10:20:18 | Dienstag, 25. August 2009
Johannes Paul II.
Ein US-Autor hat kürzlich erklärt, warum es keinen Grund gibt, Papst Johannes Paul II. seligzusprechen: „Die Frage, welche die Katholische Kirche sich stellen muß, lautet: War Johannes Paul II. ein Modell »heroischer« päpstlicher Tugenden?“
(kreuz.net) Am 14. August verfaßte Eric Giunta auf der US-Webseite ‘Renew America’ einen Artikel unter
dem Titel „Warum Papst Johannes Paul II. nicht seliggesprochen werden sollte“.
Giunta studiert Rechtswissenschaft
an dem Florida State University College of Law.
Als erstes Beispiel erwähnt er die Skandale um den Gründer
der Legionäre Christi, Pater Marcial Maciel:
„Die
jüngsten Vaterschaftskläger haben bekanntgegeben,
Beweise zu besitzen, wonach der verstorbene Papst Johannes Paul II von [Pater] Maciels Liebesgeschichten
wußte und sich blind stellte“ – erklärte Giunta.
Das wirft nach Giunta ein Licht auf „den Umfang, in
dem Johannes Paul II. diese Entartungen ermöglichte – angefangen bei sexuellen und liturgischen Mißbräuchen
bis hin zum theologischen Abweichlertum und skandalösen katholischen Politikern, die mit der schweigenden
oder offenen Zustimmung der Kirche übelste unmoralische Ansichten vertreten.“
Johannes Paul II. – Ein
Leben in Bildern

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Katastrophale
BilanzGiunta stellt die persönliche Heiligkeit oder Rechtgläubigkeit von Johannes Paul II. nicht in
Frage. Dennoch müsse man eingestehen, daß er ein „glorreicher Versager“ gewesen sei.
Der verstorbene
Papst habe zweifellos dazu beigetragen, den osteuropäischen Kommunismus zu Fall zu bringen: „Aber es
ist nicht die vorrangige Aufgabe des römischen Papstes, sich um politische Angelegenheiten zu kümmern.“
Sein Auftrag besteht nach Giunta in der Rettung der Seelen, der Bekehrung der Verlorenen und der Leitung
der Kirche.
Diesbezüglich stellt Giunta fest, daß die Katholische Kirche während der Amtszeit von
Johannes Paul II. statistisch von 18 Prozent der Weltbevölkerung auf 17 Prozent gefallen ist:
„Es wäre
töricht, diese Zahlen alleine als Indikatoren gelten zu lassen“ -kommentiert er: „Allerdings ist die
Sachlage bei der Qualität des Weltkatholizismus zwar nicht so klar in Zahlen zu fassen, aber nicht weniger
greifbar.“
Giunta charakterisiert das Pontifikat von Johannes Paul II. mit den Titeln einer Reihe von
Büchern, die sich während der Regierungszeit dieses Papstes mit dem Zustand der Kirche beschäftigten:
• Goodbye, Good Men: How Liberals Brought Corruption into the Catholic Church – Auf Wiedersehen, fähige
Männer: Wie die Liberalen Verderbnis in die Katholische Kirche brachten.
• Sacrilege: Sexual Abuse
in the Catholic Church – Sakrileg: Sexueller Mißbrauch in der Katholischen Kirche
• Amchurch Comes
Out: The U.S. Bishops, Pedophile Scandals and the Homosexual Agenda – Die US-Kirche outet sich: Die US-Bischöfe,
pädophile Skandale und die Homo-Agenda.
• The Rite of Sodomy: Homosexuality and the Roman Catholic
Church – Der Ritus von Sodoma: Homosexualität und die Katholische Kirche.
• Our Fathers: The Secret
Life of the Catholic Church in an Age of Scandal – Unsere Väter: Das geheime Leben der Katholischen Kirche
in einer Zeit der Skandale.
• Vows of Silence: The Abuse of Power in the Papacy of John Paul II – Schweigegelübde:
Der Machtmißbrauch im Pontifikat von Johannes Paul II.
