Benedikt XVI.
Vatikanische Tipps für einen folgenreichen Konkurs?
Mit Bedenken und moralischen Appellen wird die Sozialenzyklika des Papstes nicht viel bewirken. Von Universitäts-Dozent Friedrich Romig.
Präsentation der Enzyklika 'Caritas in veritate' in London
Präsentation der Enzyklika ‘Caritas in veritate’ in London
© Catholic Church (England and Wales), CC
(kreuz.net) Die Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. geht im Paragraph 36 davon aus, daß moralische Appelle in einer Marktwirtschaft „egoistische Interessen“ und „antisoziale“ sowie „zersetzende Tendenzen“ des Marktes zügeln können.

Doch führt der durch solche Appelle angeregte Verzicht auf „Geschäftsdenken“ in einer globalisierten Marktwirtschaft nicht geradewegs in den Konkurs?

Kann man auf die „soziale Verantwortung“ des Unternehmens bauen und verlangen, bei „Auslagerung der Produktionstätigkeit“ ins Ausland die Interessen der inländischen Arbeitnehmer, Zulieferer, Konsumenten, Umwelt, Gemeinden und nicht nur die Interessen der Aktionäre zu berücksichtigen – „die nicht an einen Ort gebunden und daher außerordentlich beweglich sind“ – wie der Papst in Paragraph 40 der Enzyklika schreibt?

Glaubt man mittels moralischer Appelle die Forderung durchsetzen zu können, daß das Kapital nur an dem Ort zu investieren sei, an dem es hervorgebracht wurde?

Genügt eine „Einladung“, ernsthaft „zu bedenken, welchen Schaden es dem eigenen Land zufügen kann, wenn Kapital nur zum persönlichen Vorteil ins Ausland geschafft wird“?

Widerspricht ein solches „Bedenken“ nicht dem hochgepriesenen Prinzip des freien Kapitalverkehrs?

Wären nicht staatliche Kapitalverkehrskontrollen zu fordern und durchzusetzen, statt nur auf „Bedenken“ und moralische Appelle zu rekurrieren?

Der Autor lehrte politische Ökonomie in Wien, Graz und Aachen.

Nächstes Mal: Nur der Tod ist Demokrat
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Keine Einmischung der Kirche in staatliche Belange? 2. Eine Soziallehre aus Bruchstücken? 3. Mehr als eine Erbauungsschrift? 4. Systemlosigkeit und Verschwommenheit
5. Vatikanische Tipps für einen folgenreichen Konkurs?
6. Nur der Tod ist Demokrat 7. Wie anders als durch die Setzung von Grenzen? 8. Fürchtet sich der Vatikan nicht vor dem „Bürgermeister“ der City of Man?
      
