Was denken die Kardinäle wirklich?
Bekleidet sind sie alle gleich. Glauben sie auch alle das gleiche? Im Internet gibt es eine englischsprachige Homepage, die Aussagen, Artikel und Interviews von und mit Kardinälen sammelt. Man findet dort eine Menge Verblüffendes.
(kreuz.net) Die Kardinäle verstehen es oft gut, ihre Überzeugungen zu verschleiern und sich ihrem Publikum
anzupassen – meint cardinalrating.com. Die Homepage will nach eigenen Angaben dem Leser die Möglichkeit
geben, herauszufinden, welche theologische Richtung ein Kardinal vertritt.„Diplomatisches Formulieren“ – so die Homepage – macht es dem einfachen Katholiken fast unmöglich, einzuschätzen, was ein Kardinal in der Tiefe seines Herzens wirklich glaubt und für wahr hält. Deshalb sucht die Homepage einen Blick in das Denken jener zu gewähren, die in Kürze aus ihren Reihen den nächsten Papst wählen werden. Gesammelte Texte von Kardinälen oder über sie sollen zeigen, was für ein Mensch sich unter dem Kardinalspurpur versteckt und was man von jenem Kardinal erwartet werden kann, der in Kürze von Purpur auf Weiß umsteigen wird.
Die Beiträge sind in verschiedenen Sprachen verfaßt, vorwiegend auf Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Italienisch.
Die Seite cardinalrating.com bietet auch eine Rubrik mit den meistgelesensten Artikeln. Spitzenreiter ist ein Text von Dionigi Kardinal Tettamanzi von Mailand, der zehn Regeln formuliert hat, wie der Sünder der Versuchung widerstehen kann. Der Artikel ist gefolgt von einer Vorstellung von Claudio Kardinal Hummes von Sao Paolo in Brasilien.
Die zuletzt auf der Homepage geposteten Artikel werden mit Titel und Kurztext auf der Eröffnungsseite angezeigt. Auf der linken Seite findet sich jeweils ein Photo des betreffenden Kardinals.
Die Kardinäle können in alphabetischer Reihenfolge oder entsprechend ihrem Herkunftsland aufgelistet werden. Man kann sich auch die unter beziehungsweise über achzigjährigen Kirchenfürsten gesondert anschauen. Das ist nützlich, um einen Überblick über die Kardinäle zu bekommen, die am nächsten Konklave teilnehmen bzw. daran nicht mehr teilnehmen dürfen.
Auf der Homepage findet man jede Menge Verblüffendes.
Der Kurienkardinal Francis Arinze fordert mehr Latein in der Liturgie und erklärt, daß die Homosexuellen sich über die Familie lustig machen. Kardinal Bertone von Genua kämpft gegen Radio Maria und Medjugorie und segnet ein Kriegsschiff.
Kardinal Glemp von Warschau führt die Handkommunion ein und schafft im Land des Papstes wichtige Feiertage ab. Der japanische Kurienkardinal Hamao wünscht sich ein neues Konzil und mehr Autonomie für die Lokalkirchen.
Ein Spitzenreiter auf der Homepage ist der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper mit 39 Einträgen. Er meint, daß sich die Juden nicht zum Christentum bekehren müssen, spricht von den nichtkatholischen Märtyrern und davon, daß keine Kirche die ganze Wahrheit besitzt. Auf Deutsch gibt es einen Auszug der Thesen des Kardinals, als er noch Professor der Theologie in Tübingen war.
Mit 24 Artikeln ist Kardinal Lehmann von Mainz ebenfalls sehr gut vertreten. Man kann seine Aachener Narrenritter-Rede nachlesen, sich davon überzeugen, daß er nicht an eine prinzipielle Überlegenheit des Christentums vor anderen Religionen glaubt und über die langjährige kirchliche Schwangerenberatung in Deutschland keine Reue empfindet. Eine scharfe Abrechnung mit dem Kardinal erlaubt sich der ehemalige Professor für Kirchenrecht, Georg May.
14 Beiträge befassen sich mit Kardinal Joachim Meisner von Köln, 36 mit dem deutschen Kurienkardinal Joseph Ratzinger.
Der emeritierte Kardinal Henri Schwery von Sitten (Schweiz) beklagt sich darüber, daß das römische Staatssekretariat zu einem Staat im Staat geworden ist.
Mit 36 Artikeln ist Christoph Kardinal Schönborn von Wien sehr stark vertreten. Er glaubt, daß der tschechische Reformator Jan Hus „ein Mann lauteren Herzens“ war, daß die Eucharistiefeier „das größte Event“ sei und es für den katholischen Glauben „lebenswichtig“ sei, die Bibel im Lichte ihrer jüdischen Auslegung zu studieren. Außerdem bricht er eine Lanze für den Zionismus und gegen die Lebensschützer seines Landes.
Der italienische Kurienkardinal Angelo Sodano ist schließlich mit 21 Artikeln vertreten. Aufhorchen läßt, daß er einem Abtreibungspolitiker von Santa Lucia kürzlich einen päpstlichen Orden umgehängt hat.
Kardinal Georg Sterzinsky von Berlin wird mit einer Erklärung zitiert, worin er im Rahmen des Angriffs auf den Irak einen Boykott von amerikanischen und britischen Waren befürwortet. Mit 7 Beiträgen ist schließlich Friedrich Kardinal Wetter vertreten.
Gegenwärtig sind auf www.cardinalrating.com gleichzeitig bis zu 250 Leser online.
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Donnerstag, 7. April 2005 10:15
doublemax: 250 Leser – stimmt nicht!
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