Deutschland
Der Kardinal hatte auch seine – ehrbaren – Gründe
„Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.“ Karl Kardinal Lehmann nimmt Stellung.
Karl Kardinal Lehmann von Mainz
Karl Kardinal Lehmann von Mainz
(kreuz.net) Man müsse den ganzen Text des Artikels des deutsch-iranischen Schriftstellers Navid Kermani über die Kreuzesdarstellung von Guido Reni lesen.

Das erklärte Karl Kardinal Lehmann von Mainz heute in einem Artikel für die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’.

Der Kardinal wurde in den vergangenen Tagen heftig dafür verurteilt, die Annahme des hessischen Kulturpreises zusammen mit Kermani abgelehnt zu haben.

In seinem Artikel berichtet Kardinal Lehmann, dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch die „schwierige Situation“ dargelegt zu haben, „in die mich dieser Text im Zusammenhang der Preisverleihung bringt.“

Er habe den Artikelschluß – „den manche als so »anrührend« empfinden“ – in seiner angeblichen „schriftstellerischen Kunstfertigkeit“ gesehen:

„Aber gerade so konnte er die grundsätzlichen massiven Urteile im ersten Teil nicht wettmachen.“

Ein Recht auf das eigene Urteil

Der Kardinal vermißte „schon rein sprachlich“ Sensibilität und Respekt vor dem christlichen Glauben – auch wenn Kermani diesen nicht teilen müsse.

Als kirchlicher Amtsträger habe er den Preis „nicht zuletzt“ als Bischof der katholischen Kirche bekommen:

„Ich mußte mir vorstellen, welche Bildunterschriften zu lesen wären, wenn ich in dieser Situation und möglicherweise noch im Bischofsgewand neben Navid Kermani den Preis entgegengenommen hätte“ – stellt der Kardinal nüchtern fest und fährt weiter:

„Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich deswegen verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.“

Und: „Schließlich – und dies war der Kern meiner Überlegungen – habe ich auch das Recht, mir mein Urteil zu bilden, ob ich mir dies alles, gerade auch als Bischof und Theologe, gefallen lassen muß.“

Es fehlt die Achtung – gerade vor dem Katholischen

Er habe gehofft, daß sein Glaubensbekenntnis genügend respektiert werde:

„Im übrigen hätten auch meine Mitchristen nicht verstanden, wenn ich mich ohne eine weitere Klärung für eine solche Auszeichnung auf die Bühne gestellt hätte. Als Bischof stehe ich für den Glauben der Kirche und meiner Mitchristen.“

Der Kardinal stellt auch klar, daß er den Ausschluß Kermanis vom Preis „mit keinem Wort“ nahegelegt, erwartet oder gar angemahnt habe.

Er habe auch keinen „diffamierenden Brief“ über ihn geschrieben, sondern „deutlich zum Ausdruck gebracht, daß ich unter diesen Umständen den Preis nicht in Empfang nehmen kann.“

Trotz mancher Erfahrungen erklärt sich der Kardinal überrascht über das „Ausmaß von Fehlinformationen und Indiskretionen, Beleidigungen und Schmähungen“, die seine Person getroffen haben:

„Wenn nicht eine grundlegende Achtung vor der Glaubensüberzeugung anderer und Respekt vor der Andersheit des anderen bestehen, steht es schlecht um ein wirkliches Gespräch der Religionen untereinander.“

Interesse an der Wahrheit?

Er wolle in dem Sinn „liberal“ sein, daß er den Anderen höre und achte – „auch wenn er mir sehr fremd ist und bleibt“.

Das Wort „liberal“ habe für ihn aber nie geheißen, „daß ich deswegen keinen eigenen Standort einnehmen darf, daß die Frage nach der Wahrheit ausgeklammert wird und damit eben im Kern alles gleich-gültig ist und wird.“

Er fürchte diese Art von Liberalität vielmehr: „Denn sie hat schon zu viel zugelassen.“

Der Konflikt zeige noch dringlicher die Notwendigkeit eines „echten Dialogs“ unter den Religionen: „Dieser muß aber an der Wahrheit und damit an den Inhalten der Glaubensüberzeugungen interessiert sein.“

Jeder Dialog müsse zuerst den gegenseitigen Umgang – gerade bei Differenzen – klären: „Dies wollen wir auch in dem Konflikt um den Hessischen Kulturpreis erreichen.“

Darin sieht der Kardinal auch den Aufschub der Preisverleihung.
      
