11:15:14 | Dienstag, 11. August 2009
Das „modernistische Rom“ repräsentiert für ihn nicht die Katholische Kirche: „Es gibt keinen Grund, von der Konzilskirche eine Anerkennung zu erbitten.“

Katholische Sonntagsmesse im Neuen Ritus
© stlyouth, CC(kreuz.net) Mit der Alten Messe kam er im Jahr 1978 in Wien in Kontakt.
Das erklärte
Pater Florian Abrahamowicz
in einem Interview mit der US-Webseite ‘truerestoration.blogspot.com’.
Er empfand die Unterschiede zum
Neuen Ritus damals so stark, daß er zunächst nicht glaubte, daß der Alte Ritus zur katholischen Religion
gehört.
Pater Abrahamowicz war bis vor kurzem Mitglied der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. Er wurde
aus der Bruderschaft entlassen, weil er die gegenwärtigen Verhandlungen der Bruderschaft mit Rom kritisierte.
Der Geistliche wurde im Jahr 1992 im Schweizer Priesterseminar der Bruderschaft in Écône von Bischof
Licinio Rangel zum Priester geweiht.
Danach war er in Albanien tätig, unterrichtete drei Jahre im Priesterseminar
in Zaitzkofen. In den letzten Jahren war er der Verantwortliche der Bruderschaft in Nordost-Italien.
Der erste Konflikt mit der Bruderschaft begann im Jahr 2001 – „als die Möglichkeit eines Abkommens mit
dem modernistischen Rom zum ersten Mal zur Sprache kam“ – so Pater Abrahamowicz.
Damals sei der Widerstand
im Klerus der Bruderschaft gegen Verhandlungen mit der „modernistischen Kirche, die in diesem Augenblick
von Johannes Paul II. geführt wurde“, sehr stark gewesen.
Das „modernistische Rom“ repräsentiert für
ihn nicht die Katholische Kirche: „Es gibt keinen Grund, von der Konzilskirche eine Anerkennung zu erbitten.“
Es wäre auch – so Pater Abrahamowicz – eine „kindische Illusion“, die Kirche infiltrieren zu wollen,
um das modernistische Rom von innen zu bekehren.
Die Majestätsbeleidigung schlechthinPater Abrahamowicz
erklärt, daß seine Mitbrüder zunächst mit seinen
Januar-Aussagen zum NS-Völkermord an Juden einverstanden
waren.
Doch keiner habe den Medieneffekt vorausgesehen, den sie hervorriefen. Erst dann hätten seine
Mitbrüder und Vorgesetzen ihm die Freundschaft entzogen:
„Den neuen Messias anzurühren und die zionistische
Politik anzugreifen, ist die Majestätsbeleidigung schlechthin.“
Gegenwärtig beuge sich der Vatikan
vor der zionistischen Herrschaft: „Darum mußte die Bruderschaft, die eine Freundschaft mit dem Vatikan
Ratzingers eingegangen ist, »den Götzen opfern«.“
In diesem Sinn beurteilt der Geistliche die Kaltstellung
von Bischof Richard Williamson: „Um nicht sagen zu müssen, daß es verboten ist, den neuen Messias anzurühren,
wurde die Angelegenheit als »historisches Problem« klassifiziert, das nicht in den Kompetenzbereich
eines Bischofs fällt.
Was ist das wahre Motiv, warum dem Bischof nicht mehr erlaubt wird, sein Amt auszuüben?“ –
fragt sich Pater Abrahamowicz.
Für ihn ist das ein Sieg des Vatikans – „der das Interview des Bischofs
kannte und so tut, als ob er nichts von den revisionistischen Ansichten gewußt hätte.“
Unterschiedliche
PositionenDer Pater betont, seinen Oberen immer den geschuldeten Gehorsam geleistet zu haben:
„Der
Ungehorsam – ein guter und heiliger Ungehorsam – begann, als ich in meiner Kapelle geblieben bin, nachdem
man mich »wegen schwerer disziplinarischer Motive« ausgeschlossen hat.“
Der Geistliche zelebrierte
dort weiterhin die Messe, bis er „mit Gewalt“ von seinen Oberen vertrieben wurde: „Ja, ich habe dem Befehl
widersprochen, öffentlich zu lügen.“
Zwischen Pater Abrahamowicz und Bischof Williamson herrscht Uneinigkeit
in der Beurteilung des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’.
Mons. Williamson hat sich nach Angaben des
Geistlichen eines definitiven Urteiles über das Motu Proprio enthalten.
Für Pater Abrahamowicz befindet
sich eine nach dem Motu Proprio gelesene Messe „im Kontext einer apostatischen und modernistischen Hierarchie“.
Diese macht es unerlaubt, an diesem Kult teilzunehmen – „so wie es verboten ist, an häretischen und
schismatischen Riten teilzunehmen.“
Pater Abrahamowicz weist darauf hin, daß Artikel 1 des Motu Proprio
die Anerkennung der Neuen Messe fordert: „Wir stehen also vor einem Alten Ritus mit einem neuen Glauben.“
Zum Einzelkämpfer verurteiltDer Pater möchte weiterhin im Dienst der Gläubigen stehen. Er will den
Kampf um die Tradition von Erzbischof Marcel Lefebvre weiterführen: „Keine Diskussion mit dem modernistischen
Rom.“
„Wir müssen einfach damit weiterfahren, uns zu heiligen“. Das tut der Pater jetzt im „Domus Marcel
Lefebvre“ in der Via Pietro Nenni, 6 in der 20.000-Seelen-Stadt Paese – dreißig Kilometer nordwestlich
von Venedig.
Er arbeitet auch an einer
Webseite.
Er lebt von den Gaben der Gläubigen und von der Arbeit
in der Welt der Tradition.
Auf die Frage nach der Zukunft der Piusbruderschaft verweist Pater Abrahamowicz
auf die Gegenwart:
Die Bruderschaft hat das Motu Proprio gelobt, seine Dankbarkeit für den Rückzug
der „falschen Exkommunikationen“ ausgesprochen und Vertrauen in Ratzinger ausgedrückt – „der heute noch
mehr »Schlange« ist als in den Tagen, als ihn Erzbischof Lefebvre so nannte.“
Das führt die Bruderschaft
in die „absurde Situation“ der Petrusbruderschaft und anderer Ecclesia-Dei-Gemeinschaften.
Schlimmer
als SedisvakanzPater Abrahamowicz lehnt es ab, sich einen Sedisvakantisten zu nennen: „Wir müssen zur
Kenntnis nehmen, daß das Problem heute über einen häretischen Papst hinausgeht.“
Darum sei die sedisvakantistische
Position zu einfach: „Es ist ein Faktum, daß Joseph Ratzinger, auch wenn er nicht der Papst ist, im Vatikan
regiert – ihn besetzt hält und mißbraucht, wenn man will – aber er ist dort, und die große Masse der
sogenannten Katholiken akzeptiert ihn.“
Darum habe Erzbischof Lefebvre die Priesterbruderschaft aufgebaut,
„um die Apostasie in Tiara und Cappa zu verurteilen.“
Darum glaubt Pater Abrahamowicz, daß heute die
Kirche jenseits des Papstes „in einem gewissen Sinn unbesetzt“ sei:
„Sie bleibt aber in ihrer Menschlichkeit
und Göttlichkeit sichtbar, wo immer der immerwährende Glaube bezeugt wird – ohne Kompromisse mit dem
modernistischen Rom.“
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