15:51:02 | Montag, 25. Mai 2009
Benedikt XVI.
„Die anderen Reden hätte ich selber in zehn Minuten herunterschreiben können, weil ich die seit zehn Jahren kenne.“ Die Juden müssen den Kirchenhaß in ihren eigenen Reihen bekämpfen.

Benedikt XVI. im Heiligen Land
(kreuz.net) Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat die Rede von Benedikt XVI. in der antikatholischen
jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als eine „große Rede“ bezeichnet.
Der Papst habe sich
nicht an Schlag- und Reizworten orientiert, „zu denen er sich ja schon oft geäußert hat.“
Wenn man
immer wiederhole, „daß wir klar gegen jede Form von Antisemitismus sind, daß man den Holocaust nicht
leugnen darf, dann banalisiert das die Aussage.“
In dem Gedenkort habe der Papst etwas viel Wichtigeres,
Grundlegenderes und Tieferes getan: „Er hat an den Namen Yad Vashem angeknüpft, daß man den Namen nicht
vergessen darf und in Erinnerung halten muß.“
Deshalb sei es eine große Rede gewesen, weil sie endlich
nach den vielen Reden, die man sonst gehalten hat, einen neuen Aspekt, einen neuen Ton, eine neue Tiefe
dem Dialog gegeben habe:
„Die anderen Reden hätte ich selber in zehn Minuten herunterschreiben können,
weil ich die seit zehn Jahren kenne.“
Als er die ihm vorher unbekannte Rede gehört habe, sei ihm klar
gewesen, daß bestimmte negative Reaktionen kommen würden – erklärt der Kardinal: „Das muß man in Kauf
nehmen.“
Kardinal Kasper nimmt kein Blatt vor dem Mund: „Manche Einwände waren, höflich gesagt, töricht.“
Er gibt ein Beispiel: „Zu sagen, man darf nicht sagen, „they were killed“ – sie wurden getötet –, man
müsse sagen „they were murdered“ – sie wurden ermordet. Das sind keine Argumente, sondern hat zum Ziel,
herunterzusetzen, was der Papst sagte, ihm die moralische Autorität zu nehmen.“
Ähnliches gelte für
den Einwand, Benedikt XVI. hätte als Deutscher reden müssen:
„Der Papst hat kein Mandat, für das deutsche
Volk zu reden – das muß die deutsche Regierung tun, die hat es auch schon oft getan.“
Benedikt XVI.
sei auch nicht als deutscher Papst gekommen, sondern als Repräsentant einer weltweiten universalen Kirche:
„Da waren völlig falsche und überzogene Erwartungen da. Aber dieser Papst hat ja auch den Mut, gelegentlich
etwas zu sagen, was nicht einfach so politisch korrekt ist.“
Kardinal Kasper unterstreicht, daß die
Angriffe nicht von jenen jüdischen Gesprächspartnern kamen, mit denen er seit Jahren im Dialog steht.
Diese hätten die Rede verteidigt: „Es gibt teils auch Feindschaft gegenüber der Kirche, die dann auf
den Papst besonders konzentriert wird.“
Auf den Hinweis, daß die geplante Seligsprechung des von vielen
Juden gehaßten Heldenpapstes Papst Pius XII. († 1958) – der im Zweiten Weltkrieg Hunderttausenden Juden
das Leben rettete – nicht zur Sprache kam, erklärt der Kardinal:
„Ich bin der Meinung, das ist eine
innerkirchliche Frage und nicht eine Frage, welche die Juden entscheiden können.“
Es sei hier eine Aufgabe,
daß vor allem die jüngeren Ergebnisse der Forschung in Israel noch mehr bekannt gemacht würden.
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