16 Lesermeinungen
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#17   Blaukohl   22:15:18 | Montag, 5. Oktober 2009
Effekte einer versuchten Konkursabwendung
also wie man mit in einer Konkurssituation noch Geld machen kann und welche Folgen das hat, hat die RKK ja schon am eigenen Leibe verspürt:
Päpste halten prunkvoll Hof wie Renaissancefürste und beschäftigen die berühmtesten Künstler seiner Zeit. Bauen die größten Kirchen wie der Petersdom in Rom. Dumm nur, dass sie als Kirchenstaat total pleite waren.
Also was tun: Seelenheil verkaufen !
Mit der Idee haben sie unermessliche Reichtümer aus dem nichts geschaffen. Der Ablasshandel war entstanden! Nein, man kaufte sich nicht nur selbst aus dem Fegfeuer heraus, nein auch die verstorbenen Eltern, der tote Großvater, die was auch immer. Der Preis um sich aus der ewigen Verdammnis freizukaufen dürfte wohl etwas höher gewesen sein als ein einfaches Fegfeuer-Vermeidungspaket. Die moralischen Bedenken der damaligen Päpste dürften sich in Grenzen gehalten haben.
Nur dummgelaufen: das hat sie doch glatt in die wohlbegründete Reformation geführt !
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#16   Matthäus drei+ †   23:06:26 | Sonntag, 4. Oktober 2009
@Paulaner
Paulaner: Der Staat mit seinen Steuerungsideen ist nur an der Sahne interessiert, die er dabei abschöpft.
Die Steuerungsfunktion selber ist ihm schnurzpiepegal.
Nein, das ist falsch! Weil sich die Parteien den Staat zur Beute gemacht ahben, wird von der Steuerpolitik genau die Klientel profitieren, deren Vertreter im Parlament sitzen. Und diese Klientel sind nicht die schlechterverdienenden Arbeiter und Angestellten, die am oder unterm Existenzminimum herumkrebsen, oder arbeitslose Hartz IV-Empfänger, sondern wohlbestallte Ärzte, Rechtsanwälte, hohe Beamten und vor allem steuerflüchtende Selbständige.
Die allein erziehende Witwe mit zwei grundschulpflichtigen Kindern gehört da nur in absoluten Ausnahmefällen dazu.
Die Umverteilung von unten nach oben wird massiv beschleunigt werden und das wird die Anzahl der Abtreibungen ebenfalls massiv nach oben treiben.
Aber die selbst ernannten „Lebensschützer“ wollen solche Zusammenhänge ja nicht sehen. Die Konsequenzen, die sie daraus ziehen müssten, wollen Sie sich wohl nicht zumuten.
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#15   Paulaner †   22:21:50 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Der Staat mit seinen Steuerungsideen ist nur an der Sahne interessiert, die er dabei abschöpft.
Die Steuerungsfunktion selber ist ihm schnurzpiepegal.
Auch bisher hatte der Staat jede Menge Kontrollmechanismen, zB. die Banken, aber er hat immer nur in dem Sinn kontrolliert, was die staatlichen Einnahmen betrifft. Selbst jetzt in der Finanzmisere ist dem Finanzmisere als erstes die großartige Kontrollmethode eingefallen: die Steuerschlupflöcher in anderen Staaten stopfen.
Der Staat hat den Banken übrigens zur Sanierung nur Geld geliehen oder gebürgt, nicht gegeben!
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#14   Schalom   21:55:35 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Da schreien potentielle Henker: „ Mordanschlag“
Euere Saat geht treudoof auf !
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#13   Matthäus drei+ †   21:49:30 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Gier! Nach Geld! (die Spekulanten) Nach Macht! (die Kirche)
Kreuz.net:
Wären nicht staatliche Kapitalverkehrskontrollen zu fordern und durchzusetzen, statt nur auf „Bedenken“ und moralische Appelle zu rekurrieren?
Genau das fordert inDeutschland die Linke. Aber die fürchtet man ja auf kreuz.net wie den leibhaftigen Gottseibeiuns. Oder selbiger das Weihwasser! LOL!
Gottsuchender: Spekulation!
Ich bekomme nur massiv Probleme, wenn sich entweder die Linke oder auch gerne die Kirche als Moralapostel aufspielen.
Haben Sie Angst davor, dass Ihnen die Linken Ihre Villa im Tessin wegnehmen will? www.artnet.de/…t03-20-08_detail.asp?picnum=8
Brandenburgis: Mein lieber „Gottsuchender“
Früher zahlte man den Zehten, heut läßt man ihn uns. Mit deinem Segen, du Ausbeuterschwein.