25 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#25   chico flojo   19:52:22 | Donnerstag, 21. Mai 2009
@Gotthard
Großes Glaubensbekenntnis:
„Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“
Und warum an die Kirche? Weil Sie der mystische Leib Christi ist.
O Mann…
Ich weiß wirklich nicht, was Sie sich da zurechtschustern.
Redaktion benachrichtigen
#24   Großwildjäger   19:51:18 | Donnerstag, 21. Mai 2009
@ Gotthard:
Bei Brandenburgis ist nicht nur das religiöse Wissen mangelhaft. Auch die Umgangsformen lassen oft zu wünschen übrig…
Redaktion benachrichtigen
#23   Brandenburgis   19:47:57 | Donnerstag, 21. Mai 2009
Und das sagt mir
die verlogene Vogelscheuche Gotthard.
Redaktion benachrichtigen
#22   Gotthard   19:36:57 | Donnerstag, 21. Mai 2009
@brandenburgis
nimm mal Nachhilfeunterricht – dein religiöses Wissen ist sehr mangelhaft.
Redaktion benachrichtigen
#21   Brandenburgis   17:15:34 | Donnerstag, 21. Mai 2009
Gotthard, Dein Glaube
gleicht einer Vogelscheuche!! :-D :-D :-D
Redaktion benachrichtigen
#20   Domenico Tuttisanti   17:09:40 | Donnerstag, 21. Mai 2009
Gotthard
ich glaube an das Horoskop,
die Wahrsagerin von nebenan, …
die Lotto-/Toto-Angaben im Fernsehen …
Na, Gotthard, ist Dir was aufgefallen, Du großartiger Sprachkünstler?
Redaktion benachrichtigen
#19   Gotthard   17:03:11 | Donnerstag, 21. Mai 2009
@r.ruhrgebietler
wer nicht an die Kirche glaubt wie Lehmann
ich glaube auch nicht an die Kirche
aber:
ich glaube an Gott, den Vater, …
Ich glaube an Jesus Christus …
ich glaube an den Heiligen Geist …
ich glaube die heilige katholische Kirche …
ich glaube die Gemeinschaft der Heiligen …
ich glaube die Vergebung der Sünden …
ich glaube die Auferstehung der Toten
ich glaube das ewige Leben …
na, ist Dir etwas aufgefallen, Du großartiger Glaubenswächter?
Redaktion benachrichtigen
#18   Brandenburgis   16:48:09 | Donnerstag, 21. Mai 2009
ICh glaube, daß
der Lehmann nicht die ecclesia gem. NIzenum gemeint hat.
Redaktion benachrichtigen
#17   r.ruhrgebietler   16:41:22 | Donnerstag, 21. Mai 2009
wer nicht an die Kirche glaubt
wie l :-@ hmann, oder gar Jesus Christus leugnet wie der z :-! llitsch, die sind eine Schande in einem Atemzug mit dem Sühneleiden Jesu Christi genannt zu werden.
Redaktion benachrichtigen
#16   Strauss   12:52:42 | Donnerstag, 21. Mai 2009
kann ich mir nicht vorstellen
„Ich mußte mir vorstellen, welche Bildunterschriften zu lesen wären, wenn ich in dieser Situation und möglicherweise noch im Bischofsgewand neben Navid Kermani den Preis entgegengenommen hätte“
Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand Kardinal Karl Lehmann wegen der Entgegennahme des Preises Vorwürfe gemacht hätte. Schließlich ist die Annhame der Auszeichnung für sein Lebenswerk nicht automatisch eine Zustimmung zur Kreuzesverhöhnung Kermanis. Etwas anderes wäre es, wenn das Bistum Mainz dem Publizisten dieses Preis verleihen würde oder K.K. Lehmann die Laudatio auf den Preisträger halten würde. Das wäre natürlich ein Skandal. Aber so…?! Wahrscheinlich stecken doch andere Gründ dahinter.
Redaktion benachrichtigen
#15   Domenico Tuttisanti   11:19:28 | Donnerstag, 21. Mai 2009
Johnny
Kardinal Lehmann ist und bleibt neben Bischof Zollitsch das beste, was die Kirche zu bieten hat.
Da denken Sie aber zu schlecht von der Kirche, Johnny! :-@
Redaktion benachrichtigen
#14   Johnny   11:08:08 | Donnerstag, 21. Mai 2009
Klasse!
