Kommt die Sedia gestatoria zurück? + Neue altgläubige Gemeinschaft + Neid unter Priestern + Antike Synagoge entdeckt + Botschaft an die Großloge?
Papst Pius XII. auf der Sedia gestatoria
Kommt die Sedia gestatoria zurück?
Vatikan. Es gibt Gerüchte, wonach die päpstliche Sänfte, die Sedia
gestatoria, wieder eingesetzt wird. Das berichtete der römische Weblog ‘orbiscatholicus.blogspot.com’.
Die Idee stamme nicht vom Papst, sondern aus dem Staatssekretariat. Der Grund: Die Gläubigen könnten
den Papst auf der Sedia gestatoria besser sehen. Zuletzt wurde die Sedia gestatoria von Papst Johannes
Paul I. († 1978) im September 1978 benutzt.
Neue altgläubige Gemeinschaft
Spanien. Der männliche Zweig
der altgläubigen spanischen Bruderschaft ‘Fraternidad de Cristo Sacerdote y Santa María Reina’ wurde
vor einigen Monaten als „Klerikale Gesellschaft apostolischen Lebens“ errichtet. Das berichtete der Weblog
‘NewLiturgicalMovement.org’ am Montag. Der damalige Erzbischof von Toledo und jetzige Präfekt der Liturgiekongregation,
Antonio Kardinal Canizares, kümmerte sich um die Errichtung der Gemeinschaft. Diese betreut zwei Kirchen,
in denen täglich die Alte Messe gelesen wird.
Neid unter Priestern
Frankreich. Kürzlich kam es bei
einer Hochzeit in der Nähe von Paris zu Handgreiflichkeiten unter Priestern. Das berichtete die Nachrichtenagentur
‘AFP’ am Freitag. Die Schwester der Braut war mit dem Heimatpfarrer zerstritten. Darum sollte der Nachbarpfarrer
die Trauung in der Heimatkirche der Braut übernehmen. Doch der Ortspfarrer war offensichtlich eifersüchtig
und ließ die Kirche von innen verriegeln. Die Hochzeitsgesellschaft kam trotzdem in das Gotteshaus. Nachbar-Pfarrer
Frédéric Gatineau schlug dem Ortspfarrer bei einem darauf folgenden Streit offenbar ins Gesicht. Später
hat er sich dafür im Rundfunksender ‘Europe 1’ öffentlich entschuldigt.
Antike Synagoge entdeckt
Heiliges
Land. Archäologen haben am Ufer des Sees Genezareth im Heiligen Land Überreste einer Synagoge aus der
Zeit Christi entdeckt. Die Ruinen in der Stadt Migdal sind rund 2000 Jahre alt. Migdal ist der Geburtsort
der Maria Magdalena. Die Überreste befinden sich auf einer Fläche von 120 Quadratmetern. Die Leiterin
der Ausgrabungen, Dina Abschalom-Gorni, hält es für möglich, daß der Heiland in der gefundenen Synagoge
gepredigt habe. Das sagte sie der Nachrichtenagentur ‘AFP’ – wohl um die Bedeutung ihres Fundes zu steigern.
Botschaft an die Großloge?