Ich wäre glücklich, wenn man mir von meinem Arbeitslohn nur den „Zehnten“ Teil abziehen würde. Aber angesichts der neuen christlich-bürgerlichen Regierung werde ich wohl die Einkommenserhöhung für meine Chefs über Erhöhungen der allgemeinen Steuern berappen müssen; weil deren „Leistung muss sich ja wieder lohnen“ …vaperipheria.blogspot.com/; aber die Leistungen allein erzieheneder Mütter, die keine Anstellung finden wegen der Kids, eher nicht.
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#12   Legolas der Schnelle   21:49:29 | Sonntag, 4. Oktober 2009
MORDANSCHLAG AUF VOLKSTREUEN DEUTSCHEN:
www.dvuberlin.de/
de.altermedia.info/…-04-10-09_36009.html
Gegen jede Form des Extremismus!
Deutsche wacht auf!
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#11   Paulaner †   20:57:37 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Diese Banalaität hat mir auch meine Katze in die Tastatur getippt bevor sie entfleuchte.
Gottsuchender: Spekulation!
Keine Frage, die Ursache der Finanzkrise ist die Habgier. Unschuldige Menschen müssen für die Gier weniger bezahlen.
:-D
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#10   Schalom   20:51:07 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Der werte Herr r.ruhrgebietler hat ja seinen Konkurs schon längst hinter sich
Auch ohne V 2.
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#9   Gottsuchender †   20:45:19 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Spekulation!
Keine Frage, die Ursache der Finanzkrise ist die Habgier. Unschuldige Menschen müssen für die Gier weniger bezahlen.
Ich bekomme nur massiv Probleme, wenn sich entweder die Linke oder auch gerne die Kirche als Moralapostel aufspielen.
So ist ein Schreiben an den Bischof von Lisieux (1194) dokumentiert:
„Bereits sind Tausende von Armen an Hunger und Not gestorben, und noch nicht auf einen einzigen hast Du Deine wohltätige Hand gelegt… Die Ernte verdirbt bereits auf den Feldern und Du, Du hast noch nicht einen einzigen Armen getröstet. Du hast zwar vor Deine Speicher zu öffnen, aber nicht um das Elend der Bedrängten zu lindern, sondern um teuer zu verkaufen.“
Spekulation ist also keine Erfindung der Neuzeit!
Zum Vergleich: Im elften Jahrhundert besass ein Kloster wie das Stift St. Florian Koblenz laut Aufzeichnungen 11.860 Bauernhöfe! Ein wahnsinniger Reichtum zur damaligen Zeit!
Und wenn ich mir die Residenz www.kreuz.net/des Würzburger Bischofs ansehe, so kenne ich KEINEN
Konzernchef oder Investmentbanker der so oppulent das Geld verprasst und gleichzeitig die eigenen Leute in derartiger Armut leben lässt.
Somit wünsche ich mir von den Katholiken etwas Distanz bei der jetzt gezeigten moralischen Entrüstung. Etwas Selbstkritik wäre durchaus angebracht!
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#8   r.ruhrgebietler   20:44:24 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Vatikanische Tips für einen folgenreichen Konkurs?
ganz einfach : V-II
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#7   Fridericius †   19:08:03 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Tja, Gottsuchender – da finden Sie Ihn nicht.
In den Auswürfen der offiziellen katholischen Kirche, also in deren „Sozialenzykliken“ und ähnlichen gesetzesartigen Texten, werden Sie Gott nicht finden. Der höhere Klerus (und lustigerweise ganz unabhängig von der jeweils verehrten Gottheit) biss noch nie in die Hand die ihn fütterte – seis im Mittelalter (wo wohl Ihre Zitate herstammen) oder sonstwann.
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#6   Paulaner †   18:28:47 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Der Staat ist zu viel selber Unternehmer und Monopolist,
Wären nicht staatliche Kapitalverkehrskontrollen zu fordern und durchzusetzen, statt nur auf „Bedenken“ und moralische Appelle zu rekurrieren?
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#4   Gottsuchender †   18:26:49 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Soziallehre und Katholizismus
