14:25:59 | Donnerstag, 20. August 2009
Dialog mit den Lefebvristen: „Die Ethik des konkreten Handelns ist noch allemal wichtiger als die Ethik deklamatorischer Anklagen.“

Coverbild des Buches „Vatikan und Pius-Brüder. Anatomie einer Krise“
(kreuz.net) „Bischof Kurt Koch von Basel sieht klar, klarer als so mancher seiner Amtskollegen in Deutschland.“
Das erklärt jüngst die deutsche Webseite der Priesterbruderschaft Sankt Pius X.
Sie weist auf einen
Beitrag hin, den Bischof Koch in einem
Sammelband zum Verhältnis von Vatikan und Piusbruderschaft verfaßt
hat.
Nach Angaben der Pius-Webseite sind die Worte des Bischofs ein „wohltuendes Gegengewicht“ zu den
Positionen von Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg.
Dieser höre seit dem päpstlichen Motu Proprio
nicht auf, von einer Wiederexkommunikation zu sprechen und habe dem deutschen Pius-Distriktoberen, Pater
Franz Schmidberger, bis heute jedes Gespräch offiziell wie inoffiziell verwehrt.
Geduld statt Dialogverweigerung
Dagegen fordert Bischof Koch, der Pius-Bruderschaft Zeit zu lassen, um jenen geduldigen Dialog zu führen,
den der Papst gewünscht hat:
„Dies bedeutet, daß wir nicht mit maximalen Höchstanforderungen auf sie
zugehen dürfen, wenn der Dialog überhaupt eine Chance haben soll.“
Der Bischof weist auch auf den Widerspruch,
daß die Aufhebung der Pius-Exkommunikationen zum Anlaß für eine große Demonstration in Luzern genommen
wurde, mit der „für Meinungsvielfalt und Dialog innerhalb der Kirche“ demonstriert und zugleich der Pius-Bruderschaft
jeder Dialog verweigert wurde.
Darum stellt Mons. Koch die Frage, ob Meinungsvielfalt nur in der „progressiven“
Richtung verstanden werden müsse, „während gegenüber der traditionellen Seite nicht einmal jene Öffnung
akzeptiert wird, die der Papst vorgenommen hat?“
Dann würde ein Eindruck verstärkt, den er seit langer
Zeit habe, daß in der Schweizer Kirche das inflationär verwendete und von den Dialog-Postulatoren oft
nicht in die Tat umgesetzte – Wort „Dialog“ in traditionalistischer Richtung beinahe Nulltoleranz, in
progressistischer Richtung jedoch „anything goes“ bedeute.
Daß der Papst in dieser einseitigen Optik
von vorneherein auf die traditionalistische Seite gestellt werde, hänge dann aber mehr vom Standpunkt
der Betrachter als vom Standort des Papstes ab.
Wie wollen wir uns künftig für gesellschaftliche Außenseiter
einsetzen?Der Bischof gesteht, daß ihn in diesem Zusammenhang noch ein Problem bedrängt.
Er fragt
sich, welche Botschaft angesichts der „harten und teilweise brutalen“ Abweisung der päpstlichen Geste
gegenüber der Pius-Bruderschaft der heutigen Gesellschaft gegeben wird.
Diese Abweisung gebe den Eindruck,
daß man gleichsam eine „reine Kirche“ sein und nicht von solchen Extremisten „beschmutzt“ werden wolle.
Der Umgang mit Menschen, die Grundüberzeugungen anderer nicht teilen, ist – so Mons. Koch – ein gesamtgesellschaftliches
Problem:
„Ich frage mich besorgt, wie wir uns als Kirche künftig für gesellschaftliche Außenseiter
einsetzen und glaubwürdig jenen politischen Parteien, die bestimmte Gruppierungen aus der Gesellschaft
»exkommunizieren« wollen, ins Gewissen reden können, wenn wir selber nicht nur Menschen aus der Kirche
exkommunizieren, sondern sogar auf jener Exkommunikation beharren, die der Papst selbst aufgehoben hat.“
Bischof Koch stellt die Frage: „Hat uns nicht gerade der Papst ein Beispiel gegeben, daß wir zunächst
in der Kirche leben müssen, was wir von der Gesellschaft erwarten und fordern?“
Benedikt XVI. habe hinsichtlich
dieser sozialethischen Problematik ein feineres Sensorium: „Denn die Ethik des konkreten Handelns ist
noch allemal wichtiger als die Ethik deklamatorischer Anklagen.“
Erneut sei in der Schweiz in den vergangenen
Wochen eine „tief polarisierte Kirche“ sichtbar geworden.
Darum glaubt Mons. Koch, daß es an der Zeit
wäre, „uns gemeinsam den angeschnittenen Fragen zu stellen, miteinander ins Gespräch zu kommen und die
wichtigsten Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils zu lesen, um von daher gemeinsame Wege in die
Zukunft zu suchen.“
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