10:04:54 | Mittwoch, 22. Juli 2009
Obwohl die Wahrheit über die Mißstände bei den Legionären Christi ans Licht kam, geschah das, was in solchen Fällen in der Kirche Gottes immer geschieht – nämlich nichts.

Die Legionäre Christi zeigen auf ihrer Webseite das Leben im Orden.
(kreuz.net) Im Juli 1957 ließ der Präfekt der Kongregation für Ordens-Angelegenheiten, Valerio Kardinal
Valeri († 1963), eine zweite Visitation der Legionäre Christi durchführen.
Sie wurde dem Rektor des
Tschechischen Kollegs in Rom, Prälat Alfredo Bontempi († 1963), anvertraut.
Nach sechs Monaten berichtete
Prälat Bontempi dem Vatikan, daß er von den Legionären sehr angetan sei.
Ihn beeindruckte der „Geist
der Frömmigkeit“ im Seminar. Er schätzte das private „Gelübde der Liebe“, das jede Kritik an den Oberen
verbat und schließlich von Papst Benedikt XVI. aufgehoben wurde.
Der Prälat stellte fest, daß Werke
der liberalen Theologen, Pater Yves Congar OP (1995), Pater Henri de Lubac († 1991) und Jacques Maritain
(† 1973) in der Bibliothek der Legionäre fehlten.
Vom Gründer gewann er einen guten Eindruck: „Denn
den Baum erkennt man an seinen Früchten“, meinte Prälat Bontempi.
Die spanischen und mexikanischen
Häuser der Legion wurden von dem in Chile tätigen belgischen Franziskanermissionar, Pater Polidoro van
Vlierberghe (48), visitiert.
Auch er war von Pater Maciel ganz hingerissen. In seinem Bericht kritisierte
der Franziskaner die negativen Ergebnisse der ersten Visitation.
Diese war ein Jahr vorher von dem damaligen
Generaloberen der unbeschuhten Karmeliten und späteren Kardinal, Pater Anastasio Ballestrero, durchgeführt
worden.
Pater Polidoro bezweifelte die Ausgeglichenheit des ersten Berichtes.
Er unterstellte auch,
daß der angeblich ehrgeizige Generalvikar der Legionäre Christi, Pater Ferreira Correa, der die Anschuldigungen
gegen den Ordensgründer den Bischöfen bekanntmachte, und die Jesuiten Intrigen gegen Pater Maciel gesponnen
hätten.
Doch das Institut habe die Leiden mit Geduld ertragen.
Die Untersuchung endete mit einem römischen
Kompromiß.
Zwar kamen die zuständigen Stellen zu dem Schluß, daß eine Entfernung von Pater Maciel
empfehlenswert wäre.
Andererseits würde die Legion auf seiner „mysteriösen“ Persönlichkeit gründen.
Kein anderer Oberer könne den „heroischen Mystizismus“ von Pater Maciel oder seine Fähigkeit, Geld zu
sammeln, ersetzen.
Man überließ Kardinal Valeri die Entscheidung, wann er Pater Maciel wieder in sein
Amt einsetzen wollte.
Der Kardinal sollte auch die Kompetenz haben, weitere Visitationen durchzuführen,
den Generalrat des Ordens und eine Finanzaufsicht zu ernennen und Pater Maciel zu verbieten, die Beichte
von Mitgliedern des Ordens zu hören, deren geistliche Leitung zu übernehmen oder in ihr Forum internum
einzudringen.
Am 13. Oktober 1958 wurde Pater Maciel unter diesen Bedingungen wieder als Generaloberer
eingesetzt.
In jener Zeit herrschte gerade Sedisvakanz. Papst Pius XII. war gestorben und Papst Johannes
XXIII. noch nicht gewählt. Erst vier Monate später – im Februar 1959 – wurde dem Ordensgründer seine
Wiedereinsetzung mitgeteilt.
Im Jahr 1962 hieß es in einem kurialen Dokument, daß man wegen „Empfehlungen
und Einschreiten hochgestellter Persönlichkeiten“ keine weitergehenden Maßnahmen gegen Pater Maciel
habe ergreifen können.
In seinem autobiographischen Interview „Christus ist mein Leben“ dankt Pater
Maciel den damaligen oder späteren Kardinälen Clemente Micara († 1965), Giuseppe Pizzardo († 1970),
Gaetano Cicognani († 1962), Adeodato Giovanni Piazza († 1957) und Federico Tedeschini († 1959) für ihre
Unterstützung während der Zeit der Visitationen.
Die geplanten Restriktionen gegen den Ordensoberen
wurden unter dem Pontifikat von Papst Johannes XXIII. nicht in die Tat umgesetzt.
Die beiden Legionäre
Pater Ferreira Correa und Bruder Federico Domínguez, welche die Bischöfe über die Mißstände in der
Legion informiert hatten, verließen den Orden.
Pater Ferreira wurde Weltpriester in der mexikanischen
Erzdiözese Morelia. Dort starb er im Jahr 2001.
Bruder Domínguez heiratete und lebte in Los Angeles.
Pater Arumí – ehemaliger Novizenmeister und Intimus von Pater Maciel – verschied im Jahr 2006 im Alter
von 79 Jahren als Priester der Legion.
Pater Lagoa – ehemaliger Leiter des römischen Kollegs der Legion
und Mitglied der Ordensleitung während der Suspendierung von Pater Maciel – starb achtzigjährig im Jahr
2001.
Im Jahr 2003 pries ihn Pater Maciel als „mir nahe in den großen Prüfungen und Leiden der Legion:
Er war treu und standfest und legte für seine Liebe zu Christus kompromißlos Zeugnis ab, indem er seine
Aufgabe erfüllte.“
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