11:40:29 | Sonntag, 13. September 2009
Das Problem der Strukturreformen in den deutschen Diözesen besteht darin, daß die Gründe für den pastoralen Zusammenbruch tabuisiert werden.
(kreuz.net) Anfang September berichtete Prälat Christoph Casetti – Kanonikus der Kathedrale in Chur und
Pressesprecher der Diözese – in der katholischen Zeitung ‘Tagespost’ über die jüngste ‘Internationale
Theologische Sommerakademie’ in Aigen, Oberösterreich.
Die Veranstaltung fand vom 31. August bis 2.
September statt. Sie stand unter dem Titel „Glaubenskrise und Seelsorgekrise. Wie geht es mit der Seelsorge
weiter?“
Die Tagung wird sei über zwanzig Jahren vom Linzer Priesterkreis organisiert.
Prälat Casetti
stellte seinen Artikel unter den Titel „Strukturreformen können einer Neuevangelisierung im Wege stehen“.
Er bezeichnet es als Stärke der Tagung, die Bildung von Seelsorgeräumen und die kooperative Pastoral
nicht nur vom Organisatorischen, sondern von verschiedenen Standpunkten beleuchtet zu haben.
Die Referenten
hätten deutlich gemacht, daß auf die pastoralen Schwierigkeiten nicht mit pragmatischen Rezepten angegangen
werden könnten. Zunächst seien die Gründe für die Glaubenskrise zu erheben.
Der Umbau konstruiert
eine andere KircheGeneralvikar Markus Walser aus der Erzdiözese Vaduz wies auf innerkirchliche Gründe
des Glaubensverfalls hin. In der Verkündigung würden seit Jahrzehnten wesentliche Glaubensaussagen verschwiegen.
An Beispielen nannte er die Bestattungsliturgie und den Ritus der Kindertaufe. Damit konnte er zeigen,
„daß der Glaubensverfall bis ins Innerste der Kirche, bis in die Liturgie eingedrungen ist“ – faßt Prälat
Casetti zusammen.
Der emeritierte Augsburger Dogmatiker, Hw. Anton Ziegenaus, sprach von einer Identitätskrise
des Priesters. Er führte sie auf eine Akzentverschiebung auf das Soziologische zurück. Vorausgegangen
seien dieser Entwicklung theologische Defizite.
Hw. Johannes Nebel von der Vorarlberger Gemeinschaft
‘Das Werk’ befaßte sich mit dem Priestertum in der Theologie von
Leo Kardinal Scheffczyk († 2005) – ein
Gründervater der Sommerakademie.
Vertreter des deutschen ‘Netzwerks katholischer Priester’ zeigten nach
Angaben von Prälat Casetti „auf eindrückliche Weise“ die Fakten und Folgen des Umbaus der Seelsorgestrukturen
im deutschen Sprachraum auf.
Dabei wurde der Verdacht geäußert, daß hinter den Umbauten auch „der
Wunsch nach einer anderen Kirche, anderen Formen der Gemeindeleitung und der Seelsorge“ stünden.
Es
sei zu erkennen, dass das Bild des Pfarrers und Priesters verschwimme.
Man scheue auch nicht vor Reformen
zurück, die mit den Normen der Kirche nicht übereinstimmten – etwa die unbefristete Ernennung von Pfarradministratoren
und die frühere Pensionierung als im Kirchenrecht vorgesehen.
Verflüchtigung der Führungsstruktur
Der Autor und Mitarbeiter der Diözese Augsburg, Peter Christoph Düren, zeigte die Gefahren der pastoralen
Umstrukturierungen am Beispiel des Bistums Aachens auf.
Dort werden 35 Großpfarreien und 71 „Gemeinschaften
der Gemeinden“ gebildet. Die Verantwortung für die Seelsorge in diesen Räumen tragen „Pastoralteams“.
Das führt nach Düren zum Verschwinden des Pfarrers und der Pfarrei im bisherigen und auch im kirchenrechtlichen
Sinn.
Kaplan Winfried Rohr aus Regensburg analysierten die Vorstellung von „Struktur“, die in bei dem
Umbau vorausgesetzt wird.
Während „Struktur“ früher vom Inhalt her begründet worden sei, werde das
Wort heute äußerlich verstanden. Damit würden die Träger von Funktionen auswechselbar.
Der Eichstätter
Psychotherapeut Georg Muschalek stellte fest, daß die Strukturreformen den wirklichen Bedürfnissen vor
allem der Laien nicht gerecht werde.
Sie versuchten einfach, den Herausforderungen der heutigen Kultur
zu entsprechen. Doch der heutige Mensch habe aber ein tiefes Bedürfnis nach Sakralität, nach Stille
und Gebet.
Der österreichische Pfarrer und Kirchenhistoriker, Hw. Ignaz Steinwender, betonte, daß die
einfache Verwaltung des Mangels noch keine Glaubenserneuerung ist.
Nach Angaben von Prälat Casetti bestand
das Fazit der Tagung in Aigen darin, daß notwendige Strukturreformen sehr behutsam angegangen werden
müssen:
„In manchen Planungen scheint eine Ideologie enthalten, welche dem Wesen der Kirche und ihrer
hierarchischen Verfassung widerspricht.“
Darum müsse nicht nur am Pfarreiprinzip festgehalten werden,
sondern vor allem der Pfarrer als Hirte seiner Pfarrei gestärkt werden.
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