Benedikt XVI.
Mehr als eine Erbauungsschrift?
Die jüngste Sozialenzyklika hat bisweilen Probleme, von der unreflektierten Ebene der reinen Behauptungen wegzukommen. Von Universitäts-Dozent Friedrich Romig.
(kreuz.net) In Paragraph 31 erklärt die Sozialenzyklika ‘Caritas in veritate’ von Papst Benedikt XVI., daß die Soziallehre der Kirche „eine wichtige interdisziplinäre Dimension“ besitze:

„Sie gestattet dem Glauben, der Theologie, der Metaphysik und den Wissenschaften ihren Platz innerhalb ihrer Zusammenarbeit im Dienst am Menschen zu finden“.

Doch wie ist dieser Platz im System der Soziallehre im einzelnen zu bestimmen?

Welche Vorrangverhältnisse bestehen? Auf welche Weise „durchdringen“ Glaube, Theologie und Metaphysik die Wissenschaften – etwa die Politikwissenschaft?

Wie kommt es zu der von ‘Caritas in veritate’ erstrebten „richtungsweisenden Synthese“, die „zu einer klaren Konzeption auf wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem und geistigem Gebiet“ führt? Wie sieht dieses Konzept aus?

Muß ein solches Konzept nicht von der im Zweiten Vatikanum aufgenommenen Aussage von Pius XII. ausgehen, wonach die Kirche das „Lebensprinzip der Gesellschaft“ ist?

„Die Philosophie muß sich hüten, erbaulich zu sein“ – sagt der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel († 1831).

Gilt das nicht auch für die katholische Gesellschafts- oder Soziallehre, die wissenschaftlich-systematischen und nicht bloß pastoralen Anspruch erhebt?

Der Autor lehrte politische Ökonomie in Wien, Graz und Aachen. Er erhielt für seine Habilitationsschrift den Kardinal Innitzer-Förderpreis und war Mitglied der Europakommission der ‘Österreichischen Bischofskonferenz’. Letzte Publikation: „Prava naroda“ (Die Rechte der Nation), Bratislava 2008.

