USA
Auch ein Bischof
Zu einem öffentlichen Ärgernis hat sich der Bischof der kalifornischen Diözese San José, Mons. Patrick McGrath, entwickelt. Darum beschlossen einige Laien, einmal im Monat vor seiner Haustüre für ihn zu beten. Der Bischof wehrt sich dagegen – so gut es geht.
(kreuz.net, San Francisco) Bischof Patrick J. McGrath ist der Oberhirte der Diözese San José in der Nähe von San Francisco. San Francisco liegt im US-Bundesstaat Kalifornien im Westen des Landes. Die Gegend gilt als eine der moralisch dunkelsten Gebiete der USA. Für einen Bischof ist das ein goldiges Pflaster, um das katholische Licht leuchten zu lassen.

Die Verletzungen des Naturrechts sind hier Legion: Kinderabtreibung, Homo-Konkubinat und medizinische Menschenversuche. Im Winter 2004 begann der nominell katholische Bürgermeister von San Francisco massenweise Homosexuelle zu verheiraten. Aber Bischof McGrath ist ein schweigsamer Bischof. Er hatte dazu nichts zu sagen.

Während diese Kontroverse in vollem Gang war, fand der Bischof allerdings Zeit, für eine weltliche Tageszeitung einen Kommentar über den Kinoerfolg „Die Passion Christi“ von Mel Gibson zu verfassen. Der Prälat war ehrlich genug zuzugeben, daß er den Film nicht gesehen hatte.

Der Bischof tat sein Bestes, um den Film schlecht zu machen. Der Artikel stand unter dem Titel „Das ist ein Film – keine Geschichtsschreibung.“ Als Untertitel fügte Bischof McGrath hinzu: „Was auch immer die Botschaft des Filmes ist: Die Kirche widersagt dem Antisemitismus.“ Der Kommentar empörte viele Katholiken.

Bischof McGrath beließ es nicht damit, „Die Passion Christi“ zu verreißen. Er legte sich auch mit den Evangelien an. Zu Beginn seines Kommentars schrieb er:

„Als Primärquelle für den Film werden die vier Evangelien angegeben. Dazu ist zu sagen, daß diese Schriften keine historischen Berichte von historischen Ereignissen sind. Sie sind theologische Reflexionen über die Geschehnisse, die den Kern des christlichen Glaubens bilden.“

Für die Mitglieder des in San José beheimateten „Männervereins St. Joseph“ war diese Post zu dick. Der Männerverein schrieb am 29. Februar 2004 dem Bischof und bat ihn höflich und respektvoll, seine beleidigenden Aussagen öffentlich zurückzunehmen. Man fügte die entsprechenden Paragraphen aus der Konzilskonstitution über die Heilige Schrift bei, die man auch im Katechismus der Katholischen Kirche 126 nachlesen kann.

In seinem Brief fragte der Männerverein den Bischof, wie dessen öffentlich dargelegte Ansicht mit der kirchlichen Lehre über die Geschichtlichkeit der Evangelien in Einklang gebracht werden könne.

Ein Jahr später ist dem Bischof die Antwort auf diese Frage immer noch nicht eingefallen.

Da keine Antwort kam und der bischöfliche Kanzler angekündigt hatte, daß auch keine kommen werde, organisierte der Männerverein St. Joseph am ersten Mai 2004 in einem Stadtpark von San José eine Rosenkranzprozession. 500 Katholiken nahmen daran teil. Der Konvertit und katholische Apologetiker, Gerry Matatics, bat den Bischof anläßlich der Prozession, die verbreiteten Irrlehren zurückzunehmen. Doch der Bischof schwieg weiter.

Kurze Zeit später beschloß der Männerverein St. Joseph, einmal im Monat für den Bischof vor seiner Residenz zu beten. Die Veranstaltung fand zum ersten Mal im Juni 2004 statt. Fünf Männer hatten gerade den Rosenkranz beendet, als vier Polizeiwagen aufkreuzten.

Angeblich hatte ein Nachbar die Polizei alarmiert, weil er sich von der Anwesenheit der Beter belästigt fühlte. Die Rosenkranzbeter trugen Plakate, auf denen sie den Bischof baten, seine Irrlehren zu widerrufen. Ein örtlicher Katholik meinte, daß die Polizei vielleicht vom Bischof selber gerufen worden sei, weil er die Beter vor seiner Haustüre mit den vier apokalyptischen Reitern verwechselt habe.

Die Polizisten waren sehr freundlich und erklärten den Betern, daß sie das Recht zur freien Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit in Anspruch nehmen könnten. Dann betraten die Beamten die bischöfliche Residenz und informierten den Bischof über die Rechte der Beter. Die Polizei bat die Mitglieder des Männervereins St. Joseph, die Gebetsnachmittage in Zukunft bei der Polizei anzumelden.

Zu Weihnachten letzten Jahres schickte der Präsident des Männervereins dem Bischof einen freundlichen Brief und versuchte dann mehrmals telefonisch, mit ihn einen Termin auszumachen, um die ungelösten Fragen zu besprechen. Vergebens. Der Bischof antwortete nicht.

Am vergangenen 19. Februar jährte sich die häretische Stellungnahme des Bischofs zum ersten Mal. Der Männerverein St. Joseph druckte zu diesem Anlaß ein Flugblatt, auf dem zu einer Gebetsstunde für den Bischof eingeladen wurde.

Eine Woche vor dem Anlaß wurde der Präsident des Männervereins von einem Polizeihauptmann darüber informiert, daß die monatlichen Gebetsstunden vor der bischöflichen Residenz ein Gesetz über die Aufstellung von Plakaten und die Verbreitung von Literatur vor Wohnhäusern gebrochen habe. Es habe entsprechende Klagen gegeben.

Der Polizeihauptmann erklärte, daß man vor der Residenz des Bischofs zwar beten könne, Plakate und Literatur müßten dagegen in einer Entfernung von mindestens 100 Metern aufgestellt oder ausgeteilt werden. Der Männerverein hielt sich an die Bestimmung. Dreißig Katholiken beteten vor der Bischofsresidenz den Rosenkranz, die Herz-Jesu-Litanei und den Kreuzweg. Vier Polizeiwagen zeigte ihnen den Ort, wo Plakate aufgestellt und Literatur verteilt werden konnte.

Das Gesetz, das hier zur Anwendung kam, wurde vor zwölf Jahren vom Stadtrat von San José beschlossen.

Warum?

Die Bestimmung wurde eingeführt, um Plakat-Aktionen von Lebensschützern vor den Privathäusern von Kinderabtreibern zu erschweren.

Der katholische Bischof von San José, Mons. Patrick McGrath, berief sich somit auf die verlängerte Abtreibungsgesetzgebung, um seine Person vor Mitgliedern der eigenen katholischen Herde zu schützen, die den Rosenkranz für seine unsterbliche Seele beten.
      
1 Lesermeinung
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#1   Sulpicius   16:49:19 | Dienstag, 29. März 2005
Auch wieder so einer,…
… der sein Gehalt einsäckelt, ohne dafür Leistung zu erbringen…
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