Aus einer Allerseelenansprache von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahre 1980.
Liebe Brüder und Schwestern!
Wir wollen am heutigen 1. November unser eigenes Schicksal betrachten,
während jeder von uns über seine lieben Verstorbenen nachdenkt, die uns im Zeichen des Glaubens vorausgegangen
sind und im Schlaf des Friedens ruhen. „Wir sind jetzt Kinder Gottes. Was wir aber später sein werden,
ist noch nicht offenbar geworden (1 Joh. 3,2).“
Deshalb besteht ein Abstand zwischen dem, was wir sind
und dem was wir sein werden. Zwischen diesen beiden Polen verwirklicht sich unser Warten. Aber unser Hoffen
geht über den Tod hinaus, weil die Hoffnung den Tod nur als einen Übergang zu einem endgültigen Zusammensein
mit dem Herrn betrachtet, um „wie er zu sein, weil wir ihn sehen werden, wie er ist (1 Joh. 3,2).“
Heute
sind wir aufgerufen, in einer besonderen Gemeinschaft mit unseren Verstorbenen zu leben. In Glaube und
Gebet, erneuern wir unsere Familienbande mit ihnen. Sie sehen uns, folgen uns und helfen uns. Sie sehen
den Herrn bereits so „wie er ist.“ Auf diese Weise ermutigen sie uns, unseren Weg fortzusetzen, die Pilgerreise,
die auf dieser Erde noch vor uns liegt.
Es ist eine Tatsache, daß wir hier „keine bleibende Stätte“
haben (Heb 13,14). Das wichtigste besteht darin, daß wir uns nicht von unseren Sorgen zuschütten lassen
und ganz besonders nicht den Blick auf das letzte Ziel verlieren.
Unsere Verstorbenen sind dort, wo wir
auch sein werden. Es gibt ein gemeinsames Fundament, zwischen uns und ihnen. Dieses Fundament macht uns
zu Nachbarn. Dieses Fundament besteht in unserer gemeinsamen Einführung in das trinitarische Geheimnis
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geist, auf der Basis der gleichen Taufe.
Wir berühren uns hier
mit den Händen, weil der Tod auf dieser Basis nicht existiert. Es gibt nur einen einzigen Strom unendlichen
Lebens.
Johannes Paul II., 1. November 1980
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