nationalzionismus nur noch über abgeschmackte inhaltliche Requisiten verfügt, die keinen
Hund mehr hinter dem Ofen hervor locken.
Der Schuh, der auf George W. Bush geworfen wurde, hatte zumindest
noch was von spontan improvisiertem Laienschauspiel. Dem konnte die geplant inszenierte zionistische Show
in Genf nichts entgegenhalten.
Bush wurde durch den Schuh vollkommen zu Recht noch einmal zum Gespött.
Denn hat er nicht unzählige Menschenleben in Afghanistan, dem Irak und das seiner eigenen Soldaten auf
dem Gewissen?
Gab es je einen zionistischen Clown, der die Kriegshandlungen der Regierung Bush verurteilte?
Hat je ein britischer Diplomat einen Plenarsaal verlassen, weil Bush eine Rede hielt und in seiner christlich-zionistisch
geprägten Grundeinstellung von der „Achse des Bösen“ sprach?
Wir leben in einer verkehrten Welt, in
der Lüge zur Wahrheit und Unrecht zu Recht umgepolt werden.
Die Inszenierung von Genf sollte dennoch
ins richtige Rampenlicht gerückt werden: War sie wohl von den Dramaturgen als hochwertige Tragödie angedacht,
entpuppt sie sich letztlich als eine mit Harlekins bestückte drittklassige Posse.
Der Verfasser (53)
ist ein deutscher orthodox-chassidischer Jude mit preußisch-schlesischen und pfälzischen Wurzeln. Er
ist Vater von sechs Kindern. Er durchlief eine völlig säkulare Erziehung sozialdemokratischer Prägung.
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