Wer heute von katholischer Soziallehre spricht, der muss sich doch fragen, warum der Katholizismus die Missstände von Knechtschaft und Leibeigentum über viele Jahrhunderte nicht bekämpft sondern massiv unterstützt hat!
So verkündete bspw der Bischof von Worms:
„Wegen der Sünde des ersten Menschen ist dem Menschengeschlecht durch göttliche Fügung die Strafe der Knechtschaft auferlegt worden, so dass Gott, denen, für die, wie er sieht, die Freiheit nicht passt, in grosser Barmherzigkeit die Knechtschaft auferlegt.“
und es wird noch besser.
… „obwohl die Erbsünde durch die Taufe allen Gläubigen genommen ist., hat der gerechte Gott das Leben der Menschen so unterschieden, indem er die einen zu Knechten, die anderen zu Herren einsetzte, damit die Möglichkeit zu freveln für die Knechte durch die Macht der Herren eingeschränkt würde.“
DAS WAR ÜBER JAHRHUNDERTE DIE KATHOLISCHE SOZIALLEHRE!
Ausbeutung der Bevölkerung für Klerus und Adel!
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#3   Tobit   18:24:40 | Sonntag, 4. Oktober 2009
Die moralischen Appelle im Stile der Sonntagsreden…
mit denen sich vor allem Politiker aller Parteien hervortun um ihr Gewissen zu erleichtern, um dann wieder ungestört zur Tagesordnung über zu gehen, gibt es schon seit Jahren (wahrscheinlich sogar Jahrzehnten). Was haben sie bisher bewirkt? Gar nichts. Dazu die Menschenverachtende „Entwicklungspoltitik“, die von Grund auf gescheitert ist und bisher mehr Leid produziert als gelindert hat.
Das Ganze ist ein drängendes, aber hochkompliziertes Problem, für das es keine Patentrezepte gibt, und erst Recht nicht die vom Papst (zu seiner Verteidigung: es ist ja auch nicht sein Fachgebiet, seine Erläuterungen kann man auch als Anregungen verstehen, und nicht als konkrete Forderungen). Der schreibt zwar in seiner Enzyklika etwas über die Werte die das ideale Wirtschaften ausmachen sollen, aber nicht wie diese konkret in der Politik umgesetzt werden können. Und das die nationale Abschottung der Wirtschaft in einem Land wie Deutschland niemals einen Wohlstandsgewinn zu Folge haben kann, weiss jeder der die Grundrechenarten beherrscht und sich ein paar Artikel über Makroökonomie und Außenhandelstheorie durchliest, aber für einige (z.B. die NPD) ist ja selbst das schon zuviel verlangt.
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#2   freddie schenk   17:59:14 | Sonntag, 4. Oktober 2009
moralischer Appelle
Glaubt man mittels moralischer Appelle die Forderung durchsetzen zu können, daß das Kapital nur an dem Ort zu investieren sei, an dem es hervorgebracht wurde?
Genau! Moralische Appelle sind Mumpitz. Hier gehört, a la kreuz.net, mal ordentlich mit Hölle, Tod und Teufel gedroht … dann läuft die Schose auch!
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#1   Gottsuchender †   17:43:35 | Sonntag, 4. Oktober 2009
das ist ja mal wieder sehr engstirnig:
die katholische Sozialmoral reicht mal wieder nur bis an die eigenen Landesgrenzen!
Kann man auf die „soziale Verantwortung“ des Unternehmens bauen und verlangen, bei „Auslagerung der Produktionstätigkeit“ ins Ausland die Interessen der inländischen Arbeitnehmer, Zulieferer, Konsumenten, Umwelt, Gemeinden und nicht nur die Interessen der Aktionäre zu berücksichtigen – „die nicht an einen Ort gebunden und daher außerordentlich beweglich sind“ – wie der Papst in Paragraph 40 der Enzyklika schreibt?
Haben die Automobilarbeiter in Polen oder in China nicht genauso ein Recht eine Arbeit zu haben!
Sicherlich werden sie deutlich schlechter bezahlt, aber das wurden wir in den 50er Jahren auch!
Kann Deutschland verlangen Exportweltmeister zu bleiben und dabei sich dagegen wehren dass auch Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden?
Was ist das denn für ein moralischer Standpunkt???
Die Sozialenzyklika sollte gerade das Gegenteil verlangen. Durch die Handelsschranken der ersten Welt, wird die Dritte Welt ausgebeutet.
Weil wir unsere landwirtschaftlichen Erzeugnisse massiv subventionieren, werden afrikanische Märkte mit europäischen Agrargütern überschwemmt!
DAS SIND DIE ECHTEN PROBLEME!
DAS IST UNSOZIAL!
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