Vatikan. Der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen
Dialog, Jean-Louis Kardinal Tauran, veröffentlichte am Freitag eine Botschaft zum Ende des Fastenmonats
Ramadan. Der Brief ist an die „lieben muslimischen Freunde!“ adressiert und ist dem Thema „Gemeinsam die
Armut besiegen“ gewidmet. Kardinal Tauran will mit den Muselmanen an gerechten und dauerhaften Lösungen
gegen die Armut arbeiten: „Wir teilen die Berufung, eine einzige Menschheitsfamilie zu gründen, in der
alle – Individuen, Völker, Nationen – ihr Verhalten nach den Grundsätzen der Brüderlichkeit und Verantwortlichkeit
ausrichten.“
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36 Lesermeinungen
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Neid unter Priestern? Es gibt in der Kirche – soweit ich weiß – so etwas wie einen Kirchenrektor, dem
die Ausübung der potestas domestica in einer Kirche zukommt. Und, außerdem, gibt es so etwas wie Eherecht,
nach dem nur der Ortspfarrer oder der von ihm rechtmäßig delegierte Kleriker befugt sind, einer gültigen
Eheschließung zu assistieren … (… deshalb sind ja auch sämtliche Murmelbruderschaftstrauungen ungültig
…)
@ Thomasius, MartinBieger Warum wird immer wieder der Anspruch erhoben, es müsse alles so sein wie zur
Zeit Jesu? Das wäre purer Anachronismus. Oder möchten Sie vielleicht gern in einer Lehmhütte wohnen
und barfuß laufen? Oder z.B. die Hl. Messe – sie ist in ihrer gewachsenen Gestalt und ihren äußeren
Formen viel mehr als ein bloßes Nachempfinden der Abendmahlsszene… Ich denke, kirchliche Prachtentfaltung
hat ihren Sinn und ihre Berechtigung, wenn man sie unter dem Blickwinkel betrachtet, daß sie nicht einer
Person gelten, sondern dem Amt bzw. dem, was sie verkörpern – letztendlich Christus (sei es in Gestalt
seines irdischen Stellvertreters oder des Alter Christus bei der Hl. Messe). Und dafür kann kein Prunk
prunkvoll genug sein, kein Parament zu kostbar und keine Ehrenbezeigung zu übertrieben! Ich persönlich
würde mich sehr freuen, den Papst wieder auf der Sedia zu sehen – neben rein praktischen Erwägungen
ein wunderschönes Zeichen für die Einzigartigkeit dieses höchsten Amtes auf Erden (die alte Krönungsformel
sagt „…et scias te esse Patrem Principum et Regum, Rectorem Orbis, in terra Vicarium Salvatoris Nostri
Jesu Christi, cui est honor et gloria in sæcula sæculorum“). Besser könnte man es nicht auf den Punkt
bringen. Es ist an der Zeit, in dieser orientierungslos-nüchtern-rationalen Epoche, in der mit dem Verlust
äußerer Formensprache auch ein Verlust an Inhalten einhergeht, wieder ein Gespür für diese Dinge zu
entwickeln…
#32 Thomasius 14:56:52 | Sonntag, 13. September 2009
@vonHerzmanovski-Orlando „Kluger Spruch. Christus hat auch die Sünde nicht gutgeheißen.“ Sicherlich,
aber auch für ihn galt die Regel, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich bin der Herr. Der Prunk
der Kirche war aber doch eher heidnischen Gebräuchen und diesseitigen Herrschergepflogenheiten abgeguckt
und nicht dem Verhalten Jesu Christi.
#31 MartinBieger 14:36:38 | Sonntag, 13. September 2009
@Orlando Darum gehts aber hier nicht.Was mich stört ist dieser ganze Prunk der da herrscht. Sowas hatte
Christus nicht nötig,um die Menschen zu erreichen.
@Martin Bieger Christus hat sich auch von niemandem auf einem Stuhl durch die Gegend tragen lassen. Kluger
Spruch. Christus hat auch die Sünde nicht gutgeheißen.
#28 Thomasius 13:55:50 | Sonntag, 13. September 2009
@Tuttisanti Sicherlich sind Judäa, Samaria und Galiläa differenziert zu betrachten. Galiläa der Heiden
liegt ja noch hinter dem schrecklichen Samaria. Deswegen ist Jesus Christus ja auch in Bethlehem, also
in Judäa geboren. Daraus folgt aber noch nicht, dass in Galiläa üblicherweise griechisch gesprochen
wurde, denn die einheimische Bevölkerung behielt selbstverständlich auch in hellenischer Zeit ihre eigene
Sprache bei, soweit es sich nicht um Staatsfunktionäre der Hellenen handelte.
