Die vorgesehene Zusammenlegung der Pfarreien des Bistums Fulda in Seelsorgeeinheiten hat zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Die Fuldaer Diözesanleitung möchte diese mit Hinweis auf die „Einheit in der Diözese“ zum Schweigen bringen.
(kreuz.net, Fulda) Es ist kein Geheimnis, daß die kirchlichen Strukturen seit dem Zweiten Vatikanum zusammenbrechen
und der Priesternachwuchs ausgetrocknet ist. In Deutschland zieht man jetzt daraus die institutionellen
Konsequenzen. Die Diözesen bauen massiv ab. Die Kirche löst sich mehr und mehr in der Gesellschaft auf.
Zur Zeit ist das Bistum Fulda an der Reihe. Die rund 250 Pfarreien sollen auf 40 bis 60 Seelsorgeeinheiten
reduziert werden.
Kritiker der Reform bringen verschiedene Vorbehalte an. Die Neuerungen würden das
Leben in den gegenwärtigen Pfarreien zum Erliegen bringen. Auch die Rolle des Priesters werde durch die
Reform gefährdet. Dieser werde entweder zum Leiter einer Seelsorgeeinheit und verwandle sich dadurch
in einen Administrator oder Manager, oder er werde als pastoraler Mitarbeiter zum Zelebrationskasper und
klerikalen Pastoralassistenten degradiert. Das erschüttere die priesterliche Lebensform bis auf ihre
Grundfesten.
Gemäß eines heute in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschienen Artikels ermahnen
die für den Fuldaer Reformprozeß mitverantwortlichen Domkapitulare – der Leiter des Seelsorgeamts, Rudolf
Hofmann, sowie der Bischofsvikar und Personalreferent, Gerhard Stanke – ihre Kritiker: Trotz der Einwände
gegen die von Bischof Heinz Josef Algermissen eingeleiteten Reform gelte es, die Einheit der Diözese
nicht aus den Augen zu verlieren.
Beobachter weisen darauf hin, daß die Ermahnung zur Einheit gewöhnlich
ein Argument sei, das von fortschrittlichen Kirchenleitungen gegen konservative Kritiker verwendet wird.
Die Proteste in der Diözese Fulda gingen vom jungen Pfarrer Uwe Winkel und den Mitgliedern seiner drei
Pfarreien Geismar, Spahl und Ketten aus. Die Einführung der Verbünde könne zur Auflösung des eigentlichen
pfarrlichen Lebens führen, meinte diese Gruppe in einem Offenen Brief. Eine Pfarrei brauche einen eigenen
Pfarrer. Mit dem Priestermangel könne nicht argumentiert werden, solange es im Bistum noch etliche Pfarrer
gebe, die kleine Gemeinden betreuten. Außerdem könne man ausländische Priester einstellen. Überdies
gebe es bereits eine gute überpfarrliche Zusammenarbeit.
Die drei Gemeinden von Pfarrer Winkel, der
selber nicht aus dem Osten stammt, gehören zum Dekanat Geisa, daß vor der Wende zur DDR gehörte und
kirchlich von Erfurt aus verwaltet wurde. Pfarrer Winkel ist Mitglied des „Netzwerks katholischer Priester“,
einem Zusammenschluß von Geistlichen, der katholische Positionen vertritt und sich als Gegengewicht zu
den Auflösungstendenzen in der Kirche versteht.
Die beiden Fuldaer Domherren Hofmann und Stanke beeilen
sich nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen“ den wichtigsten Vorwurf im Brief von Pfarrer Winkel zu
entkräften: Auch künftig würde für jede Pfarrei ein Priester als Seelsorger zuständig sein. Damit
sei der Behauptung, der „Pastorale Prozeß“ könne zur praktischen Auflösung des pfarrlichen Lebens führen,
der Boden entzogen. „Damit sind die Ängste, die unberechtigterweise – auch von Geistlichen – geschürt
werden, unbegründet“.
Dieses Argument ist neu und steht im Widerspruch zur Grundintention des „Pastoralen
Prozeßes“, der nur einen kanonischen Pfarrer pro Seelsorgeeinheit vorsieht. Kritiker stellen die Frage,
ob sich der Aufwand der Umstrukturierung lohne, wenn in jeder Pfarrei ohnedies ein Pfarrer beibehalten
werden solle.
Pfarrer Jan Kozaczka, ein Pfarrer in der Diözese Fulda meinte vor der „Frankfurter Allgemeinen“,
daß immer davon geredet werde, daß es weniger Priester, Gläubige und Geld gebe. Dagegen werde kaum
darüber beraten, was getan werden sollte, damit die Menschen wieder zur Kirche zurückkommen.
