13:43:41 | Dienstag, 8. September 2009
Jahrzehntelang blies eine Minderheit mit Hilfe der kommerziellen und amtskirchlichen Medien den Bischöfen den Marsch. Doch dann kam das Internet – und der Spuk war vorbei.

Seit Jahrzehnten blasen einigen wenige Altliberale ihre Ideologie mit Hilfe der kommerziellen und amtskirchlichen
Medien auf.
© n madhavaji, CC(kreuz.net) „Anarchie im Namen des Herrn?“ – fragte der Chefredakteur der Nachrichtenagentur der deutschen
Bischofskonferenz, Ludwig Ring-Eifel, in einem Beitrag für die Monatszeitschrift ‘Vatican-Magazin’.
In dem Beitrag geht es um die neuen katholischen Stimmen im Internet.
Ring-Eifel stellt fest, daß Katholisches
dank des Internet auch außerhalb der kirchlich subventionierten Medien berichtet, kommentiert und debattiert
wird.
Diese „Anarchie im Namen des Herrn“ hat für Ring-Eifel auch Vorzüge.
Im Netz könne beinahe
jeder mit verhältnismäßig wenig Geld Informationen verbreiten und Debatten anheizen.
Wer dagegen versuche,
ein katholisches Printprodukt oder gar einen Fernsehsender ohne bischöfliche Gelder aufzuziehen, müsse
sich „auf ein Leben am Rande des Nervenzusammenbruchs und des finanziellen Ruins gefaßt machen.“
Das
sei im Netz anders.
Als Beispiel nennt Ring-Eifel ausgerechnet die kommerzielle Zensur-Webseite ‘kath.net’.
Obwohl die Betreiber dieser Homepage dicke Gehälter einstreichen, bezeichnet sie Ring-Eifel als „Idealistenportal“.
Die belanglose römische Seite ‘zenit.org’ betrachtet der Journalist als „inzwischen etwas angegraut“.
Die größte europäische katholische Webseite ‘kreuz.net’ nennt Ring-Eifel „verbalradikal“.
Die Seite
segle unter Piratenflagge mit einem juristisch unzugänglichen Server in den Vereinigten Staaten als Rückzugsinsel.
Im Netz sprudle es jenseits der „etablierten“ – mit dem Ausdruck meint Ring-Eifel die altliberal unterlaufenen
Langweile-Medien der Amtskirche – kräftig:
„Vieles ist geschwätzig, manches auch gehässig oder hetzend,
die Information und Kommunikation ist jedenfalls freier als bisher.“
Ring-Eifel nennt auch „etliche Traditionalisten-Knoten“,
die sich seit dem Motu Proprio gebildet haben: „Einer der rührigsten nennt sich ‘motu-proprio.de’“.
kreuz.net ist die kirchenpolitische MitteDer Journalist stellt fest, daß es im Internet keine Portale
der Altliberalen gibt: „Auf der Linken verbreiten weder ‘Wir sind Kirche’ noch ‘Publik Forum’ Netz-Aktivitäten
in einem vergleichbaren Umgang“ wie die Katholiken.
Im Netz würden „fast ausschließlich“ Kräfte arbeiten,
die Ring-Eifel ohne Angabe von Kriterien „rechts“ von einer imaginären „kirchenpolitischen Mitte“ einordnet.
Er stellt auch fest, daß es für bezahlte amtskirchliche Journalisten längst normal ist, die Nachrichten,
Blogs und Kommentare der „Ausleger auf der rechten Seite des Kirchenschiffs“ als Anregung für Recherchen
nutzen:
„Ohne sie würde auch der seriösesten und ausgewogensten kirchlichen Publizistik etwas fehlen,
für manchen katholischen Journalisten sind sie längst das Salz in der Suppe des täglichen Verlautbarungs-Einerleis
geworden.“
‘kreuz.net’ durchbricht die altliberale SchweigespiraleFür Ring-Eifel wäre es eine Forschungsarbeit
wert, die wechselseitige Wahrnehmung und Beeinflussung des isolierten „kirchlichen Mainstreams“ und der
die Information beherrschenden „Rebellen von rechts“ zu untersuchen:
„Vielleicht erzielen die konservativen
Internet-Heckenschützen ja langfristig einen ähnlichen (indirekten) Einfluß auf die katholischen Redaktionsstuben,
wie ihn einst linksradikale Flugblätter und Diskussionsveranstaltungen auf bürgerlich-liberale Blätter
wie ‘Spiegel’, ‘Stern’ und ‘Zeit’ hatte.“
Ring-Eifel bezeichnet die neuen katholischen Internet-Medien
als Tabubrecher: „Manche Nachricht, die früher in der Schweigespirale des kirchlichen Konsensdenkens
erfolgreich unterdrückt werden konnte, ist nun einfach nicht mehr aufzuhalten.“
Jeder liest ‘kreuz.net’
Wer Zeit und Idealismus aufbringe, brauche im Internet angeblich nur wenig oder gar kein Geld aus dem
Kirchensteuersäckel, um ein Publikum zu erreichen – unterschätzt Ring-Eifel erneut etwas den riesigen
Aufwand für den Aufbau eines effektiven Informationsportals:
„Was dabei herauskommt, ist auf den ersten
Blick oft spannender als die Produkte der bischöflich subventionierten Publizistik, von denen einige
allzu sehr durchscheinen lassen, daß sie das Ergebnis eines Kompromisses sind.“
Der Kompromiß ergibt
sich nach Ring-Eifel einerseits aus der sogenannten Pressefreiheit und andererseits aus der angeblichen
Steuerung der amtskirchlichen Medien durch die Bischöfe.
Dagegen könne der „katholische Freibeuter
hemmungslos einseitig – und damit auch interessanter“ schreiben.
Gleichzeitig sendet er im gesamten deutschen
Kirchensprachraum – der „bekanntlich vom Apostolischen Palast im Vatikan bis zu den ostfriesischen Inseln
reicht“.
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