Pfarrherrlicher Wutausbruch
Mit einer sonntäglichen Drohpredigt hat Rebellen-Pfarrer Franz Sabo seinem Bischof gestern die Frohbotschaft angemahnt. Der Bischof sei einer, der sich besonders hervortue, die ‘Froh-Botschaft’ Jesu in eine ‘Droh-Botschaft’ zu verkehren.

Das berichtete die ‘Basler Zeitung’ in ihrer Online-Ausgabe. Röschenz befindet sich in der Nordschweiz unweit von Basel.
Schon im März hatte Bischof Kurt Koch dem cholerischen Pfarrer per Ende September die „Missio canonica“ entzogen. Die Missio canonica ist die vom Diözesanbischof ausgesprochene kirchliche Sendung. Ohne sie kann kein Priester in einer Diözese eine offizielle Funktion ausüben.
Pfarrer Sabo verkündigte in seiner Sonntagspredigt, daß der Papst und die Bischöfe Jesus repräsentieren müßten. Doch seien eine ganze Reihe von ihnen zu Diktatoren, Landes- und Feldherren, Managern, Moralaposteln, Richtern, Gelehrten und sogar Volksverhetzern geworden.
Die meisten der heutigen katholischen Kirchenfürsten seien weder bei noch mit den Menschen. Sie verschanzten sich – so der erzürnte Pfarrer – in Trotzburgen hinter den Mauern des Vatikan oder in ihren bischöflichen Palästen.
Einer, der sich besonders darin hervortue, die ‘Froh-Botschaft’ Jesu in eine ‘Droh-Botschaft’ umzukehren, sitze auf dem Bischofsstuhl in Solothurn, attackierte Pfarrer Sabo Bischof Koch.
Der Bischof von Basel residiert nicht in Basel, sondern in der Nordschweizer Stadt Solothurn.
Dem Bischof zur Seite sitze der Mönch Trauffer, der sich selber als Hardliner bezeichne und die Absicht habe, in Röschenz aufzuräumen – so Sabos Kritik am Generalvikar der Diözese. Pater Trauffer ist Mitglied des Dominikanerordens.
Morgen wird die Pfarrei Röschenz in einer Versammlung der Pfarrgemeinde über ihr weiteres Vorgehen entscheiden: „Wir suchen immer noch nach einer friedlichen Lösung“, sagte der Pfarrgemeinderatspräsident gegenüber der Basler Zeitung.
Unter anderem steht morgen auch auf den Traktanden, ob die Pfarrei geschlossen zur christkatholischen Gemeinschaft übertreten will.
Die christkatholische Gemeinschaft nennt sich in anderen deutschsprachigen Ländern „Altkatholiken“. Die Nordschweiz ist eine der Gegenden, wo diese Abspaltung nach dem Ersten Vatikanischen Konzil ihren Ausgang genommen hat.
Der Kirchgemeinderat von Röschenz hält weiterhin zu seinem aufsässigen Pfarrer und will ihn trotz Suspendierung weiter im Amt lassen.
Beobachter rechnen sich geringe Chancen für einen Übertritt der Kirchgemeinde Röschenz zur christkatholischen Gemeinschaft aus. Die Glaubenssubstanz in Röschenz sei schon seit Jahren massiv erodiert und der Kirchenbesuch minimal. Der überwältigenden Mehrheit der nominalen Pfarreiangehörigen sei der Streit zwischen Bischof und Pfarrer egal. Wenn der Konflikt eskaliere, könne man die Kirche auch ganz verlassen, ohne das Bedürfnis für eine Ersatzgemeinschaft zu verspüren.
Bereits im Jahr 2003 hatte Franz Sabo den Bischof von Basel in der Öffentlichkeit aufs Gröbste attackiert. Zudem denunzierte er die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität.
Der in der Diözese Bamberg (Nordbayern) inkardinierte Franz Sabo ist seit 1998 in Röschenz als Pfarradministrator tätig. Der Entzug der ‘Missio’ geschah in Absprache mit seinem Heimatbischof, Mons. Ludwig Schick. Bischof Schick ist der kirchliche Letztverantwortliche für Pfarrer Sabo.
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Montag, 11. April 2005 12:53
Konrad: Pfarrer Sabos Missio
Frage an die Bischöfe Koch und Schick: Warum wird einem solchen illoyalen Wichtigtuer die Missio nicht umgehend, sondern erst zum 1. September entzogen?
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