14:03:34 | Sonntag, 26. Juli 2009
Pius XII.
„Wenn es kaum möglich war, Pius XI. von einem öffentlichen Wort abzuhalten, so war es genauso kaum möglich, Pius XII. zu einem öffentlichen Wort zu bringen.“

Im Juli 1933 unterzeichnete Kardinal Pacelli das Reichskonkordat
(kreuz.net) Die Stadt Berlin war für den damaligen Apostolischen Nuntius und späteren Papst Pius XII.
(† 1958) ein gottloser Moloch.
Das erklärte der Münsteraner Kirchenhistoriker, Hw. Hubert Wolf, Mitte
Januar in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung ‘Welt’.
„Dazu kam die Erinnerung an den Kulturkampf
in Preußen“ – fügt Hw. Wolf hinzu.
Andererseits war der damalige Nuntius „vor allem von deutscher Technik,
von den Autos, Flugzeugen und Luftschiffen, von seinem »wunderschönen Benz«“ beeindruckt.
Er schätzte
an Deutschland die Pünktlichkeit, den Ordnungssinn, die disziplinierten Gottesdienste, das Mittun der
Laien: „Die deutschen Bischöfe freilich erschienen ihm als »Staatsbischöfe«.“
Mons. Pacelli sei mit
den meisten Oberhirten, die er vorfand, unzufrieden gewesen: „Das betraf besonders den Vorsitzenden der
Fuldaer Bischofskonferenz, Kardinal Adolf Bertam aus Breslau.“
In der Beurteilung jüdischer Angelegenheiten
zeigte der spätere Papst die notwendige Unterscheidungsgabe.
In einem Bericht aus der Zeit der Münchner
Räterepublik erkannte er deutlich die „sehr harte russisch-jüdisch-revolutionäre Tyrannei“.
Andererseits
schreibt er mit Besorgnis über stark antisemitisch aufgeladene Bewegungen im Protestantismus.
Hw. Wolf
weist allerdings darauf hin, daß in dieser Sache 6.000 Berichte noch nicht ausgewertet sind.
Als „aufregendsten
Fund“ in den vatikanischen Aktenbergen bezeichnet er Dokumente über die gescheiterte Reform der Karfreitagsliturgie
im Jahr 1928.
Schon damals gab es eine starke Bewegung unter Kardinälen, Bischöfen und in der Römischen
Kurie, die Karfreitags-Fürbitte für die „perfiden Juden“ zu streichen.
Zu dieser Gruppierung gehört
auch Kardinal Michael Faulhaber von München.
Beim Reichskonkordat mit dem deutschen NS-Regime hatte
der Vatikan keine Wahl. Nuntius Pacelli erklärte schon damals, daß eine Pistole gegen seinen Kopf gerichtet
gewesen sei und er keine Alternative gehabt habe.
Die entscheidenden Trümpfe für die Verhandlungen
hatten die deutschen Bischöfe vorher aus der Hand gegeben.
Hw. Wolf gesteht ein, daß das Konkordat
ein „Pakt mit dem Teufel“ war: „Aber der Vertrag bot die Möglichkeit, die Kirche vor der praktischen
Ausschaltung zu bewahren.“
Zum Verhältnis zwischen Pius XI. († 1939) und seinem Staatssekretär Eugenio
Pacelli zitiert der Historiker einen Ausspruch des Jesuiten, Pater Robert Leiber, der im vatikanischen
Staatssekretariat arbeitete:
„Wenn es kaum möglich war, Pius XI. von einem öffentlichen Wort abzuhalten,
so war es genauso kaum möglich, Pius XII. zu einem öffentlichen Wort zu bringen.“
Zur Frage einer Exkommunikation
von Reichskanzler Adolf Hitler († 1945) erklärt Wolf, daß ein entsprechender Vorschlag nach Angaben
einer Quelle sogar aus dem Umfeld Benito Mussolinis gekommen sei.
Doch Hw. Wolf bezweifelt die Quelle:
„Mir leuchtet nicht ein, daß Mussolini zu einem Zeitpunkt, da er sich immer mehr der NS-Rassenideologie
näherte, einen solchen Vorstoß unternommen haben soll.“
Es sei nicht bekannt, warum der Vatikan Hitler
nicht exkommuniziert habe.
Allerdings schrieb Papst Pius XII. mehrfach den deutschen Bischöfen und erklärte
ihnen, daß auch er gerne so offen reden möchte wie Bischof Graf von Galen in Münster.
Das sei aber
nicht möglich, weil die allgemeine politische Lage dem Oberhaupt der Gesamtkirche, dem „Vater aller Gläubigen“,
in seinen öffentlichen Kundgebungen „pflichtmäßige Zurückhaltung“ auferlege.
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