In ihrer treffenden Beschreibung der Zustände im Bistum Fulda ist der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Ende März ein wichtiger Aspekt entgangen. Ein Kommentar von Pfarrer Hendrick Jolie, Mühltal.
(kreuz.net) Das „Pastoralverbundsgesetz“ der Diözese Fulda will in Zukunft mehrere selbständige Pfarreien
mit eigenem Pfarrer unter der Führung eines „leitenden Pfarrers“ zusammenfassen.
Auch wenn für eine
„Übergangszeit“ – so die wörtliche Formulierung – noch mehrere eigenständige Pfarrer im „Pastoralverbund“
vorgesehen sind, wird jetzt schon per Gesetz angekündigt, daß mittelfristig nur noch ein einziger Pfarrer
die Pastoralverbünde leiten soll, während die anderen Pfarrer ihrer Rechte beraubt und dem „leitenden
Pfarrer“ untergeordnet werden.
Gegen dieses Vorhaben wurden mittlerweile schwerwiegende Bedenken erhoben,
sowohl von kirchenrechtlicher Seite wie auch von ernstzunehmenden Gläubigen und Priestern. Viele befürchten
eine Aushöhlung der Amtsvollmacht des Pfarrers und eine damit verbundene Aufweichung der sakramentalen
Struktur der kirchlichen Verfassung.
Der Verdacht liegt außerdem nahe, daß unliebsame – meistens eher
konservative – Pfarrer zu „Hilfspfarrern“ degradiert werden, weil sie gemeinhin als nicht ausreichend
„dialogfreudig“ und „kommunikativ“ gelten.
Da auch innerhalb der Priesterschaft die Frage, was denn eigentlich
katholischer Glaube und Liturgie sei, hoch umstritten ist, wird man sich mittelfristig auf dem kleinsten
gemeinsamen Nenner einigen müssen. Verkündigung und Kult der Kirche werden so zum Ergebnis eines gruppendynamischen
Prozesses. Das nennt man neuerdings „kooperative Pastoral“.
Interessant ist: Obwohl in den Ordinariaten
häufig der „Dialog“ und das „mündige Kirchenvolk“ beschworen wird, hat man sich nun darauf verlegt,
unliebsame Kritiker einzuschüchtern und mit Sanktionen zu belegen.
Wovor haben die Initiatoren der neuen
Strukturen Angst?
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8 Lesermeinungen
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@Yersinia Yersinia: also ich vertrau auf ein lebendiges und echtes Glaubenszeugnis Schön, aber wie gewährleistest
du das für andere, nicht so stark Vertrauende? Spezifisch katholisch ist halt, dass der Mensch sich an
etwas anhalten kann, sozusagen ein Geländer hat. Sicher reicht es für einen gebildeten Menschen sich
das einfach vorzustellen. In den Zeiten der Schwäche aber, ist es oft ganz gut wenn man gestützt wird,
oder? 7
pectator: also ich vertrau auf ein lebendiges und echtes Glaubenszeugnis, ohne über die „Schlechtigkeit
der Welt“ zu jammern; und ich vertrau auf Gott, dass er mein Glaubenszeugnis wirksam werden läßt – wer
anderer könnte es sonst?
#6 spectator † 00:59:35 | Mittwoch, 13. April 2005
@ Yersinia welche Autorität hat ein Priester als jene, die aus seinem Glaubenszeugnis entspringt? Ich
meine, wenn dieses Zeugnis „glaub-würdig“ ist, ergibt sich die Autorität von allein… ja, aber wann
ist in unserem Land sein Glaubenszeugnis „glaub-würdig“? – nur dann wenn er die Abschaffung des Zölibates
fordert und nichts gegen die Benutzung von Kondomen hat. – also dann, wenn er das befürwortet, was der
pseudokatholische Pöbel, der sich dann noch selbst eitel „römisch-katholisch“ nennt, von ihm erwartet.
Athanasius: wer entscheidet, ob der Glaube am Spiel steht? doch wiederum keine andere Instanz als das
eigene subjektive Gewissen – mit all seinen Irrtumsanfälligkeiten. Ja, ja… der kranke Küng und der
selbsternannte „Märtyrer“ Drewermann sagen seit Jahren das gleiche.
@Athanasius: wer entscheidet, ob der Glaube am Spiel steht? doch wiederum keine andere Instanz als das
eigene subjektive Gewissen – mit all seinen Irrtumsanfälligkeiten.
Resultat Die Desintegration des Bistums und der nachkonziliaren Kirche weltweit liegt gerade an die Ausrottung
gründlichen katholischen Religionsunterrichts und vor allem an das Verbieten der überlieferten Liturgie.
Alles sehr logisch. Ob für diese Fälle im CIC 1983 bereits canones eingeräumt worden sind, hat gar
keine Wichtigkeit mehr. Gehorsam geht übrigens, erster Antworter, nicht gegen den Glauben. Gehorsam geht
um die Rechtfertigkeit. Auch wenn man unrechtfertig behandelt wird muss man gehorchen, aber man muss nicht
gehorchen wenn der Glaube im Spiel ist oder attackiert wird.
welche Autorität hat ein Priester als jene, die aus seinem Glaubenszeugnis entspringt? Ich meine, wenn
dieses Zeugnis „glaub-würdig“ ist, ergibt sich die Autorität von allein – abeits der Abhängigkeit von
Macht- und Organisationsstrukturen?
Gehorsam ist eine wichtige Tugend, in der Tat, aber dort wo es deutliche Zeichen gibt, daß ein Hirte
insbesondere die Zerstörung der Kirche und des überlieferten Glaubens im Blick hat, ist es nicht nur
erlaubt, sondern gefordert, dagegen zu protestieren.
Ergänzung Lieber Mitbruder, das neue Kirchenrecht sieht ähnliche Strukturen wie in Fulda geplant schon
länger vor: c. 517 § 1 CIC/1983; c. 516 § 1 CIC/1983, sogar die Beteiligung von Laien am Hirtendienst:
c. 517 § 2 CIC/1983. Bemühen wir uns, als Priester nicht Bischof oder Papst zu spielen, sondern dem
Weiheversprechen folgend „Gehorsam“ zu leisten. Was natürlich auch die Bischöfe verpflichtet, sich um
ihre Priester mindestens so zu kümmern – persönlich und nicht bloss amtlich! – wie es ein guter Abt
in einer Klostergemeinschaft oder ein guter Oberer in einem Orden tut! Der Wunsch eines Priesters, der
dazu geeignet und berufen ist, als „pastor proprius“ eine „eigene Gemeinde“ zu betreuen, sollte berücksichtigt
werden.