Man pflegte sich nicht umsonst in allen drei Abrahamsreligionen primär der rassisch und religiös Minderen,
vulgo Heiden und Neger, sekundär der Abartigen und Abtrünnigen, vulgo der Feinde, als Sklaven zu bedienen.
Erstere muß man gar nie nicht wieder freilassen, Rindviecher läßt man auch nicht wieder frei, und wer
wird schon eines taufen wollen? Ja, wir waren eben immer schon alle sehr elegant …
#25 Thomasius 09:14:44 | Sonntag, 13. September 2009
@Sinah Sie sind also für die Hexenverbrennung und die Beibehaltung der Sklaverei? Da das Einfangen und
der Export von Afrikanern nach Amerika als Sklaven von Päpsten gebilligt wurde, wäre es also unzulässig
gewesen sich im 19. Jhd gegen die Sklaverei auszusprechen und den entsprechenden Passus zu Begin des 20.
Jhd aufzuheben. War die Sklaverei und die Hexenverbrennung Ihrer Meinung nach der Gipfelpunkt des Christentums?
Bei den Juden war die Freilassung israelitischer Sklaven nach einiger Zeit wenigstens Pflicht. Diese Regelung
war für die Christen natürlich völlig belanglos.
#24 Bernd-Jupp 01:28:22 | Sonntag, 13. September 2009
Führt ihn wieder ein… …den alten Krönungssessel, damit die katholischen Herzen wieder höher schlagen.
Mein Gott, seht ihr eigentlich nicht, dass es ganz andere Probleme in dieser Welt gibt? Wer immer noch
meint, es genüge eine bestimmte Art der Frömmelei, dem sei die zweite Lesung dieses Sonntags empfohlen…
Bedeutend dringlicher als die Sedia gestatoria: KRÖNUNGSEID DES PAPSTES (vollzogen seit d. 9.Jahrh…
Warum wurde er abgeschafft? Hl. Vater, die Gläubigen fragen nach den Gründen. Dieser Akt der Verweigerung
der letzten Päpste ist ein schwerer Bruch der Tradition. Doch die Krone des Südens kommt wieder zu Ehren!
KRÖNUNGSEID DES PAPSTES Ich gelobe: nichts an der Überlieferung, nichts an dem, was ich von meinen Vorgängern
bewahrt vorgefunden habe, zu schmälern, zu ändern, oder darin irgendeine Neuerung zuzulassen; vielmehr
mit glühender Hingabe das überlieferte Gut ehrfurchtsvoll zu bewahren; alles, was im Widerspruch zu
der kanonischen Ordnung auftauchen mag, zu reinigen; die hl. Canones und Verordnungen [Überlieferte Messe]
unserer Päpste gleich wie göttliche Aufträge des Himmels zu hüten, da ich mir bewußt bin, Dir, Dessen
Platz ich einnehme, strengste Rechenschaft über alles, was ich bekenne, im göttl. Gericht ablegen zu
müssen. Wenn ich es unternehmen sollte, in irgendetwas nach anderem Sinn zu handeln, oder zulassen sollte,
daß es unternommen wird, so wirst Du mir an jenem furchtbaren Tag des göttl. Gerichts nicht gnädig
sein. Daher unterwerfen Wir auch dem Ausschluß des strengsten Bannes: wer es wagen sollte – seien es
Wir selbst, sei es ein anderer – irgendetwas Neues im Widerspruch zu dieser so beschaffenen Überlieferung
zu unternehmen, oder durch seine widrigen Anstrengungen danach trachten sollte, irgendetwas zu ändern
oder v. d. Reinheit des Glaubens zu unterschlagen, so wirst Du mir an jenem furchtbaren Tag des göttl.