Kardinal Lehmann ist und bleibt neben Bischof Zollitsch das beste, was die Kirche zu bieten hat. Alles Gute, mein Kardinal!!
Redaktion benachrichtigen
#13   Dr. Guillotin   23:07:56 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Herr Lehmann
bedarf einer Vollbehandlung.
Redaktion benachrichtigen
#12   r.ruhrgebietler   21:13:04 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Die Demut gebietet es,
für l :-@ hmann sich gem. Dieter Nuhr zu verhaltet: Es ist keine Schande wenn man keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten.
Wer hört denn auf den l :-@ hmann, der nicht an die Kirche glaubt!
Redaktion benachrichtigen
#11   Guiseppe   17:44:42 | Mittwoch, 20. Mai 2009
@ wassers
Da tut einer so, wie wenn er frei von Sünde wäre. Selbstgerechtes Richten statt selbstlose Demut.
Das ist wie bei einigen Pharisäern damals.
Redaktion benachrichtigen
#10   wassers   17:12:22 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Herr Lehmann und sein Gewissen?
Hat ein führender „Theologe“ und Leiter innerhalb der Konzilskirche mit einem Mal sein katholisches? Gewissen entdeckt, dann wäre dem Sünder zu wünschen, dass er für die Verwüstungen des Glaubens der Kirche Christi, die er angerichtet an, zu verzeihen. Handelt es sich jedoch um eine der vielen dialektischen Seifenblasen dieses Herren, dann ist nur festzustellen, dass es sich um einen verstockten antikatholischen h o c h bezahlten Funktionär einer nicht mehr katholischen Kirche handelt! M. E. sind alle Äußerungen, Winkel- und Schachzüge dieses Herren mehr mit Vor- als mit Nachsicht zu betrachten. Wie heißt es so ergreifend in der Göttlichen Liturgie des hl. Johannes Chrysostomos: „Ein christliches Ende unseres Lebens, schmerzlos, nicht zur Schande, friedlich und eine gute Antwort vor dem furchtbaren Richterstuhl Christi lasset uns erflehen.“ Ja, Herr Lehman, beten Sie, denn Christus wird Sie wie alle richten und die Anforderungen an einen Mann wie Sie dürften höher sein als bei einem einfachen Laien!
Redaktion benachrichtigen
#9   Clemens Paul   16:29:45 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Tiefe Unsicherheit über den Sinn des Kreuzes
Eine „größere inhaltliche Bestimmtheit“ vermag ich bei den jüngsten Ausführungen Seiner Eminenz leider nicht zu entdecken. Lehmanns Aussagen sind doch nur ein weiterer Reflex der ihm eigenen Dialektik. Inhaltlich besteht nach wie vor Klärungsbedarf:
Vielleicht noch wichtiger aber ist ein anderer, kaum je ausgesprochener Aspekt der Debatte. Er betrifft die Kreuzigungslehre der Kirchen selbst. Was hinter den scheinbar entschlossenen Einlassungen Steinackers und Kardinal Lehmanns in den Hintergrund zu treten droht, ist die Tatsache, dass sich in den Osterpredigten beider Konfessionen eine tiefe Unsicherheit über den Sinn des Kreuzes auftat: Sühneopfer oder bloßes ‘Symbol der Solidarität’ Gottes? Nun also ist bis zum Herbst Zeit für eine echte Klärung.
Aus: Lorenz Jäger, Kermani und das Kreuz, FAZ vom 18. Mai
www.faz.net/…common~Scontent.html
Redaktion benachrichtigen
#8   Mrs.Cologne   16:15:57 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Pontireflexposter
Tun Sie den Schnuller wieder rein und stupsen Sie das Mobilee nochmal an.
Redaktion benachrichtigen
#7   Pontifex   15:53:26 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Frau Köln,
wieviele treten aus, während Sie Ihren Sermon hier verbreiten?
Redaktion benachrichtigen
