14:43:48 | Mittwoch, 1. Juli 2009
Die meisten
Vorwürfe gegen den Gründer der Legionäre Christi waren bereits in den 50er Jahren bekannt. Doch die damals durchgeführte Visitation wurde hintertrieben.

Pressebild der Legionäre Christi zum Tod von Pater Macial Maciel
(kreuz.net) Es ist kein Geheimnis, daß der Vatikan die Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi bereits
in den Jahren 1956 bis Februar 1959 visitieren ließ.
Der erste Visitator machte den Vorschlag, den Ordensgründer
Pater Marcial Maciel († 2008) als Generaloberer abzusetzen und die Legionäre Christi zu reformieren.
Doch dem Orden gelang es, mit Hilfe hochstehender Freunde in der Römischen Kurie, die Ausführung der
Beschlüsse zu hintertreiben.
Das berichtete der Weblog ‘cassandrajonesing’ am 23. Juni mit Berufung
auf das im Jahr 2006 in Mexico City erschienene Buch „Los Legionarios de Cristo; testimonios y documentos
inéditos“ von Fernando M. González.
Die erste Visitation bei den Legionären wurde im Jahr 1956 vom
damaligen Präfekten der Kongregation für Ordens-Angelegenheiten, Valerio Kardinal Valeri († 1963), angeordnet.
Kardinal Valeri war der Legion wohlgesonnen. Darum hatte Pater Maciel bereits im Jahr 1954 gute Gründe,
auf eine endgültige vatikanische Anerkennung seines Institutes.
Im Februar 1956 akzeptierte Kardinal
Valeri auch den neuen Namen „Legionäre Christi“.
Pater Marciel war gerade 36 Jahre alt. In der Zeit
machte ihm seine Abhängigkeit von den Schmerzmitteln Dolantin und Demerol schwer zu schaffen.
Der aus
Spanien stammende Novizenmeister der Legionäre in Rom, Pater Rafael Arumí (29), war über den Zustand
so besorgt, daß er den Generalvikar der Gemeinschaft und Rektor des kleinen Seminars der Legionäre in
Mexico City, Pater Luis Ferreira Correa (41), am 3. Januar 1956 zu sich rief.
Zusammen mit dem aus Spanien
stammenden Rektor des Kollegs der Legionäre in Rom, Pater Antonio Lagoa (36), wurde sogar die Ablösung
von Pater Maciel als Ordensoberer in Erwägung gezogen.
Kardinal Valeri hört von den Problemen. Er sah
sogar den angeschlagenen Pater Maciel im Frühjahr 1956 während dessen Entzugs-Behandlung in der römischen
Klinik Salvator Mundi.
Zwei Legionäre informierten die kirchlichen Vorgesetzten außerhalb der Legion.
Es waren das der genannte Pater Ferreira Correa und der aus Spanien stammende Bruder Federico Domínguez,
damals Studienpräfekt in Mexico.
Bruder Domínguez war der Privatsekretär von Pater Maciel und hatte
diesen so aus der Nähe beobachten können.
Ende August 1954 informierte Bruder Domínguez den Generalvikar
der Erzdiözese Mexico City brieflich über die Probleme des Gründers:
Dieser halte sich nicht an die
Ordensregeln und unterlasse Breviergebet und Betrachtung.
Er dringe in das Forum internum der Ordensmitglieder
eine, benütze „Lügen, Verdrehungen und Übertreibungen“ und handle, als ob das Ziel die Mittel rechtfertige.
Der Bruder hielt dem Gründer auch vor, die Armut nicht zu beachten: So reise er in der ersten Klasse,
lasse sich erlesene Speisen auftischen und verbringe mehr Zeit in den Häusern von Gönnerinnen als in
den Ordensinstituten.
Sein Bedürfnis nach sexueller Befriedigung bezeichne Pater Maciel als ein „urologisches
Problem“. Er verabreiche sich auch Injektionen narkotisierenden Inhalts:
„Unter dem Effekt der Drogen
entwickelt er großartige Apostolatspläne und spricht öffentlich über die privaten Defekte der Ordensbrüder
in seiner Umgebung. Die Ordensmitglieder, die nicht wissen, was los ist, halten das für einen Beweis
für Pater Maciels geistliche Weitsicht“ – berichtete Bruder Domínguez.
Sein Brief gelangte in die Hände
von Pater Maciel.
Um den Verfasser zu diskreditieren suchte er die Hilfe des belgischen Benediktiners,
Pater Gregorio Lemercier, Prior einer Niederlassung in der Nähe der großen mexikanischen Stadt Cuernavaca.
Pater Lemercier, ein Psychoanalytiker der sich in der Nachkonzilszeit mit dem Vatikan überwarf, erkannte
relativ schnell, daß das Problem nicht Bruder Domínguez, sondern Pater Maciel war.
Er empfahl Bruder
Domínguez, die kirchlichen Oberen über die Mißstände zu informieren.
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