Gerichts nicht gnädig sein.(etwas gekürzt)
#22 eigerhar † 22:23:36 | Samstag, 12. September 2009
Nicht aramäischer Urtext Ich danke Ihnen sehr für Ihren Beitrag. Es freut mich sehr, dass ich jetzt
eine Ansprech-Adresse habe zur Peschitta, die ich sehr interessant finde. Ich hatte einmal einen Einführungskurs
ins Aramäische und habe erst kürzlich wieder begonnen die Peschitta zu entziffern. Ich weiss, dass bei
vielen syrischen Christen die Meinung verbreitet ist, der Urtext der Evangelien sei in aramäisch geschrieben.
Das ist aber, soviel ich weiss endgültig widerlegt. (Ausser Matthäus) Trotzdem ist der Text teilweise
sehr wertvoll und alt. Leider weiss man nicht immer welche Teile wie alt sind.
@eigerhar: In der Hauptsache nicht auseinander. 1.) Es gibt in Qumran nicht nur ein Isaias-Fragment, sondern
dutzende. 2.) Die von den Forschern als wichtigste betrachtete, vollständige „1. Isaisas-Rolle“ (1QIs.a)
stimmt mit der LXX überein entgegen M. Ich nehme diese Korrektur gern an. Entweder hat mich meine Erinnerung
getrogen, oder ich hatte einen überholten Sachstand im Kopf oder oder. Jedenfalls freue ich mich, daß
wir in der Hauptsache nicht auseinander sind. MfG Christoph Heger
Aramäisches Urtext des Frohbotchaft: die Peschitta unabhângig von den spâteren griechischen Fassungen
wurden schon die Kernteile der Evangelien sehr frûh in gesprochener, rythmischer, gedâchtnisüblicher
Form festgestellt: siehe Prof. Pierre PERRIER’s Arbeiten betr. ‘Perlen’ und „Perlketten’, fehlerlos und
sorgfâltig vom Psalmodiant zum Schüler und so weiter ûbertragen, genau wie bei Torah, Propheten und
Anderen Schriften. Nâheres bei EEChO Enjeux de l’Etude du Christianisme des Origines durch Internet.
Z. B. Dokumente, wonach das semitische Lukaswerk schon im Jahr 45 vollendet war, und fûnf Jahre nach=her
auf Griechisch überstzt wurde. Siehe auch Prof. Claude TRESMONTANT’s Werke „Le Christ hébreu“ und „Les
Evangiles“ franz. Übersetzung vom wiedererforschtem hebrâischen Urtext. Ein glânzendes Beweis: die
Erklärung durch Hw. FR; Guigain vom Lukas=Maschal des „untreuen Landgut=verwalters“ durch das Peschitto=Wortschatz,
ein auf Griechisch praktisch verlorenes Reichtum. Weiteres mir zu fragen an <jeanpaulmestrallet@yahoo.fr>
#18 Thomasius 19:35:23 | Samstag, 12. September 2009
@eigerhar (Die LXX kannte auch den hebräischen Text der M. Es bestanden aber schon dazumal Varianten.
M. als DEN Bibeltext hinzustellen ist schlechthin eine jüdische Lüge. Die Auswahl ist reines neujüdisches
Menschenwerk.) Lustig! LXX konnte den masoretischen Text gar nicht „kennen“, den dieser wurde 700/800
Jahre später festgelegt – kanonisiert. Diese Fassung beruht auch nicht auf einer jüdischen Lüge. Sie
ist genauso „gelogen“ wie der christliche Kanon. Da die masoretische Fassung zum ersten mal die Vokale
festlegt, war bis dahin eine durchaus unterschiedliche Sinngebung der hebräischen Bibel möglich.
#17 eigerhar † 16:44:13 | Samstag, 12. September 2009
Zum Beispiel stimmt die in Qumran gefundene Isaias-Rolle gut mit dem masoretischen Text überein @Dr.
