14:31:21 | Mittwoch, 20. Mai 2009
„Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.“ Karl Kardinal Lehmann nimmt Stellung.

Karl Kardinal Lehmann von Mainz
(kreuz.net) Man müsse den ganzen Text des
Artikels des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani
über die Kreuzesdarstellung von Guido Reni lesen.
Das erklärte Karl Kardinal Lehmann von Mainz heute
in einem Artikel für die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’.
Der Kardinal wurde in den vergangenen Tagen
heftig dafür
verurteilt, die Annahme des hessischen Kulturpreises zusammen mit Kermani abgelehnt zu haben.
In seinem Artikel berichtet Kardinal Lehmann, dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch die „schwierige
Situation“ dargelegt zu haben, „in die mich dieser Text im Zusammenhang der Preisverleihung bringt.“
Er habe den Artikelschluß – „den manche als so »anrührend« empfinden“ – in seiner angeblichen „schriftstellerischen
Kunstfertigkeit“ gesehen:
„Aber gerade so konnte er die grundsätzlichen massiven Urteile im ersten Teil
nicht wettmachen.“
Ein Recht auf das eigene UrteilDer Kardinal vermißte „schon rein sprachlich“ Sensibilität
und Respekt vor dem christlichen Glauben – auch wenn Kermani diesen nicht teilen müsse.
Als kirchlicher
Amtsträger habe er den Preis „nicht zuletzt“ als Bischof der katholischen Kirche bekommen:
„Ich mußte
mir vorstellen, welche Bildunterschriften zu lesen wären, wenn ich in dieser Situation und möglicherweise
noch im Bischofsgewand neben Navid Kermani den Preis entgegengenommen hätte“ – stellt der Kardinal nüchtern
fest und fährt weiter:
„Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich deswegen verhöhnt hätten,
heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.“
Und: „Schließlich –
und dies war der Kern meiner Überlegungen – habe ich auch das Recht, mir mein Urteil zu bilden, ob ich
mir dies alles, gerade auch als Bischof und Theologe, gefallen lassen muß.“
Es fehlt die Achtung – gerade
vor dem KatholischenEr habe gehofft, daß sein Glaubensbekenntnis genügend respektiert werde:
„Im
übrigen hätten auch meine Mitchristen nicht verstanden, wenn ich mich ohne eine weitere Klärung für
eine solche Auszeichnung auf die Bühne gestellt hätte. Als Bischof stehe ich für den Glauben der Kirche
und meiner Mitchristen.“
Der Kardinal stellt auch klar, daß er den Ausschluß Kermanis vom Preis „mit
keinem Wort“ nahegelegt, erwartet oder gar angemahnt habe.
Er habe auch keinen „diffamierenden Brief“
über ihn geschrieben, sondern „deutlich zum Ausdruck gebracht, daß ich unter diesen Umständen den Preis
nicht in Empfang nehmen kann.“
Trotz mancher Erfahrungen erklärt sich der Kardinal überrascht über
das „Ausmaß von Fehlinformationen und Indiskretionen, Beleidigungen und Schmähungen“, die seine Person
getroffen haben:
„Wenn nicht eine grundlegende Achtung vor der Glaubensüberzeugung anderer und Respekt
vor der Andersheit des anderen bestehen, steht es schlecht um ein wirkliches Gespräch der Religionen
untereinander.“
Interesse an der Wahrheit?Er wolle in dem Sinn „liberal“ sein, daß er den Anderen
höre und achte – „auch wenn er mir sehr fremd ist und bleibt“.
Das Wort „liberal“ habe für ihn aber
nie geheißen, „daß ich deswegen keinen eigenen Standort einnehmen darf, daß die Frage nach der Wahrheit
ausgeklammert wird und damit eben im Kern alles gleich-gültig ist und wird.“
Er fürchte diese Art von
Liberalität vielmehr: „Denn sie hat schon zu viel zugelassen.“
Der Konflikt zeige noch dringlicher die
Notwendigkeit eines „echten Dialogs“ unter den Religionen: „Dieser muß aber an der Wahrheit und damit
an den Inhalten der Glaubensüberzeugungen interessiert sein.“
Jeder Dialog müsse zuerst den gegenseitigen
Umgang – gerade bei Differenzen – klären: „Dies wollen wir auch in dem Konflikt um den Hessischen Kulturpreis
erreichen.“
Darin sieht der Kardinal auch den Aufschub der Preisverleihung.
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