14:13:34 | Mittwoch, 13. Mai 2009
Minderwertige Völker sind mittels Terrorgewalt zu erziehen. Außerdem ist nach israelischer Doktrin Terror ein gutes Mittel gegen Terror. Von Noam Chomsky.
(kreuz.net) Der berühmte israelische Strategieanalyst Zeev Maoz verurteilte die Libanon-Invasion im Jahr
2006. Er schrieb in der israelischen Presse:
„Israel verletzt den libanesischen Luftraum, indem es seit
seinem Rückzug aus dem Libanon vor sechs Jahren praktisch täglich Luftaufklärungsmissionen durchführt.
Es stimmt, daß diese Aufklärungsflüge auf libanesischer Seite keine Opfer fordern, aber Grenzverletzung
bleibt Grenzverletzung. Auch hier ist Israel moralisch nicht stärker im Recht“.
Introvertierte Weltsicht
und DoppelmoralEs ist nach Maoz generell anzumerken, daß der „Mundpropaganda-Konsens in Israel, der
lautet, der Krieg gegen die Hisbollah im Libanon war ein gerechter und moralischer Krieg“, jeder Grundlage
entbehre.
Dies sei ein Konsens „basierend auf einem selektiven Kurzzeitgedächtnis, einer introvertierten
Weltsicht und einer Doppelmoral. Dies war kein gerechter Krieg, die Anwendung von Gewalt war exzessiv
und willkürlich, sein ultimatives Ziel Erpressung“.
Maoz erinnert seine israelischen Leser auch daran,
daß das knallende, laute Durchbrechen der Schallmauer, um die Libanesen zu terrorisieren, noch das geringste
der israelischen Verbrechen im Libanon sei – ganz abgesehen von fünf Invasionen seit 1978:
„Am 28. Juli
1988 entführten israelische Spezialeinheiten Sheikh Obeid, am 21. Mai 1994 entführte Israel Mustafa
Dirani, der für die Gefangennahme des israelischen Piloten Ron Arad verantwortlich war (als dieser im
Jahr 1986 Bomben auf den Libanon abwarf).
Israelische GeiselnahmenIsrael hielt sie und weitere zwanzig
Libanesen, die unter geheim gehaltenen Umständen gefangen genommen wurden, über einen längeren Zeitraum
ohne Verfahren in Haft.
Sie wurden als ‘menschliche Verhandlungs-Chips’ festgehalten. Offensichtlich
halten die Israelis Entführungen für moralisch nachvollziehbar, wenn auf diese Weise Gefangene ausgetauscht
werden.
Militärisch zu bestrafen sind Entführungen, wenn sie von der Hisbollah begangen werden, jedoch
nicht, wenn Israel genau dasselbe tut“ – will heißen, in weit größerem Ausmaß und über viele Jahre
hinweg.
Westliche Unterstützung für KriminelleDie israelische Routinepraxis ist bemerkenswert – ganz
abgesehen davon, was sie über die Kriminalität Israels und die westliche Unterstützung für diese Kriminalität
verrät.
Wie Maoz zeigt, unterstreicht diese Praxis die absolute Heuchelei der Standardbehauptung, Israel
sei 2006 berechtigt gewesen, ein weiteres Mal in den Libanon einzumarschieren, nachdem (israelische) Soldaten
an der Grenze gefangen genommen wurden.
Es war die erste grenzüberschreitende Aktion der Hisbollah seit
sechs Jahren – seit dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon. Israel hatte den Südlibanon 22 Jahre
lang besetzt gehalten und damit gegen mehrere Anordnungen des UN-Sicherheitsrates verstoßen.
Israelische
ErziehungsmethodenWährend der darauffolgenden sechs Jahre verletzte Israel die Grenze fast täglich –
ungestraft – während bei uns Schweigen herrschte.
Wieder wird Heuchelei zur Routine. So erklärte der
Journalist Thomas Friedman wie minderwertigere Ethnien mittels Terrorgewalt zu ‘erziehen’ seien und sagte,
daß die israelische Libanon-Invasion von 2006, bei der Südlibanon und Beirut erneut zerstört wurden
und noch einmal mehr als 1.000 Zivilisten starben, ein gerechter Akt der Selbstverteidigung gewesen sei,
mit dem man auf folgendes Verbrechen der Hisbollah reagiert habe:
Die Hisbollah habe „einen unprovozierten
Krieg über die von der UNO anerkannte israelisch-libanesische Grenze hinweg geführt, nachdem sich Israel
unilateral aus dem Libanon zurückgezogen hatte“.
Zwei gegen zwanzigGanz abgesehen von der Täuschung,
die in dieser Aussage steckt, würde diese Logik bedeuten, daß Terroranschläge gegen Israelis – noch
weit zerstörerischere und mörderischere, als es sie je gab –, völlig gerechtfertigt wären, als Reaktion
auf die israelische Praxis im Libanon und auf hoher See, die weit über das Verbrechen der Hisbollah hinausgeht,
das darin bestand, zwei Soldaten an der Grenze gefangenzunehmen.
Friedman weiß als erfahrener Nahostexperte
der ‘New York Times’ über diese Verbrechen sicherlich Bescheid – zumindest, falls er seine eigene Zeitung
liest.
So steht in Absatz 18 eines Artikels der New York Times vom November 1983 über einen Gefangenenaustausch
beiläufig: 37 der arabischen Gefangenen „wurden kürzlich von der israelischen Marine festgenommen, als
sie versuchten, von Zypern nach Tripoli“, nördlich von Beirut, „zu gelangen“.
Der Verfasser (80) war
Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technologie. Er revolutionierte in den 60er Jahren
die Vorstellungen über Sprache und Denken. Zugleich ist er einer der prominentesten und schärfsten Kritiker
der gegenwärtigen Weltordnung und des US-Imperialismus. Der Text ist eine sprachliche Bearbeitung eines
Artikels, der ursprünglich auf ‘ZNet Deutschland’ erschien.Nächstes Mal: Es war der engherzige Schritt
eines engstirnigen Besatzers
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