Christoph Heger Einen grossen Teil Ihrer Darstellung teile ich. Aber „Zum Beispiel stimmt die in Qumran
gefundene Isaias-Rolle gut mit dem masoretischen Text überein“ stimmt nicht!!! 1.) Es gibt in Qumran
nicht nur ein Isaias-Fragment, sondern dutzende. 2.) Die von den Forschern als wichtigste betrachtete,
vollständige „1. Isaisas-Rolle“ (1QIs.a) stimmt mit der LXX überein entgegen M. Die aktuelle Frage der
Forscher ist, in wieweit dort, wo Qu und LXX übereinstimmen auch gemeinsame hebräische Texte zu Grunde
liegen. (Die LXX kannte auch den hebräischen Text der M. Es bestanden aber schon dazumal Varianten. M.
als DEN Bibeltext hinzustellen ist schlechthin eine jüdische Lüge. Die Auswahl ist reines neujüdisches
Menschenwerk.)
#15 Franz Kappes 15:22:52 | Samstag, 12. September 2009
Handgreiflichkeiten Das ist doch nichts Neues. Die Handgreiflichkeiten in Jerusalem werden auch stets
gut dokumentiert. Allerdings ist mir der Grund für diese Art der journalistischen Tätigkeit schleierhaft.
Kein „Original“ der Heiligen Schriften Der Urtext in hebräisch ließ allerdings eine Vielzahl von abweichenden
Übersetzungen zu. Nicht nur das. Die Unterschiede zwischen der (vorchristlichen) griechischen Übersetzung,
der sog. Septuaginta (LXX), und dem uns erst in spätantiker bis frühmittelalterlicher Zeit faßbaren
hebräischen (masoretischen) „Original“ lassen nur einen Schluß zu: Es gab auch im Textbestand unterschiedliche
Traditionen in der vorchristlich-jüdischen Überlieferung der Heiligen Schriften – wenigstens eine samaritanische,
eine, die der LXX zugrundegelegt wurde, und eine, die Grundlage des masoretischen Texts wurde. Es ist
grundlos, die letztere für das „Original“ zu erklären. Zum Beispiel stimmt die in Qumran gefundene Isaias-Rolle
gut mit dem masoretischen Text überein, aber der ebenfalls dort gefundene Jeremias stimmt mit der LXX
überein usw. Es ist also Vorsicht angebracht, wenn man mit dem „Original“ der Bibel argumentieren möchte –
vor allem, wenn man gegen die kirchliche Tradition argumentieren möchte. In diesem Punkt zeigt sich die
Wichtigkeit der katholischen Lehre über die Heiligen Schriften: Diese haben die Kirche zum Adressaten.
Nur sie versteht sie und legt sie aus. Dazu bedient sie sich auch der philologischen, historischen usw.
Wissenschaft, hängt aber nicht von ihnen ab, so daß ihre Auslegungen und Entscheidungen auch dann von
ihrer Unfehlbarkeit getragen sind, wenn ihr kein „Original“ zur Verfügung stand oder steht. MfG Christoph
Heger P.S. Natürlich konnte Jesus Griechisch.
thomasius Die Archäologie Galilaeas widerlegt Sie! Was glauben Sie, wie der Satz „Was kann aus Nazareth
Gutes kommen?“ gemeint war? Darin drückte sich der ganze Vorbehalt eines „echten Juden“ gegen die helleniserten
Juden aus dem Nordreich, speziell gegen die Juden aus Galilaea aus! Dass es bei diesem Satz um den Makel
der hellenisierten Juden geht, zeigt auch die ironische Erwiderung Jesu an die Adresse von Nathanael:
„Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit“! Wieso ironisch? Nathanael stammte aus dem Nachbardorf
Kana, ebenfalls ein Vorort von Sepphoris www.ancientsandals.com/…rviews/sepphoris.htm und kulturell
auch ganz in dessen Banne. Hier führen zwei Juden mit hellenistischem Herkunftshintergrund ein Gespräch
darüber, was es heißt, ein „echter“ Israelit zu sein!