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8 Lesermeinungen
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@ Priester in Deutschland Auch die Rolle des Priesters werde durch die Reform gefährdet. Dieser werde
entweder zum Leiter einer Seelsorgeeinheit und verwandle sich dadurch in einen Administrator oder Manager,
oder er werde als pastoraler Mitarbeiter zum Zelebrationskasper und klerikalen Pastoralassistenten degradiert.
Das erschüttere die priesterliche Lebensform bis auf ihre Grundfesten. …und was sind sie jetzt? In
der Gemeinde haben sie so viel zu sagen, wie die Königin von England und der Vizepräsident der USA in
der Weltpolitik. P.S. @ Yersinia der Böse kann einem auch ein Brett vor den Kopf placieren, sodass man
ihn gleich überall sieht – und zu keiner „Unterscheidung der Geister“ mehr fähig ist; wenn du die Geister
unterscheiden kannst, dann müsste ich mich wiederholen und an den Kaiser von Japan denken.
@toby: ja, da hast du sicher recht obwohl die Kirche auf geänderte Strukturen „im außen“ auch mit inneren
Strukturänderungen reagieren muß – meines Wissens gibt es Pfarrverbünde ja auch in anderen Diözesen,
an denenkönnte man sich ein Beispiel nehmen; ganz abgesehen davon kann es eine interessante Möglichkeit
sein, dass diese Seelsorgezentren auch Orte neuer geistlicher Kraft werden; @konrad: meinst du nicht,
dass du in deinen Aussagen etwas zu weit gehst? wenn du schon so vom Teufel daherfabulierst: der Böse
kann einem auch ein Brett vor den Kopf plazieren, sodaß man ihn gleich überall sieht – und zu keiner
„Unterscheidung der Geister“ mehr fähig ist;
Yersinia! „Differenziert“ ist immer ja richtig. Der Teufel „differenziert“, weil er die inkarnatorische
Eindeutigkeit hasst. Deshalb will er ein klares Priester- und Pfarreramt abschaffen, will es „schleifen“
in ein pastorales Kollektiv. Es ist also die Sprache dieses „diabolus“, die Du einbringst in dieses Forum!
@ Yersinia Bitte leg das Wort „Tradition“ jetzt doch nicht auf die Goldwaage. Gemeint ist, dass die pfarrliche
Struktur der Kirche eben historisch gewachsen ist und nicht am Grünen Tisch fabriziert wurde … Ich
finde, man sollte die Verantwortlichen in der Diözese Fulda festlegen: Was ist damit gemeint, wenn Bischof
Algermissen sagt, dass es auch in Zukunft Pfarrverbünde mit mehreren kanonischen Pfarrern geben werde?
T.
@ TOBY Das meine ich ja gerade, dass eine blosse „Zuständigkeit“ etwas anderes ist als ein kanonisches
Pfarramt mit allen Rechten und Verpflichtungen. Es sollen ein profiliertes Pfarr- und Priesteramt abgeschafft
werden zugunsten eines Kollektivs
Was ist etwas anderes? @ Konrad Hast Du hier nicht etwas verwechstelt? Die gesamte Tardition der Kirche
sieht doch den Priester als Leiter der Pfarrgemeinde vor. Was der Priester nun im so genannten „Pastoralen
Prozess“ kündftig darstellen soll, erscheint in sich widersprüchlich. Wenn jetzt hinsichtlich der priesterlichen
Leitungsfunktion nun doch alles beim alten bleiben soll, wozu dann der ganze Umstruktrirungsaufwand? Ich
kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man hier nicht ganz mit offenen Karten spielt …
Kooperative Pastoral Nun soll also doch ein Priester „zuständig“ sein für eine Gemeinde. Das ist etwas
anderes als ein „pastor proprius“, wie ihn das Kirchenrecht und auch das Schreiben „Der Priester, Hirte
und Leiter der Pfarrgemeinde“ vom 4. August 2002 mit der gesamten Tradition der Kirche vorsieht. Der 4.
August ist der Gedenktag des hl. Pfarrers von Ars. Ihn kann man in eine Frömmigkeitsmuseum des 19. Jahrhunderts
abstellen, im „pastoralen Prozess“ hat er keinen Raum, weil niemand mehr für das ewige Seelenheil der
ihm Anvertrauten verantwortlich ist, geschweige denn an so etwas überhaupt noch denkt. Es ist eine rein
diesseitige und utilitaristische Pastoral, die derzeit von den deutschen Bischöfen nicht nur in Fulda,
sondern fast generell unter Berufung auf den Priester- und Geldmangel propagiert wird. Man kann es auch
eine schleichende Protestantisierung und Säkularisierung der Kirchenrealität nennen