Unter dem Titel „Christentum: Malträtiert wie keine andere Religion“ schrieb der Bischof von Basel einen Leserbrief für die Mittwochsausgabe der ‘Neuen Luzerner Zeitung’. Der Leserbrief bezieht sich auf die Parodie des Letzten Abendmahls Christi durch ein französisches Modehaus.
(kreuz.net, Solothurn) Der Bischof von Basel, Mons. Kurt Koch (55), der in Solothurn (Nordschweiz) residiert,
nahm Stellung zu einem Artikel, der sich mit der blasphemischen Darstellung des Abendmahls zu Werbezwecken
befaßte.
Der Leserbrief des Bischofs wurde in der täglich erscheinenden ‘Neuen Luzerner Zeitung’ veröffentlicht.
Diese hatte in ihrer Ausgabe vom Gründonnerstag das Werbeplakat des französischen Designers Girbaud
abgedruckt. Sie zeigt eine entstellte und für Werbezwecke instrumentalisierte Parodie des berühmten
Abendmahls von Leonardo da Vinci.
Die Werbung ersetzt Christus und die Aposteln mit anziehenden, leicht
angezogenen weiblichen Fotomodellen in Designerkleidung. Eine der Ersatzapostelinnen umschlingt einen
für einen öffentlichen Auftritt ungenügend bekleideten Herrn in Blue Jeans.
Die Bildlegende habe die
Abbildung verharmlosend als „umstritten“ bezeichnet, bemerkt Bischof Koch: „Es ist vielmehr am 10. März
vom ‘Tribunal de grande instance’ in Paris als Ungerechtigkeit gegenüber den Katholiken und als aggressive
Verletzung religiöser Gefühle verurteilt worden.“ Das Gericht habe zudem entschieden, daß der Modedesigner
für jeden Tag, an dem diese Werbung nach dem Urteilsspruch weiterhin in der Öffentlichkeit gezeigt wird,
100 000 Euro als Strafe zu bezahlen habe.
„Dennoch – oder deshalb?“, fragt Bischof Koch, bringe die ‘Neue
Luzerner Zeitung’ dieses Bild, und zwar ausgerechnet am Hohen Donnerstag, an dem unsere Kirche das Gedächtnis
des letzten Abendmahls Jesu feiert.
Es gebe eine interessante Parallele: Während der Modedesigner mit
seiner Verzerrung des Letzten Abendmahls Christi für seine neue Modekreationen werben wollte, versuche
die ‘Neue Luzerner Zeitung’ mit der Publikation des Bildes offensichtlich äußerst fragwürdige Thesen
zu untermauern. Der Titel des dem Bild angehängten Artikels ‘Abendmahlsstreit: Jesu Abschiedsmahl stand
allen offen’ wolle glauben machen, daß der Weg für ökumenische Abendmahlsfeiern theologisch geklärt
sei.
Bischof Koch verweist in diesem Zusammenhang auf zwei gravierende Unterschiede.
Während der Modedesigner
Girbaud sich herausreden konnte, gar nicht an das biblische Abendmahl, sondern nur an Leonardo da Vinci,
gedacht zu haben, bringe die ‘Neue Luzerner Zeitung’ das Bild bewußt im Zusammenhang mit dem letzten
Abendmahl Jesu.
Und während ein hohes Gericht im total säkularisierten Staat Frankreich die öffentliche
Darstellung des Bildes, das religiöse Gefühle verletzt, verbietet, publiziere es die ‘Neue Luzerner
Zeitung’ ausgerechnet am Hohen Donnerstag.
„Dies ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen“ – urteilt
der Bischof – „gegen die ich als Bischof im Namen vieler Katholiken protestiere. Und als gebürtiger Luzerner
schäme ich mich für diese Entgleisung der ‘Neuen Luzerner Zeitung’.“
Wohl kaum eine Religion werde
in der schweizerischen Gesellschaft derart malträtiert wie das Christentum, bemerkte Bischof Koch: Vor
allem in seiner katholischen Gestalt. „Würde das Heiligste des Judentums derart verballhornt, wäre der
Protest – gewiß auch in der ‘Neuen Luzerner Zeitung’ – laut vernehmbar: mit bestem Recht!“
Doch bei
der öffentlichen Behandlung des Christentums und besonders der katholischen Kirche scheine es keine Schamgrenze
mehr zu geben.
Doch vielleicht habe die ‘Neue Luzerner Zeitung’ nicht bewußt provozieren wollen. Dann
müsse die Frage erlaubt sein, ob die religiöse Gleichgültigkeit oder gar der Selbsthaß des katholischen
Christentums in der Schweiz bereits derart vorangeschritten sei, daß solche Geschmacklosigkeiten gar
nicht mehr als solche erkannt würden, schloß Bischof Koch.
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keine andere Religion hat sich derart ausgebreitet wie das Christentum, keine andere Religion stellt sich
zugleich den Anforderungen einer modernen, pluralen und offenen Gesellschaft in solcher Art und Weise,
wie es das Christentum kann – das muß man bei der ganzen Lamentiererei dazusagen; und gerade das Christentum
–. hier vor allem die protestantische Seite – war am Aufbau der heutigen, weltweiten modernen Gesellschaft
massiv beteiligt; und es zeichnet wohl auch die diskursive Qualität einer Religion aus, mit derartigen
Herausforderungen umgehen zu können – wobei man die Unterschiede zwischen den einzelnen christlichen
Konfessionen sehr im Blick behalten muß;