15:39:43 | Freitag, 10. Juli 2009
Der Novus Ordo entspricht nicht mehr dem Zeitgeist. Darum werden die Sonntagsgottesdienste in diesem Stil hauptsächlich von Katholiken im vorkonziliaren Alter besucht. Von Hubert Hecker.

Webseite der österreichischen Diözese Gurk in Kärnten
(kreuz.net) Bei den vierzehn Familiengottesdiensten der Pfarreien Mariä Heimsuchung, Höhn, und St. Josef,
Schönberg im Westerwald, geht es „lustig und spannend“ zu.
Das berichtete die Kirchenzeitung für das
Bistum Limburg am 14. April 2009.
Höhn ist eine 3000-Seelen-Gemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz.
Schönberg ist ein Ortsteil davon.
Der Altarraum verwandelt sich – so die ‘Kirchenzeitung’ – bei den
Familiengottesdiensten in ein Forschungslabor.
Man beginnt mit einem geselligen Aufwärmen im Gemeindehaus.
Dann geht es „entspannt und gut gelaunt in die Kirche“. Ein Countdown beginnt: „Lautstarkes Mitzählen
erheitert die Gemüter und sorgt für Stimmung.“
Als Anspiel animieren die Jugendlichen mit einem Abenteuerstück
und einem Theater zum Nachdenken.
Ein Bogenschütze im AltarraumSpielwiesen-Gottesdiensten
sind keine Einzelfälle und vor allem bei pastoralen Laienmitarbeitern beliebt.
Bei einem Kindergottesdienst
in einer Pfarrei des Bistums Limburg demonstrierte kürzlich ein Bogenschütze im Altarraum seine Kunst.
Dabei ging es nicht um die Schergen, die den Heiligen Sebastian mit tödlichen Pfeilen ins Martyrium
schickten.
Die Kinder wurden vielmehr zur Vorbereitung auf die Erstkommunion mit dem Baustein „Spannung
und Entspannung“ konfrontiert.
Der Bogenschütze gab vor dem Tabernakel die ‘korrelationsdidaktische
Einführung’ in die Erfahrung von ‘Spannung’.
Anschließend wurde das Gottesdienstthema vertieft, indem
die Kinder Luftballons aufbliesen und aufsteigen ließen.
Die Kinder stottern irgendwelche Fürbitten
In vielen Sondergottesdiensten wird der Altarraum zu einer Demonstrationsbühne umfunktioniert.
Im Gottesdienst
werden am Altar Zelte oder Spielgeräte aufgebaut, Tücher und Kieselsteine herangeschafft, Kulissen und
Schaubilder aufgestellt sowie in Theaterstückchen soziale Probleme simuliert.
Man ermuntert die Kinder,
im Altarraum ungezwungen umherzulaufen, zu hüpfen, zu reden, zu lachen, zu klatschen, wie es ihnen Spaß
macht.
Nur Ehrfurcht und Anbetung lernen sie bei dieser sonderpädagogischen Animationsliturgie nicht.
Die Kinder werden auch nicht in den Ablauf der Heiligen Messe eingeführt. Das Altarssakrament wird ihnen
nicht erklärt.
Dafür werden Klatsch- und Mitmachlieder benützt, um eine liturgische Partystimmung
zu erzeugen.
Statt Lesung und Evangelium läßt man eine Kurzgeschichte vorlesen. Diese legt der Pastoralassistent
im fragend-entwickelnden Predigtgespräch auf soziale Lebenstugenden hin aus.
Dann stottern die Kinder
irgendwelche Fürbitten ab, die sie nicht verstehen. Es handelt sich gewöhnlich um sozialpädagogische
Reflexionen und politische Impulse, die an die Adresse der Gemeinde gerichtet sind.
Liturgische Parallelwelten
Die Macher begründen ihren liturgischen Schund unterschiedlich.
So wird erklärt, daß die Texte und
Handlungen des Neuen Ritus der Lebensform der heutigen Menschen und insbesondere der Jugend nicht mehr
angemessen seien.
Deshalb müsse die Liturgie neu erfunden werden.
In vielen Gemeinden entwickeln sich
so zwei liturgische Parallelwelten.
Der Sonntagsgottesdienst im Neuen Ritus wird hauptsächlich von Katholiken
im vorkonziliaren Alter besucht.
Jugendliche, Kinder und ihre Familien fühlen sich dagegen der Kirche
zugehörig, die den Gottesdienst nach dem unordentlichen Ritus feiert.
Die Ursachen des VerfallsDer
tiefere Grund für die liturgische Verweltlichung ist im Glaubensverfall zu suchen.
Die zeitgeistigen
Gottesdienstmacher haben keinen Sinn für den transzendenten Gott oder die sakramentale Gegenwart Christi
in Hostie und Tabernakel.
Jesus gilt als Inbegriff von Menschlichkeit. Der göttliche Heiland und dessen
Sühnopfer am Kreuz, das in der Heiligen Messe vergegenwärtigt wird, werden als Nebensächlichkeiten
angesehen.
Man glaubt, daß Gott im Menschen aufgehoben sei und deshalb nur in menschlicher Gemeinschaft
zu finden wäre.
Wenn sich also die Gemeinde selber feiert und sich die Familiengottesdienstversammlung
in zeitgemäßen Formen ausdrückt, dann – glaubt man – ereigne sich Gott.
Gebet ist nach dieser Ideologie
ein anderes Wort für gemeinschaftliche Selbsterfahrung:
Aus dem Priester von früher wird dann ein gottesdienstlicher
Versammlungsleiter. Er übt die Rolle des Moderators aus – die selbstverständlich auch ein Laie übernehmen
kann.
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