10:46:29 | Mittwoch, 30. September 2009
Am 12. Juni dieses Jahres schickte der zuständige Bischof von Mostar-Duvno einen Brief an den Pfarrer von Medjugorje, Pater Petar Vlašić.
Hochwürdiger Pfarrer, Pater Petar
Nach meiner Visitation vom Mittwoch, dem 10. Juni, in der Pfarrei
Medjugorje, in der neun weitere Franziskanerpater mit Dekreten, die von dieser Kurie ausgestellt wurden,
mit ihnen die Seelsorge teilen, möchte ich mich jetzt auch noch auf diese Weise auf einige Punkte beziehen.
Da sie der gegenwärtige Pfarrer sind, der als solcher seit September 2007 tätig ist, drücke ich meine
ehrliche Dankbarkeit für die saubere Führung der Pfarreibücher und anderer Dokumente aus.
Für einen
Pfarrer wie für einen Bischof ist es wesentlich, nicht nur das Munus docendi und das Munus sanctificandi,
sondern auch das ihm anvertraute Munus gubernandi gut auszuführen.
Munus docendi (Lehre)Es gilt weiterhin
die Vorschrift, daß auswärtige Priester in der Pfarrei Medjugorje ohne die Genehmigung dieser Kurie
keine Einkehrtage, Exerzitien oder Vorträge halten dürfen.
Ebenso dürfen weder auswärtige noch einheimische
Priester in der Pfarrkirche oder in kirchlichem Umfeld die angeblichen „Botschaften“ und „Erscheinungen“
verbreiten, die nicht für authentisch erklärt worden sind.
Munus sanctificandi (Liturgie)Es ist löblich,
daß Sie von jedem Priester, der die Heilige Messe in Medjugorje feiern will, das Celebret seines kirchlichen
Oberen verlangen und daß sie seit Beginn dieses Jahres alle Konzelebranten in einem besonderen Buch eintragen.
Ebenso haben Sie mir gesagt, daß die Gemeinschaft „Oase des Friedens“ nach dem Einschreiten dieser Kurie
vom 15. Dezember 2008 das Allerheiligste nicht mehr privat in ihrer Kapelle aufbewahrt und keine Anbetung
mehr hält, die bisher auf eigene Rechnung stattfand.
Als Ordensgemeinschaft hat die Gemeinschaft nicht
das Recht, auf dem Gebiet dieser Diözese zu residieren.
Munus gubernandi (Leitung)Sie haben mich informiert,
daß die Kirche in Bijakovići, die seinerzeit von einem ausländischen Gläubigen wegen eines Gelübdes
ohne die notwendige Erlaubnis durch die zuständigen kirchlichen Behörden errichtet wurde, gegenwärtig
geschlossen ist und in ihr keine liturgischen Handlungen durchgeführt werden.
In der Chronik der Pfarrei
haben sie auch mit der richtigen Terminologie all das versucht festzuhalten, was zu der Pfarrei als pastorale
Einheit dieser Diözese gehört ohne Rücksicht auf die Geschichten über „Seher“, „Erscheinungen“ und
„Botschaften“, die mit dieser Pfarrei verbunden sind.
„Das Phänomen von Medjugorje“Die Pfarrei Medjugorje
darf nicht Sanktuarium genannt werden, nicht privat, nicht öffentlich und nicht offiziell, weil sie auf
keiner zuständigen kirchlichen Ebene als solches anerkannt ist.
Diese Bezeichnung darf nicht auf der
Webseite von „Medjugorie – Ort des Gebets und der Versöhnung“ aufscheinen, wo man diese gegenwärtig
an mehreren Stellen findet. In einer Information der Webseite, auf der nicht einmal zu sehen ist, wer
dafür verantwortlich ist, gibt es diesen Hinweis:
„Um jedes Mißverständnis auszuschließen, möchten
wir betonen, daß das Sanktuarium niemandem den Auftrag gegeben hat, Medjugorje zu repräsentieren. Das
Sanktuarium hat keiner Gemeinschaft oder Person, weder in Medjugorje noch außerhalb beauftragt, die Botschaften
der Gospa zu verbreiten oder zu interpretieren. Alle diese Initiativen sind privat und spontan von Gläubigen
und Gemeinschaften ausgegangen.“
Aus dieser Information könnte man sogar schließen, daß sich die Webseite
selber als „Sanktuarium“ bezeichnet und auch die zuständige Stelle wäre, um die Welt [über Medjugorje]
zu unterweisen.