#12 Thomasius 13:35:48 | Samstag, 12. September 2009
@vonHerzmanovski-Orlando Korrekt. Der Urtext in hebräisch ließ allerdings eine Vielzahl von abweichenden
Übersetzungen zu. Die Masoreten arbeiteten erst gegen 600 n. Chr.
#10 Thomasius 13:22:19 | Samstag, 12. September 2009
@Domenico Tuttisanti Meinen Sie, dass die Juden Analphabethen waren? Die Bibel wurde während der Babylonischen
Gefangenschaft und später im Persischen Reich verschriftlicht. Zu der Zeit war die griechische Sprache
in der Region noch nicht üblich. Die Makkabäer dürften auch nicht so extrem griechenfreundlich gewesen
sein. Die auf Veranlassung der Ptolemäer verfasste griechische Übersetzung – septuagesima – war eine
Übersetzung aus dem Hebräischen für die Diasporajuden – mit den bekannten Übersetzungsfehlern. Rückschlüsse
auf die konkrete Umgangssprache lassen sich daraus nicht herleiten. Dass die Juden in Judäa,Samaria oder
Galiläa alle die Sprache der „Unterdrücker“ sprachen – griechisch oder später römisch – dürfte unwahrscheinlich
sein.
Orlando Ich will nicht zu viel spekulieren. Offenbar wurde das Hebräische und die hebräische Thora erst
sehr viel später – erst nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n. Chr., in der Zeit der
Diaspora also und der Kanonisierung des hebräischen Talmuds – zur „portativen Heimat“ des Judentums.
Und das ist ja auch logisch: die Juden, ihrer Heimat und ihres zentralen Kultes beraubt, klammern sich
nun um so mehr an das sprachliche und literarische Erbe als identitätsstiftendes und unterscheidendes
Merkmal.
@Domenico Tuttisanti Und hätte das dann einen Einfluß auf die Authentizität des neuen Testaments? Immerhin
könnten die Jesuszitate dann ja wörtlich sein. Wie käme es dann, dass das Bibelgriechisch so viele
jüdisch-aramäische Wendungen enthält? Käme das dann nicht aus der Übersetzung, sondern aus einer
wie auch immer gelagerten lokalen Variante des Griechischen?
Der Exeget Benedikt Schwank, der wie kein zweiter auch die Archäologie des Hl. Landes kennt, hält es
für ganz ausgeschlossen, dass Jesus, ein intelligenter junger Mann aus Nazareth, nicht Griechisch gesprochen
haben soll – wie alle anderen in seiner Umgebung!
Funde am See Genezareth In anderen vergleichbaren Funden am See Genezareth hat man interessante Entdeckungen
gemacht, die durchaus relevante Rückschlüsse auf die kulturelle Prägung des Judentums in Galilaea erlauben.
So hat man in Synagogen aus der Zeit Jesu Schriftzitate aus der Septuaginta in Bodenmosaiken entedeckt.
Wie hellenisiert müssen die Juden zur Zeit Jesu also bereits gewesen sein, wenn sie die Thora in griechischer
Übersetzung zitieren – in Stein, für die Ewigkeit soz. !!! Auch Paulus zitiert in seinen Briefen an
die Missions-Gemeinden wie selbstverständlich die Septuaginta (er macht sich nicht die Mühe einer eigenen
Übersetzung aus dem Hebräischen). Jesus wächst unweit der ganz und gar hellenistisch geprägten Metropole
Sepphoris auf, deren Vorort Nazareth (eine Stunde Fußweg entfernt) war. Dort gibt es ein griechisches
Amphitheater, dort hat Joseph sein Handwerk ausgeübt und mit großer Wahrscheinlichkeit Jesus das Tischlerhandwerk
erlernt. Dort war Griechisch die Verkehrssprache! Interessant, was dieser neueste Fund in Migdal alles
ans Licht bringen könnte!