Guten Morgen, Amerika!
Eine knappe Woche nach den Präsidentschaftswahlen sind die Vereinigten Staaten mit ihrem alten Präsidenten und vielen Wahlversprechen erwacht. Eine Wahlanalyse aus den USA.
(kreuz.net) Die Wahlen in den USA sind vorüber. Eine Mehrheit der US-amerikanischen Katholiken soll den
Republikanischen Kandidaten George W Bush gewählt haben. Es drängt sich nun die leidige Frage auf: Werden
Bushs Versprechen halten oder sich als leere Seifenblasen erweisen?Vermutlich sind die meisten Katholiken in Amerika vom Ergebnis der amerikanishen Wahlen erfreut. Nichtrepräsentative Umfragen zum Wahlausgang zeigten, daß eine knappe Mehrheit der Katholiken George W Bush gewählt hat. Dieses Faktum – vorausgesetzt es ist korrekt – unterstreicht die erfolgreichen Bemühungen der Republikaner, Wähler zu gewinnen, die sich besonders um die Moral der Nation sorgen: etwa um die Abtreibung, die militante homosexuelle Bewegung oder die Forschung mit Stammzellen.
Die amerikanischen Wähler, denen es um eine „Kultur des Lebens“ geht, dürfen sich freilich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Eine Wahl zu gewinnen ist eine Sache, sogar eine sehr entscheidende. Aber die Gunst der Stunde zu nutzen und für die Umsetzung der Wahlversprechen zu sorgen, ist etwas ganz anderes. In diesem Punkt offenbart sich ein großes Manko der Lebensschutzbewegung.
In den letzten 30 Jahren haben immer wieder sogenannte Pro-Life Kandidaten die amerikanische Präsidentsschaftswahlen gewonnen. Dennoch ist die Abtreibung in den USA heute tiefer verankert als jemals zuvor.
Was ist schief gelaufen bei den Lebensschützern und was kann getan werden, um die Dinge zu verändern?
Kaum war das Wahlergebnis bekannt, wurde dem Anliegen der amerikanischen Pro-Life Bewegung sogleich vor die Füsse geschossen. Der Schuss kam von einem republikanischen Senator aus Pennsylvania, Arlen Specter. Dieser Senator verkündete der Welt, daß das Weiße Haus keine Pro-Life Richter in den Obersten Gerichtshof berufen werde. Senator Specter ist selbst ein berüchtiger Kämpfer für die Abtreibung und wurde in seinem Wahlkampf für den Senat von Präsident Bush unterstützt. Er ist nicht irgendein Senator, sondern der designierte Vorsitzende des „Komitees für die Ernennung von Richtern“ im US-amerikanischen Senat. An Specter kommt keine Richterernennung des alt-neuen Präsident vorbei.
Die Reaktion auf Senator Specters deutliche Aussage kam prompt. Der ehemalige Bischof von Corpus Christi (Texas), Bischof Rene Gracida (81), der in den 50er Jahren an der Universität von Fribourg in der Schweiz studierte, rief die Lebensschützer auf, es nicht zuzulassen, daß der Abteibungsbefürworter Specter die Leitung des „Komitees für die Ernennung von Richtern“ übernehme. Innerhalb kürzester Zeit waren die Büros des Senats mit Beschwerden überschwemmt. Senator Specter kam unter Druck.
Sogleich waren aus Specters Büro und von Seiten seiner Senatskollegen mildere Töne zu vernehmen. Spector habe nicht gemeint, daß Lebensschutz-Richter unwillkommen seinen. Er habe nur zum Ausdruck bringen wollen, daß derartige Nominierungen den Widerstand der Abtreibungslobbyisten hervorrufen würden.
Eine glaubwürdige Rechtfertigung?
Senator Arlen Specter ist ein alter Fuchs, der auf eine langjährige politische Erfahrung zurückblickt. Er wußte sehr genau, was er mit seiner Äusserung zu zukünftigen Pro-Life-Richter anstellte. Specters Stellungnahme war darum eine gezielte Warnung an seine republikanischen Parteigenossen und der Lebensschutzbewegung als ganze.
George W. Bushs Antwort auf die Provokationen seines Parteifreundes Specter wird zeigen, ob der alt-neue Präsident die herrschende Kultur des Todes wirklich bekämpfen will, ob Lebensschützer die Pro-Death-Politiker zur Verantwortung ziehen können und vor allem, ob Bush tatsächlich beabsichtigt, der immer breiter werdenden politischen Akzeptanz der straffreien Kinderabtreibung entgegenzutreten oder nicht.
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