19:36:51 | Montag, 7. September 2009
Die von Skandalen geschüttelte Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi sucht einen Weg aus der Krise. Die Kernfrage wird sein, ob sie bereit ist, die Vergangenheit ohne neue Mystifikationen aufzuarbeiten.

Pressebild der Legionäre Christi zum Tod von Pater Macial Maciel
(kreuz.net) Die Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi will eine sachgemäße Aufarbeitung der „Erkenntnisse“
über ihren verstorbenen Gründer, Pater Marcial Maciel († 2008).
Das erklärte der Territorialdirektor
der Legionäre Christi für Mitteleuropa, Pater Sylvester Heereman, in einem offenen Brief, der auf der
Webseite der Legionäre veröffentlicht ist.
Interessanterweise schreibt Pater Heeremann den Namen des
Ordensgründers in der falschen Version „Marciel Maciel“.
Der Text enthält die drei Punkte Sachstand,
Aufarbeitung und Verantwortung.
Pater Heeremann ist sich bewußt, daß vor der Gemeinschaft ein „langer
Weg und Heilungsprozeß“ liegt: „Ich denke dabei vor allem an jene, die durch das schwerwiegende Fehlverhalten
von Pater Maciel verletzt worden sind.“
Der Pater bittet die Opfer im Namen der ganzen Kongregation ausdrücklich
um Verzeihung.
Opfer im PluralDer Generaldirektor des Ordens, Pater Álvaro Corcuera, besuche schon
seit einiger Zeit „die Opfer“ des Ordensgründers, um sich persönlich zu entschuldigen – berichtet Pater
Heeremann:
„Als Kongregation bedauern wir zutiefst, daß das Fehlverhalten von Pater Maciel nicht eher
von der Institution erkannt, daher auch nicht behoben wurde und so noch mehr Leid verursacht worden ist.“
Ob damit auch frühere Ordensmitglieder gemeint sind, die Pater Maciel
homosexuell geschändet hat –
was im Jahr 2006 zu seiner de facto Suspendierung führte –, bleibt unklar.
In den letzten Jahrzehnten
haben die Legionäre Christi gut dokumentierte Schändungen mit aller Kraft geleugnet.
Pater Heeremann
erinnert nur daran, daß Pater Maciel eine Beziehung zu einer Frau unterhalten hat und in Madrid eine
von ihm geborene Tochter lebt.
Zu den Aussagen eines mexikanischen Rechtsanwaltes, über
weitere Beziehungen
und Kinder, gibt Pater Heeremann keine Stellungnahme ab: Dazu gebe es derzeit nur bruchstückhafte Informationen.
Der enge Kreis um Pater Maciel deckte ihnDie
de facto Suspendierung des Ordensgründers 2006 und die
jüngsten Skandale kamen für die Legionäre angeblich „vollkommen unerwartet und waren dementsprechend
hart“:
„Die vielen und starken Emotionen, das Durcheinander von Informationen, Unterstellungen, Spekulationen
und Meinungen, die verschiedenen kulturellen Sensibilitäten und die christliche Pflicht, Fehltritte von
Mitmenschen nicht in der Öffentlichkeit breitzutreten, haben es sehr erschwert, schnell eine klare und
umfassende Stellungnahme zu veröffentlichen, wie viele sie sich vielleicht gewünscht hätten.“
Der
Pater beschwört, daß die Ordensgemeinschaft die „volle“ Wahrheit nicht kannte. Es bestünden auch jetzt
noch viele Unklarheiten.
Der Territorialdirektor empfiehlt, sich von bevorstehenden Meldungen nicht erschüttern
zu lassen. „Zum einen weiß man oft nicht, was stimmt; zum anderen ändern immer neue Einzelheiten auch
nichts an dem wesentlichen Inhalt, der bereits bekannt ist.“
Die Situation sei ein Ärgernis für die
Kirche und werfe einen dunklen Schatten auf das katholische Priestertum.
Der Territoraldirektor versichert,
daß die Legionäre Christi Konsequenzen gezogen haben und ziehen werden. Als erste Maßnahme werde die
Sicht auf die Person und das Wirken von Pater Maciel überarbeitet:
„Auf der einen Seite können und
wollen wir nicht vergessen, daß Pater Marcial der Gründer gewesen ist und viel Gutes bewirkt hat.
Auf
der anderen Seite stehen seine schwerwiegenden Fehler und das, was jüngst ans Licht gekommen ist.“
Derzeit
würden die Legionäre Christi ihre Internetseiten überarbeiten und die Neuauflage von Schriften ihres
Gründers prüfen.
Pater Heeremann unterscheidet einerseits zwischen der Person und dem Wirken des Ordensgründers
und seiner angeblich „soliden katholischen Lehre, die er uns vermittelt hat“ sowie anderseits den rechtlich-institutionellen
Aspekten der Legionäre Christi: „Diese Unterscheidung ist nicht leicht und kann nicht über Nacht erfolgen.“
Ferner diene die aktuelle
Apostolische Visitation der Aufarbeitung.
Der Territorialdirektor geht davon
aus, daß danach „weitere Maßnahmen“ folgen werden: „Möglicherweise wird der Heilige Vater nach Abschluß
der Visitation Anweisungen geben, die wir dann gerne umsetzen werden.“
Erste Änderungen bereits vollzogen
Am Ende spricht Pater Heeremann über Verantwortung. Er betont, daß die Legionäre in und mit der Kirche
gehen:
„Wir haben in den vergangenen Jahren auch konkrete Anweisungen vom Heiligen Stuhl hinsichtlich
unseres Ordenslebens erhalten, die wir bereits umgesetzt haben.“
Der Pater erinnert an das
Sondergelübde
der Legionäre Christi, das der Papst vor zwei Jahren aufgehoben hat.
Das „Gelübde der Nächstenliebe“
untersagte den Legionären Christi jede Kritik an ihren Ordensoberen und deren Entscheidungen und verbot,
in solchen Angelegenheiten Beschwerde zu führen.
Nach Pater Heeremann sollte das Gelübde gewährleisten,
„daß man etwaige Schwierigkeiten mit dem eigenen Vorgesetzten entweder mit dem Betreffenden selbst oder
den höheren Instanzen besprach, wodurch verantwortungsloser Kritizismus oder interne Parteienbildung
vermieden werden sollten.“
Auf Empfehlung des Heiligen Stuhls sei auch die Beichtdisziplin geändert
worden: „In der Praxis haben die Mitglieder früher oft die Beichte auch bei ihren Oberen abgelegt. Auf
Empfehlung des Heiligen Stuhls sind Obere nun nicht mehr Beichtväter ihrer Untergebenen.“
Pater Maciel
zog viele Spenden undokumentiert abZur finanziellen Lage erklärt Pater Heeremann,daß „die Verwendung
von Mitteln seit Jahren durch festgeschriebene Vorgaben geregelt“ sei. Diese zielten auf „eine klare und
eindeutige Abrechnung aller Eingänge und Ausgaben ab“.
Seit Jahren sei auch ein externes Steuerbüro
mit der Prüfung der Finanzen beauftragt. Wie Pater Maciel Unmengen an Spendengeldern für Privatvergnügen
beiseiteschaffen konnte, bleibt unklar.
Abschließend erklärte Pater Heeremann, daß die Konstitutionen
der Legionäre Christi „größten Wert auf respektvollen, achtsamen und verantwortungsvollen Umgang mit
Minderjährigen“ legen.
Diesbezüglich habe es noch nie einen begründeten Verdacht gegeben.
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