#6   Mrs.Cologne   15:50:22 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Es lebe die Säkularisierung des Klerus!
Mich würde ja mal interessieren, wieviele Kirchenaustritte stattfinden, in der Zeit, in welcher Kardinal Lehmann seine Rede für diese Verleihung vorbereitet. :-S :)3(+180°)
Redaktion benachrichtigen
#5   derLeser   15:00:32 | Mittwoch, 20. Mai 2009
jö schau
Pastor Lehmann entdeckt ja in seien alten Tagen seine Liebe zum Katholizismus.
die Wege des Herrn sind unergründlich o^/
Redaktion benachrichtigen
#4   Domenico Tuttisanti   14:56:45 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Lehmann
ist für einen bestimmten kirchenpolitischen und theologischen Kurs der deutschen Nachkonzils-Kirche über Jahrzehnte hinweg einer der Hauptverantwortlichen. Aus dieser Verantwortung kann ihn auch niemand so einfach entlassen! Wenn er heute – besonders auch nach einigen skurrilen Erfahrungen mit muslimischen Zuwanderern www.kreuz.net/article.6388.html – diesen Kurs anders bewerten und interpretieren sollte, dann kann er nicht erwarten, dass man ihm das sofort abkauft. Er wird „Überzeugungsarbeit“ leisten müssen, anders geht’s nicht!
Redaktion benachrichtigen
#3   lateiniheini   14:48:31 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Eigentlich egal, was er sagt…
„Ich malte mir schon die Kommentare derer aus, die mich verhöhnt hätten, heute aber über mich herfallen, weil ich mir dieses Szenario ersparen wollte.“
Zumal auf kreuz.net ist es sowieso egal, was Lehmann sagt! Er wird eh auseinandergenommen, sobald nur allein sein Name erscheint. Also hat der Kardinal – zumindest was kreuz.net betrifft- mit dieser Aussage Recht!
Redaktion benachrichtigen
#2   Domenico Tuttisanti   14:47:34 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Pontifex
das Wunder ist eher bei Kardinal Lehmann und seiner späten Konversion zu größerer inhaltlicher Bestimmtheit in Glaubensfragen zu sehen!
Wenn es jetzt heißt:
Das Wort „liberal“ habe für ihn aber nie heißen, „daß ich deswegen keinen eigenen Standort einnehmen darf, daß die Frage nach der Wahrheit ausgeklammert wird und damit eben im Kern alles gleich-gültig ist und wird.“
Er fürchte diese Art von Liberalität vielmehr: „Denn sie hat schon zu viel zugelassen.“
dann hätte man sich solche Klarstellungen, die eher an Ratzinger erinnern als an Lehmann, schon früher gewünscht vom Mainzer Oberhirten. Aber besser spät, als nie!
Redaktion benachrichtigen
#1   Pontifex   14:43:30 | Mittwoch, 20. Mai 2009
Kann es sein,
dass in zwischen den Zeilen eine Art von Zustimmung der +net-Verantwortlichen erkenne? Wenn ja, dann ist ein Wunder geschehen, wo man hier doch sonst kein gutes Haar an Em. Lehmann lässt!
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
DeutschlandAuch ein Lesekünstler DeutschlandDie Gründe des Kardinals DeutschlandUnd der Musikgruppe sollten sie auch noch Bescheid geben Deutschland„Da wünschte ich mir, die Kirche sei weniger liberal“ DeutschlandWas er sagen wird, ist jetzt schon klar DeutschlandKatholisch-Sein als Lachnummer DeutschlandDenunzianten vereitelten seine Berufung zum Bischof DeutschlandDie Lehre aus den Haßausbrüchen DeutschlandDer Judas von Berlin DeutschlandBestellte Papstschelte DeutschlandEr ist ein lieber Mann und wohnet in Berlin Heiliges LandDa macht sie es sich ein bißchen einfach DeutschlandWerden die Bistümer verschmolzen? DeutschlandUnsichere Kirchen DeutschlandKein Land in Sicht
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net