Diese Bücher wurden von verschiedenen ideologischen
Perspektiven aus verfaßt – stellt Giunta fest: „Aber sie zeichnen ein sehr düsteres, wenn auch gut dokumentiertes
Bild des vorausgehenden Pontifikates.“
Ein Papst des kirchlichen NiedergangesDer Autor erklärt, daß
Johannes Paul II. eine Kirche leitete, die in ihrem inneren und äußeren Leben im Niedergang begriffen
war:
„Seine kaltschnäuzige Indifferenz gegenüber den Opfern des klerikalen Mißbrauchs, die sich darin
zeigte, daß er es ablehnte, auch nur einen einzigen von ihnen zu empfangen, sowie seine störrische Weigerung,
auch nur einen der Bischöfe abzusetzen, welche die Mißbräuche unterstützten, begünstigten oder verdeckten,
bezeugen sein radikales Versagen, nicht als Katholik oder Theologe, sondern als Papst.“
Das ist für
Giunta Grund genug, eine Seligsprechung von Johannes Paul II. abzulehnen:
„Denn im katholischen Verständnis
ist die Seligsprechung nicht einfach ein technisches Dekret, aus dem hervorgeht, daß jemand im Himmel
ist.“
Ein solcher Akt ist auch eine feierliche Proklamation des heroischen Tugendgrades.
Giunta bringt
das Problem auf den Punkt: „Die Frage, welche die Katholische Kirche sich stellen muß, lautet: War Johannes
Paul II. ein Modell »heroischer« päpstlicher Tugenden?“
In seiner Antwort stellt er fest, daß altliberale
Kräfte und antikatholische Elemente während des letzten Pontifikates überall in den Strukturen der
Kirche aufblühten:
„Kein einziger katholischer Abtreibungspolitiker wurde exkommuniziert. Nur eine Handvoll
offen häretischer Priester wurde die Lehrtätigkeit untersagt. Sie konnten aber ihren priesterlichen
Dienst weiter ungehindert ausüben.“
Die Kirche in Österreich widersetzte sich – ohne vom Papst zurechtgewiesen
zu werden – offen dem orthodoxen Katholizismus.
Die erdrückende Mehrheit linksextremer Vertreter modernistischer
katholischer Organisationen bekamen häufig Gelegenheit, bei offiziellen kirchlichen Veranstaltungen aufzutreten.
Giunta erwähnt katholische Pfarreien und Universitäten, die sich in eine Liste der „Konferenz katholischer
Lesben“ als „homo-freundlich“ eingetragen haben.
Trotzdem sind diese Institutionen – so Giunta – bei
der Kirche genauso gut angesehen wie Vertreter der katholischen Richtung.
Kirchliche AnarchieDas Fazit:
„Nach Johannes Paul II. kann man die Katholische Kirche praktisch nicht von der Anglikanischen Gemeinschaft
unterscheiden.“
Jeder habe in der Kirche von Johannes Paul II. seinen Platz am Tisch gefunden: Liberale,
Konservative, Vertreter der Hochkirche oder Vertreter der modernistischen Richtung:
„Die »offizielle«
Lehre der Kirche mag zum religiösen Konservativismus hinneigen. Aber das ist nur eine Option unter vielen.
Ein loyaler Katholik kann sie vertreten und trotzdem in einem guten Verhältnis zu seiner Kirche leben.“
Der Regierungsstil des letzten Papstes war – so Giunta – dem Laissez-faire verpflichtet: „Er vertrat
persönlich die konservative katholische Orthodoxie. Aber er wollte diese nicht dem katholischen Klerus
oder den Institutionen auferlegen.“
Giunta stellt die Frage: „Kann das ein Modell einer Kirche sein,
die sich selber als die eine wahre Religion betrachtet?“
Eine mögliche Seligsprechung von Papst Johannes
Paul II. betrifft nach Giunta nicht nur Katholiken, sondern alle traditionalistischen Konservativen:
Konservative möchten nicht, daß ihre Grundprinzipien von Konservativen, die es nur dem Namen nach sind,
neu definiert werden:
„Eine Seligsprechung des verstorbenen Papstes würde auch jenem Modell christlicher
Führung ein Imprimatur verleihen, das die konservativen Grundprinzipien einer der weltweit ältesten
und ehrbarsten konservativen Institutionen zersetzt hat.“
Giunta glaubt, daß eine zukünftige konservative
Gesellschaft über die „schwere pastorale Nachlässigkeit“ von Johannes Paul II. kritisch urteilen wird:
„Wenn die Katholiken mit einer intakten intellektuellen Integrität aus dem gegenwärtigen kulturellen
Morast herauskommen wollen, müssen sie furchtlos das Licht der Wahrheit auf die Art und Weise scheinen
lassen, wie dieser Papst sein Hirtenamt ausgeübt hat.“
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