Nächstes Mal: Systemlosigkeit und Verschwommenheit
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Keine Einmischung der Kirche in staatliche Belange? 2. Eine Soziallehre aus Bruchstücken?
3. Mehr als eine Erbauungsschrift?
4. Systemlosigkeit und Verschwommenheit 5. Vatikanische Tipps für einen folgenreichen Konkurs? 6. Nur der Tod ist Demokrat 7. Wie anders als durch die Setzung von Grenzen? 8. Fürchtet sich der Vatikan nicht vor dem „Bürgermeister“ der City of Man?
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#14   eigerhar †   13:44:37 | Donnerstag, 17. September 2009
und damit nicht zum Uni-Personal gehörig
@Varmo-Sozzi
Das wäre ja ein gutes Zeichen.
Ein politisch vernünftiger Denker wird nie zum Universitäts-Personal gehören.
Und was ist Ihre Rolle im „Universitäts-Personal“?
Klo-Putzer?
Redaktion benachrichtigen
#13   ihrseidnichtkatholisch   07:43:43 | Donnerstag, 17. September 2009
Die Frage ist…
… ob der Mann überhaupt Privatdozent ist oder dort als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet hat… :-D
Redaktion benachrichtigen
#12   Caldonazzi †   00:31:37 | Donnerstag, 17. September 2009
Romig ist auf den (kreuz.net-)Hund gekommen! Auf den Seiten der Unis von Wien, Graz und Aachen
scheint er ein unbenanntes Gespenst zu sein.
Romig ist bloß Privatdozent (bloße Lehrbefugnis – venia docendi) und damit nicht zum Uni-Personal gehörig.
Er war 2 Jahre lang während der EU-Beitrittskampagne Europabeauftragter von Bischof Krenn und nur in dieser Funktion Mitglied der Europakommmission der Bischofskonferenz. Die FPÖ-Nähe von Krenn war ja kein Geheimnis.
Mit dem unrühmlichen Abgang von Krenn ist auch Romigs „offizielle“ Karriere in der kath. Kirche beendet.
Heute ist Romig nur mehr Ezzesgeber für den Neonazirand der FPÖ.
Wissenschaftlich ein Trottel, aber sicher der radikalste Rechtsextremist unter den „Katholiken“.
Passt doch perfekt zu kreuz.net.
o^/ o^/ o^/ o^/ o^/
Redaktion benachrichtigen
#11   eigerhar †   23:20:43 | Mittwoch, 16. September 2009
Sorry
@Brandenburgis
Tut mir leid!
Aber im Althochdeutschen hatte man die Gewohnheit bei Frauennamen die Endung -is hinzuzufügen, während man sie bei Männern wegliess.
Redaktion benachrichtigen
#10   Brandenburgis   21:27:10 | Mittwoch, 16. September 2009
„Brandenburgis“
ist eine maskuline BIldung!
Redaktion benachrichtigen
#9   eigerhar †   20:50:31 | Mittwoch, 16. September 2009
Ein Satz mit grosser Wirkung
@Brandenburgis
Ihr Zitat ist durchaus mit meinen Wunschvorstellungen einer intakten Gesellschaft vereinbar.
In einer Frauenrunde äussere ich diesen Satz aber besser nur, wenn ich mich auf unfreundliche Weise für immer verabschieden will.
Deshalb wundert es mich das aus dem Munde einer Frau zu hören.
Redaktion benachrichtigen
#8   Arkanum/kreuts.net †   20:44:24 | Mittwoch, 16. September 2009
ja, freddie, das fällt in der Tat auf …
entweder will man sich damit schmücken oder den Leser mit einer nicht mehr ganz aktuellen Information beliefern, was ihn davor bewahrt, zu googeln und die frischeren Schoten www.hagalil.com/01/de/Europa.php?itemid=320 zu finden …
oder wird am Ende gar eine „Bekehrungsgeschichte“ daraus? :-S
Redaktion benachrichtigen
#7   eigerhar †   20:36:10 | Mittwoch, 16. September 2009
Hegels Philosophie nicht erbaulich
Auf jeden Fall ist sicher, dass Hegels Philosophie nicht erbaulich war.
Weltfremd war sie aber gerade wegen ihrer die Realität auschliessenden Systematik und Theorie.
Die Gesellschaft leidet noch heute unter der realitätsfremden Systematik mit der Hegel die Welt überziehen wollte, völlig eingleisig.
Ob die Aussage „Die Kirche ist Lebensprinzip der Gesellschaft“ konkretere Anweisungen beinhaltet als die Enzyklika wage ich auch zu bezweifeln.
Redaktion benachrichtigen
#6   clarissa colonia   20:35:27 | Mittwoch, 16. September 2009
Nun ja,
das klingt aber sehr nach Quadragesimo anno …
Redaktion benachrichtigen
#5   freddie schenk   20:33:43 | Mittwoch, 16. September 2009
Dennoch, Arkanum,
ist interessant, dass die Redakzion einen solchen Hinweis druckt. Klingt ja fast so, als wollten die sich damit schmücken, dass jemand, der zumindest mal bei/in der richtigen katholischen Kirche mitgemischt und sogar für die ÖBK gearbeitet hat.
Redaktion benachrichtigen
#4   Arkanum/kreuts.net †   20:29:10 | Mittwoch, 16. September 2009
man darf, freddie,
wenn man jetzt auf Linie www.kreuz.net/?search=%22frie… ist.
Übrigens fällt auf, daß die Artikel von „Leo G. Schüchter“ immer seltener werden, seit die ihnen bis aufs i-Tüpfelchen gleichenden Beiträge von Romig hier zur Regelmäßigkeit geworden sind …
ein Narr, wer Böses dabei denkt. ;-) ^-^
Das wäre mal was für eine linguistische Analyse …
Redaktion benachrichtigen
#3   Brandenburgis   20:28:09 | Mittwoch, 16. September 2009
Zentraler Bestandteil der kirchlichen
Soziallehre ist folgender Satz:
„Familienmütter sollen in ihrer Häuslichkeit und dem, was dazu gehört, ihr hauptsächliches Arbeitsfeld finden in Erfüllung ihrer hausfraulichen Obliegenheiten. Daß dagegen Hausfrauen und Mütter wegen Unzulänglichkeit des väterlichen Arbeitsverdienstes zum Schaden ihres häuslichen Pflichtenkreises und besonders der Kindererziehung außerhäuslicher Erwerbsarbeit nachzugehen genötigt sind, ist ein schändlicher Mißbrauch, der koste es, was es wolle, verschwinden muß.“
Einen Papst, der dies nicht in seinen „Enzykliken“ wiederholt bzw. fortschreibt, den nenne ich einen Lügner. Benedikt lügt.
Redaktion benachrichtigen
#2   freddie schenk   20:22:28 | Mittwoch, 16. September 2009
Pfui „so einer“ darf hier schreiben???
Der Autor … war Mitglied der Europakommission der ‘Österreichischen Bischofskonferenz’.
Redaktion benachrichtigen
#1   eigerhar †   19:44:25 | Mittwoch, 16. September 2009
Die Systematik der Soziallehre ist nicht Aufgabe der Kirche
Hier stimme ich vollständig mit der Enzyklika überein.
Die Kirche liefert keine Soziallehre. Sie strukturiert von ihrem Verständnis her und das sind die Glaubenslehren.
Deshalb kann sie allenfalls Elemente einer Soziallehre liefern.
In die einzelnen Soziallehren konkreter Länder und besonderer Geschichte mischt sie sich nicht ein.
Das ist richtig gesehen.
(Noch etwas: Auch ich fand den Wahlspruch von Franz von Sales „Veritas in caritate“ sehr hart, obwohl er biblisch ist. Die Umkehrung war auch mir sympathischer.)
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Benedikt XVI.Sinnloses Politikergeschwafel Benedikt XVI.Der Lateinische Text fehlt Benedikt XVI.Bundestagsrede von Angela Merkel? Benedikt XVI.Der Papst ist ein Gotteslästerer Benedikt XVI.Gottlose Superparty Benedikt XVI.Politisch pflegeleicht und nach innen beliebig Papst-BuchWer soll das verstehen? Benedikt XVI.Der Futtertrog als Sinnbild des Altares Benedikt XVI.Papst für EU-Beitritt der Türkei Benedikt XVI.Diese Rede wurde wirklich gehalten Benedikt XVI.Der Papst hofft, daß alles wieder in Ordnung kommt Papstmesse in RegensburgRückkehr zur guten alten Apologetik Papstpredigt in AltöttingDer erschütterte Hirte Papstpredigt in MünchenDie Rache Gottes wird kommen Benedikt XVI.Zurück zum stillen Kanon?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net