Am Karsamstag konnten italienische und vatikanische Feuerwehrleute einen Selbstmord verhindern. Ein geistig verwirrter Mann hatte gedroht, sich von der Kuppel des Petersdoms in die Tiefe zu stürzen. Über die Feuerwehr des Papstes ist nur wenig bekannt, dabei kann sie auf eine fast zweihundertjährige Tradition zurückblicken. Von Ulrich Nersinger.
Am Karsamstag konnten italienische und vatikanische Feuerwehrleute einen Selbstmord verhindern. Ein geistig
verwirrter Mann hatte gedroht, sich von der Kuppel des Petersdoms in die Tiefe zu stürzen. Über die
Feuerwehr des Papstes ist nur wenig bekannt, dabei kann sie auf eine fast zweihundertjährige Tradition
zurückblicken. Von Ulrich Nersinger.
Eine Feuerwehr, so wie sie unseren heutigen Vorstellungen entspricht,
gab es im alten Kirchenstaat seit dem Jahre 1810. Sie war in dem von den Franzosen besetzten Rom nach
dem Vorbild der „Sapeurs-Pompiers“ von Paris entstanden. Nach seiner Rückkehr in die Ewige Stadt behielt
Papst Pius VII. (1800-1823) die Feuerwehr bei, wandelte sie in eine militärische Einheit um und verfügte
ihre Eingliederung in die päpstliche Armee.
1827 führte Leo XII. das „Corpo dei Vigili del fuoco“ (Feuerwehrkorps)
wieder in eine zivile Institution über und unterstellte sie dem Gouverneur von Rom. Was Disziplin und
Ränge anging, behielt das Korps jedoch seinen militärischen Charakter bei. Der Gouverneur der Ewigen
Stadt umriß damals den „militärischen“ Auftrag mit den Worten: „Die Waffen der Feuerwehr sind Waffen
des Friedens, der Sorge und der Sicherung des öffentlichen Wohls“.
Nach dem Ende des alten Kirchenstaates
(1870) blieb die päpstliche Feuerwehr in verkleinertem Umfang bestehen; ihr Quartier nahm sie in einem
Gebäudetrakt des Vatikanpalastes. Im Jahre 1941 wies Papst Pius XII. (1939-1958) dem Korps eine neue
Unterkunft zu, ließ die Ausrüstung gründlich überprüfen und durch moderne Geräte ergänzen bzw.
ersetzen.
Heute verfügt das Korps über etwas mehr als 20 Feuerwehrleute („Vigili“), die unter einem
Kommandanten und zwei Geschwaderführern ihren Dienst leisten. Die Dienstzeit umfasst vierundzwanzig Stunden,
auf die jeweils ein arbeitsfreier Tag folgt. Alle 14 Tage wird eine Freizeit von zweiundsiebzig Stunden
gewährt.
Das besondere Augenmerk der päpstlichen Feuerwehr gilt St. Peter. Jeden Abend, nach der Schließung
der Basilika, unterziehen die Feuerwehrleute das Gotteshaus einer eingehenden Überprüfung. Im Quartier
der Feuerwehr findet sich auch die zentrale Alarmanlage des Vatikans, an die alle wichtigen Gebäude wie
der Apostolische Palast, die Audienzhalle, die Vatikanischen Museen, die Bibliothek, das Geheimarchiv
usw. angeschlossen sind.
Bei kleineren und mittleren Bränden vertraut man im Vatikan ganz auf die Professionalität
der eigenen Feuerwehr. Für größere Brände liegt im Governatorat des Vatikanstaates, der weltlichen
Regierung des Kirchenstaates, ein Katastrophenplan bereit, der auch den Einsatz italienischer Feuerwehrkräfte
mit einschließt.
In den Jahresberichten der päpstlichen Feuerwehr finden sich auch Episoden vermerkt,
die zum Schmunzeln anregen:
So hatte Papst Pius XII. eines Morgens bemerkt, dass der rechte Brunnen auf
dem Petersplatz nicht in Betrieb war. Er ließ seine Haushälterin, Mutter Pasqualina Lehnert, die Verwaltung
des Vatikanstaates anrufen. Die Männer der päpstlichen Feuerwehr waren sofort zur Stelle. Sie schraubten
die Rohre des Brunnens auf und fanden – einen Aal. Er dürfte aus dem nördlich von Rom gelegenen Bracciano-See
in eines der großen Rohre gelangt sein, die von dort in die Ewige Stadt und den Vatikan führen, um sie
mit Wasser zu versorgen. Ob der Aal von den Vigili wieder ausgesetzt wurde oder in einem vatikanischen
Kochtopf landete – darüber findet sich leider keine Notiz.
Oft müssen die Feuerwehrleute zur Rettung
ganz besonderer Bewohner des Kirchenstaates antreten. Sie haben dann eine der vielen Katzen des Vatikans,
die sich immer wieder in Bäumen oder auf den Dachvorsprüngen der Paläste verirren, aus ihrer misslichen
Lage zu befreien.
„Und was ist der Dank?“, bemerkt der Chef der Feuerwehr, „sie gebärden sich wie wilde
Tiger und beißen und kratzen ihren Retter. Ich weiß, meine Männer möchten so eine Katze manchmal am
liebsten mit dem Schlauch herunterholen. Es wäre in der Tat viel einfacher. Aber das kommt nicht in Frage.
Was würde der Heilige Vater sagen, wenn er sähe, wie wir eine Katze mit dem Wasserschlauch vom Baum
schießen!“
Beim XV. Weltjugendtreffen, das im Sommer 2000 in Rom stattfand, wurden die päpstlichen
Vigili auch bei menschlichen Geschöpfen zu „Lebensrettern“. Die brütende Augusthitze machte den Teilnehmern
sehr zu schaffen; bei vielen Personen versagte der Kreislauf. Die vatikanische Feuerwehr sorgte auf ungewöhnliche
Art für Erfrischung – sie installierte auf dem Petersplatz Hydranten und kühlte die wartenden Jugendlichen
mit Wasser aus ihren Feuerwehrschläuchen ab.
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