Euthanasie
Rettung in der Sterbestunde?
Vergangene Woche entschieden drei US-Bundesrichter, daß es rechtens sei, die Wachkomapatientin, Frau Terri Schiavo, verhungern zu lassen. Nun wird die ganze Kammer des Berufungsgerichts den Antrag von Terris Eltern noch einmal aufrollen. Frau Schiavo siecht seit zwölf Tagen ohne Essen und Trinken.
(kreuz.net, Florida) Das Bundesberufungsgericht in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia wird den Fall von Frau Terri Schiavo neu aufrollen. Die Entscheidung fiel laut dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN am Mittwoch morgen Mitteleuropäischer Zeit. Georgia befindet sich an der Ostküste im Süden der Vereinigten Staaten.

Das Berufungsgericht befaßt sich nun doch noch einmal mit dem Antrag der Eltern, die Wiedereinsetzung der Magensonde anzuordnen. Bis jetzt hatten die Gerichte lediglich festgestellt, daß die jeweiligen Urteile gesetzeskonform gewesen seien.

Der Anwalt der Eltern und Geschwister von Terri hatte verlangt, daß alle elf Bundesrichter den Antrag hören sollten. Vergangene Woche hatte nur eine kleine Kammer, bestehend aus drei Bundesrichtern, geurteilt. Zwei von drei stimmten damals dafür, Terri verhungern zu lassen. Bei der Anfechtung des Urteils stimmten die gleichen drei Richter einstimmig für eine Fortsetzung der Aushungerung der hilflosen Wachkomapatientin.

Terris Mutter, Mary Schindler, wandte sich gestern erneut öffentlich an ihren Schwiegersohn, Michael Schiavo und seine Konkubine: „Michael und Jodi, ihr habt selber Kinder. Bitte, bitte gebt mir mein Kind zurück.“ Michael Schiavo hat in den letzten Jahren mit Jodi Centonze zwei uneheliche Kinder gezeugt und lebt seit Jahren mit ihr im Konkubinat. Einer Hochzeit der beiden Ehebrecher steht Schiavos rechtliche Ehefrau, Terri, im Weg.

Der entfremdete Ehemann von Terri entzog seiner Frau nach 15 Jahren und zahlreichen Prozessen gegen die Eltern von Terri am 18. März Nahrung und Wasser.

Terri befindet sich – obwohl sie seit zwölf Tagen nichts gegessen oder getrunken hat – nach Angaben ihrer Eltern in einer „bemerkenswert guten Verfassung“. Alle lebenswichtigen Organe würden arbeiten, sagte der US-amerikanische Lebensrechtler Randall Terry. Ihr Puls sei nach wie vor stark und sie zeige Reaktionen. Es grenze an ein Wunder, wie tapfer die vollkommen ausgetrocknete Terri Schiavo gegen ihre Hinrichtung kämpfe.

Gestern schaltete sich der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson in Terris Todeskampf ein. Er traf sich mit Terris Eltern und betete mit ihnen: „Heute beten wir für ein Wunder“, sagte Jackson. Den bevorstehenden Hungertod der 41-Jährigen bezeichnete er als Ungerechtigkeit: „Die Lebensrettung von Terri ist eine der wichtigsten moralischen und ethischen Fragen unserer Zeit.“ Jackson war Präsidentschaftskandidat der Demokraten.

Nach einem Treffen mit den Eltern hatte der demokratische Bürgerrechtler Jesse Jackson vom Senat des US-Bundesstaates Florida gefordert, doch noch ein lebensrettendes Gesetz zu verabschieden. Damit könnte Floridas Gouverneur Jeb Bush die künstliche Ernährung wieder anordnen. Laut CNN würde es zumindest eine Woche dauern, bis ein entsprechender Gesetzesentwurf auch das Abgeordnetenhaus passiert haben würde.
      
6 Lesermeinungen
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#6   Yersinia   22:49:34 | Donnerstag, 31. März 2005
@spectator: einen „Hochwürden“ würd ich dir
ja abnehmen – aber „Kaiser von Japan“ ist eindeutig zu hoch gegriffen; und was ist nochmal die Selbstdefinition von kreuz.net? für den Rest deiner Fragen verweise ich gerne auf die gängigen Qualitätszeitungen;
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#5   1+1=7   19:43:25 | Donnerstag, 31. März 2005
@spectator Wos is mit dir?
spectator: @ YersinaWie immer, noch ein nichtssagender Beitrag von Yersina.
Und wenn kreuz.net „konservativ“ ist, dann bin ich der Kaiser von Japan.
Nur weu des Madel ned ollas was, brauchst ned dauernd stänkern!
Beruhig di Spectator.
ut nolens
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#4   spectator †   19:03:12 | Donnerstag, 31. März 2005
@ Yersina
Wie immer, noch ein nichtssagender Beitrag von Yersina.
Und wenn kreuz.net „konservativ“ ist, dann bin ich der Kaiser von Japan.
P.S. Weißt du eigentlich was „konservativ“ bedeutet, oder quasselst du einfach nur so?
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#3   Yersinia   18:33:49 | Donnerstag, 31. März 2005
in jeder besseren Tageszeitung
findest du genügend Informationen über die Situation von WachkomapatientInnen in den USA, über die Rolle von Politik und Medien in diesem Fall – und nicht zuletzt: abgelenkt wird durch die mediale Ausbreitung eines Einzelschicksals von all den Menschen, die tagtäglich direkt oder indirekt durch „westliche“ Politik und Wirtschaft zugrunde gehen – Berichte über die ganz normale Furie des Kapitalmarktes sind in konservativen Medien wie „kreuz.net“ von mir noch nie gesichtet worden;
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#2   spectator †   10:20:40 | Donnerstag, 31. März 2005
@ Yersina
– wenn man sich also etwas umfassender darüber informiert, gewinnt dieser Fall sehr viele andere Aspekte;
welche? – dass man diese Frau verhungern und verdursten lassen soll, weil ihr Ehemann nicht länger als Ehebrecher leben will?
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#1   Yersinia   05:29:12 | Donnerstag, 31. März 2005
als schlimmsten Aspekt finde ich
was die mediale Furie aus dieser im Grunde höchst privaten Situation macht; wenn man sich zugleich etwas umfassender über diese Geschichte – bitte nicht falsch zu verstehen: Medienkonsumenten bekommen Geschehendes ja nicht real, sondern immer nur als „Erzählung“ mit – wenn man sich also etwas umfassender darüber informiert, gewinnt dieser Fall sehr viele andere Aspekte;
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