16:34:38 | Donnerstag, 18. Juni 2009
Bei interreligiösen Gesprächen ist es häufig so, daß am Schluß nicht das Argument, sondern die Faust den Ausschlag gibt – vor allem, wenn sich Juden zu Wort melden.

Die Faust gibt auch im interreligiösen Dialog statt des Arguments nicht selten den Ausschlag.
© yamuhaton,
CC(kreuz.net) Kürzlich kommentierte der Feuilletonist Patrick Bahners (42) in der ‘Frankfurter Allgemeinen
Zeitung’ eine Veranstaltung im Frankfurter Haus am Dom zum Thema „Dürfen Christen Juden bekehren?“.
Das Haus am Dom gehört dem Bistum Limburg.
Bei der Veranstaltung diskutierte der katholische Münchner
Philosoph Robert Spaemann mit dem jüdischen Frankfurter Erziehungswissenschaftler
Micha Brumlik und dem
altliberalen Salzburger Fundamentaltheologen Gregor Maria Hoff (45).
Dabei ging es um die vom ‘Zentralkomitee
der deutschen Katholiken’ publizierten umstrittene Erklärung „Nein zur Judenmission – Ja zum Dialog zwischen
Juden und Christen“.
Hoff war an der Entstehung dieser Erklärung beteiligt.
Politisch-brachialNach
Angaben von Bahners lautete die Streitfrage: „Dürfen Christen dafür beten, daß Juden sich bekehren?“
Diesbezüglich zeigte die Diskussion, daß man – so Bahners „eine politische Außenseite und eine theologische
Innenseite der Debatte unterscheiden muß.“
Brumlik versuchte, das Problem politisch-brachial zu lösen:
Er werde in den Gremien alles dafür tun, daß der sogenannte jüdisch-katholische Dialog so lange unterbrochen
bleibe, bis der Papst die Fürbitte revidiert habe – drohte er.
Bahners Kommentar: „Diese schroffe Ankündigung
stand in merkwürdigem Kontrast zu der hermeneutischen Leidenschaft, mit der Brumlik aus der Sicht des
rabbinisch-talmudischen Judentums die Selbstreflexionen des Juden Paulus geradezu als Gründungsdokument
jüdischer Geschichtsspekulation interpretierte.“
Brumlik hatte in der Diskussion auch erklärt, daß
„aufgeklärte“ Juden es immer verstanden hätten, daß das Christentum den Heiden die Inhalte des Alten
Testamentes vermittelte.
Insofern könnten es auch Juden begrüßen, wenn Heiden glaubten, „daß Jesus
der Messias gewesen sei“.
Bahners denkt weiter: „Von hier schien es nur noch ein kleiner Schritt zu dem
Gedanken, es müßte doch erträglich sein, wenn die Christen in ihren Gottesdiensten den Wunsch aussprächen,
auch die Juden sollten Jesus als ihren Messias erkennen.“
Es seien „historische Erfahrungen“, die angeblich
diesen letzten Schritt verhinderten, kommentiert er.
Zwiespältige ZweideutigkeitZur Frage der Karfreitagsbitte
für die Bekehrung der Juden kam die Stimme eines Juristen aus dem Publikum: Als Jurist schätze er an
der Fürbitte Pauls VI. die Zweideutigkeit.
Dort wird dafür gebetet, daß die Juden „das Ziel erreichen“ –
ohne das Ziel zu benennen.
Bahners glaubt nicht, daß Benedikt XVI. diesen Weg weitergehen kann: „Diese
diplomatische Problembeseitigung durch Diskretion ist dem Papst wohl verwehrt“.
Die Tilgung des Namens
Christi aus der Karfreitagsbitte, hätte für das kirchliche Selbstverständnis „unabsehbare Folgen“.
Bahners erkennt auch, daß die Formulierung des Neuen Ritus von vielen Theologen nicht als diplomatisch-höfliche
Formulierung verstanden wird, sondern als Abkehr von der im elften Kapitel des Römerbriefs angepeilten
Bekehrung der Juden zur wahren Religion.
Retter oder Moralist?Die Frage, was Gott mit den Juden vorhat,
steht – so Bahners – symbolisch für die Frage nach seinen Plänen überhaupt: „Es geht um Christus: Retter
oder Ethiklehrer aller Menschen?“
Bahners weist darauf hin, daß die deutschen Bischöfe die Erklärung
des ‘Zentralkomitees’ zur Judenmission „in seltener Einmütigkeit“ als theologisch dürftig gerügt haben:
„Als Halbwahrheiten bezeichnete der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller in seiner für die Bischofskonferenz
verfaßten Stellungnahme Formeln des Papiers, wonach »das ethische Handeln« auch »ohne das spezifische
Christusbekenntnis« einen »Weg zu Gott eröffnet«.“
Die Halbierung der Wahrheit liegt – so Bahners –
in der Verdunkelung der eschatologischen Perspektive.
Diese geschieht dadurch, daß man das Gebet um
die Bekehrung der Juden nicht als „Rückschritt hinter das Konzil“ versteht, wenn die Kirche diese Hoffnung
auf den eschatologischen Sankt-Nimmerleinstag legt.
Bahners bleibt unüberzeugt: „Die Hoffnung läßt
sich nicht hinausschieben. Ihr Eintreten steht aus.“
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Lycos 09:40:11 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 01:49:27 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 01:37:05 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 01:24:36 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 01:19:31 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 01:11:49 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 00:58:44 | Freitag, 19. Juni 2009
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Kraut 18:59:09 | Donnerstag, 18. Juni 2009