Als Ortsordinarius erklärte ich mit diesem Schreiben, daß das sogenannte „Sanktuarium“
nicht beauftragt ist, sich als „Sanktuarium“ zu bezeichnen.
Von Ihnen und allen Franziskanerpatres, die
in der Seelsorge von Medjugorje tätig sind, verlange ich offiziell, die Benennung „Sanktuarium“ nicht
zu verwenden und die Pfarrei nicht mit einem solchen Titel zu bezeichnen, weil sie nicht die kirchliche
Sendung haben, im Namen von Medjugorje aufzutreten oder die „Erscheinungen“ und „Botschaften“ von Medjugorje
zu verbreiten oder zu interpretieren.
Die Kommentierung der „Botschaften“Ich habe vor Ihnen und einem
anderen Vikar mit Pater Danko Perutina gesprochen, der die „Botschaften“ der „Erscheinungen“ des 25. jeden
Monats kommentiert und publiziert.
Es wurde gesagt, daß er die „Botschaften“ von der „Seherin“ Marija
aus Italien oder aus Medjugorje erhält, wenn sie sich an diesem Ort aufhält, und diese anschließend
präsentiert, kommentiert und verbreitet.
Das widerspricht der Entscheidung und der Forderung der Kurie,
besonders nach der Erklärung vom 10. Juni 2006, die ich am 6. Juni 2009 in der Pfarrkirche wiederholt
habe.
Das CenaloloSeit unserem Einschreiten vor Weihnachten des vergangenen Jahres gibt es im Hof des
Cenacolo keine privaten „Erscheinungen“ an die angebliche Seherin Mirijana Dragićević, verheiratete
Soldo, jeden zweiten Monat.
Die Vereinigung „Kraljice mira“Ich bin während des Treffens informiert
worden, daß es in der „Vereinigung“ des Gründers Tomislav Vlašić in Medjugorje, die ebenfalls keine
Erlaubnis besitzt, sich auf dem Gebiet dieser Diözese aufzuhalten, einige männliche und weibliche Mitglieder
gibt, die sich zivil kleiden.
Gebete in einer bestimmten AnzahlIm September 2007, anläßlich ihrer
Amtseinführung als Pfarrer, habe ich darauf hingewiesen, daß die sogenannten „Seher“ zu keinem Anlaß
in der Kirche auftreten dürfen, um ihre „Erscheinungen“ oder privaten „Botschaften“ zu verbreiten, auch
nicht indem sie selber oder jemand an ihrer Stelle, die Rezitierung einer gewissen Anzahl von Gebeten,
die in einer „Erscheinung“ „empfangen“ wurden, vornehmen.
Man darf also nicht die von der Kirche anerkannten
Gebet des Evangeliums verwenden, um eine gewisse „Quantität von Gebeten“ oder „Botschaften“ der privaten
„Erscheinungen“ einzuführen.
Die Intentionen des RosenkranzesEs ist auch nicht erlaubt, während der
Gebete des marianischen Rosenkranzes in der Kirche Intentionen einzuführen, die in einer „Erscheinung“
oder „Botschaft“ empfangen wurden.
Es gibt genügend offizielle kirchliche Intentionen (des Papstes,
der Bischöfe, der Missionen). Es ist nicht notwendig, sich willkürlich auf angebliche Erscheinungen
und Botschaften zu beziehen und sie mit den öffentlichen Gebeten der Kirche zu mischen.
Jahrestage
Es ist nicht erlaubt, die „Seher“ oder die „Seherinnen“ zu irgendeiner Zeit – besonders anläßlich der
„Erscheinungen“ in Medjugorje in die Pfarrkirche oder in irgendeinem kirchlichen Rahmen einzuladen, damit
sie ihre privaten „Botschaften“ und „Erscheinungen“ verbreiten.
Wir wollen folglich das Nicht-Anerkannte
nicht mit dem Anerkannten, das Private nicht mit dem Offiziellen und das Nicht-Liturgische nicht mit dem
Liturgischen mischen.
Dankbar für das, was sie zusammen mit den anderen Patres dieser Pfarrei für das
Wohl der Seelen unternehmen, und weil sie klar zwischen der Seelsorge der „Erscheinungen“ und den privaten
„Botschaften“ unterscheiden, grüße ich Sie mit Hochachtung.
+ Bischof Ratko Peric von Mostar-Duvno
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