14:05:06 | Montag, 6. Juli 2009
Pater Marcial Maciel zum ersten Mal suspendiert: „Man sagt, daß die Legion ein gutes Werk ist. Aber wie kann es sein, daß die Legion, das heißt, der Baum, die Äste und die Früchte gut sind, aber ich, der Stamm, schlecht?“

Die Webseite der Legionäre Christi
(kreuz.net) Im Sommer 1956 wußten vier mexikanische Bischöfe über die Probleme des Ordensgründers –
die Oberhirten von Mexico City, Morelia, Yucatan und Cuernavaca.
Der Bischof von Cuernavaca schrieb im
August 1956 einen vorsichtigen Brief an die römische Ordenskongregation. Er empfahl darin die Absetzung
von Pater Maciel und die Untersuchung dreier Vorwürfe – scheinheiliges und lügnerisches Verhalten, Verwendung
narkotisierender Medikamente und Sodomismus mit Burschen der Kongregation.
Ende August schrieb der damalige
Erzbischof von Mexico City einen ähnlichen Brief nach Rom.
Pater Ferreira Correa – der damalige Generalvikar
der Legionäre Christi, der die Probleme um Pater Maciel ernst nahm – schrieb am 23. August dem Generalvikar
der Erzdiözese Mexico City einen langen Brief. Darin erwähnte er, daß Pater Maciel Schulbuben „unkeusch
berührte“.
Pater Maciel verteidigte sich gegen diese Beschuldigungen mit dem Argument, daß er in der
Zeit große Schmerzen gehabt und diese Dinge nicht bewußt getan habe.
Im Januar 1957 schrieb Pater Ferreira
Correa auch nach Rom und berichtete, daß Pater Maciel von urologischen Problemen spreche, die den Ausstoß
von Sperma notwendig machten.
Am 20. September 1956 erreichten diese Dokumente den späteren Kardinal
Domenico Tardini († 1961), der damals Sekretär der Römischen Kurie war.
Am nächsten Tag suspendierte
Kardinal Valeri den Ordensgründer.
In dem Procedere versuchte man den Sekretär des Heiligen Officiums,
Giuseppe Kardinal Pizzardo († 1970) zu umgehen. Er galt nämlich als Freund von Pater Maciel.
Am 1. Oktober
traf Pater Maciel in Rom ein. Er akzeptierte seine Suspendierung und erklärte sich bereit, in einer Klinik
behandelt zu werden.
Gleichzeitig legte er ein Zeugnis des päpstlichen Hofarztes Ricardo Galeazzi Lisi
vor, das ihm eine gute körperliche Verfassung bescheinigte.
Galeazzi Lisi wurden später entlassen,
weil er Photos und Berichte über die letzten Tage von Papst Pius XII. an die Presse verkauft hatte.
Pater Maciel bezeichnete sich als ein Opfer von Verleumdungen. Er wurde schließlich nach Spanien ins
Exil geschickt.
Die Leitung der Legionäre Christi übernahm Pater Lagoa als Rektor der römischen Kollegs
des Ordens, Pater Arumí als römischer Novizenmeister und Pater Ferreira als Generalvikar, assistiert
von Bruder Domínguez.
Kardinal Valeri bestimmte am 13. Oktober den damaligen Generaloberen der unbeschuhten
Karmeliten und späteren Kardinal, Pater Anastasio Ballestrero (43) zum Visitator der Legionäre Christi.
Pater Maciel und führende Legionäre um ihn taten alles, um die Arbeit des Visitators zu sabotieren.
Bereits im August oder September hatte sich Pater Maciel ein privates Ordensgelübde einfallen lassen,
das von jedem Legionär verlangte, nie und unter keinen Umständen einen Ordensoberen zu kritisieren und
die Namen von Mitbrüder, die solches taten, den Oberen bekanntzugeben.
Dieses private Gelübde – im
Orden wurde es „Gelübde der Liebe“ genannt – wurde von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 abgeschafft.
Es war für Pater Maciel nicht schwer, sich als Opfer hinzustellen. Schon im August erklärte er dem
Seminaristen Juan Vaca (19), der später zu einem bekannten Ankläger von Pater Maciel wurde:
„Es gibt
Feinde. Dem Teufel ist es gelungen, sich im Vatikan festzukrallen, um die Legion zu zerstören.“
Vor
seiner Verbannung nach Spanien hielt Pater Maciel eine emotionale Abschiedsrede:
„Man sagt, daß die
Legion ein gutes Werk ist. Aber wie kann es sein, daß die Legion, das heißt, der Baum, die Äste und
die Früchte gut sind, aber ich, der Stamm, schlecht?“
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LM. 19:43:34 | Montag, 6. Juli 2009