12:26:25 | Montag, 12. Oktober 2009
Kann man wirklich davon ausgehen, daß der seit dem Konzil in der Kirche herrschende selbstmörderische Bürgerkrieg einfach auf einem „Mißverständnis“ beruht? Ein Kommentar.

Das Zweite Vatikanische Pastoralkonzil
(kreuz.net) Kürzlich sprach der neokonservative deutsche Dogmatiker, Hw. Joseph Schumacher (75) mit dem
Nachrichten-Portal ‘kathnews.de’ über die Lefebvristen.
Hw. Schumacher ist Diözesanpriester von Münster.
Er unterrichtete viele Jahre an der Universität Freiburg im Breisgau.
Unter anderem wirft er den Traditionalisten
vor, nicht immer zwischen dem Konzil und der nachkonziliaren Entwicklung zu unterscheiden.
Dieser Vorwurf
wird immer wieder gemacht. Doch es muß in diesem Zusammenhang gesagt werden, daß eine solche Unterscheidung
von der altliberalen, von Rom eingesetzten und geduldeten Amtskirche ausdrücklich nicht geduldet wird.
Die schlimmsten bischöflichen und vatikanischen Verirrungen der Nachkonzilszeit wurden stets mit Hinweis
auf das Pastoralkonzil gerechtfertigt.
Kritiker des altliberalen Abbruch-Regimes wurden durch die Bezeichnung
„vorkonziliär“ an den Rand und darüber hinaus gedrängt.
Auch die Ansicht Hw. Schumachers, daß „viele
Differenzen“ zwischen Rom und der Piusbruderschaft, „wenn nicht gar alle, wohl auf das Konto von Mißverständnissen
gehen“ – überzeugt kaum.
Mit der gleichen Masche versuchen die Altliberalen zu beweisen, daß es die
Reformation in Wirklichkeit gar nicht gegeben habe.
Außerdem ändert der Hinweis auf „Mißverständnisse“
nichts an dem mörderischen Bürgerkrieg, der seit dem Zweiten Vatikanum in der Kirche tobt.
Immerhin
unterstützt Hw. Schumacher die vom Papst gewünschten Gespräche mit der Bruderschaft:
„Unverantwortlich
ist es, wenn man diese im Keim erstickt mit dem Hinweis darauf, daß der andere verbohrt oder korrupt
ist.“
Er redet wie ein ModernistAm Ende des Interview kommt ein Sachverhalt zur Sprache, den Hw. Schumacher
bisher umschifft hat:
„Das Zweite Vatikanum ist nur ein Pastoralkonzil gewesen und ist daher nicht verbindlich
im eigentlichen Sinn – kann man diese Aussage so stehen lassen?“ – wird der Dogmatiker gefragt.
Seine
Antwort: „Mit der Feststellung, das Zweite Vatikanische Konzil sei ein Pastoralkonzil gewesen, dürfen
die Glaubensaussagen dieses Konzils nicht in Frage gestellt werden.“
Mit dieser Aussage rennt Hw. Schumacher
offene Türen ein. Es ist eine Binsenwahrheit, daß das Problem des Zweiten Vatikanums nicht in seinen
dogmatischen Aussagen liegt, sondern in seinen häufig zweideutigen pastoralen Bestimmungen.
Diese beherrschen
heute in ihrer altliberal-modernistischen Interpretation das Feld, wobei ihnen ein dogmatischer Status
und eine Quasi-Unfehlbarkeit zugesprochen wird.
Statt auf diesen Umstand einzugehen, vergrößert Hw.
Schumacher die Verwirrung, indem er – im offenen Widerspruch zum Zweiten Vatikanum – die Unterschiede
zwischen einem dogmatischen und dem pastoralen Konzil verwischt:
„Konzilien treten nicht zusammen, um
disziplinäre Fragen zu lösen oder um praktische Fragen der Glaubensverkündigung zu erörtern, jedenfalls
nicht primär“ – behauptet er gegen alle historischen Fakten.
Hw. Schumacher redet wie ein altliberaler
Modernist: Bei den Konzilien gehe es angeblich „primär“ immer um den Glauben der Kirche und um seine
„Aktualisierung“.
In Wahrheit bemühten sich die Konzilien der Vergangenheit genau um das Gegenteil –
um eine Verteidigung des überlieferten Glaubens gegen verkürzende Aktualisierungen.
Eine neue Bruch-Theorie
Der Frage, ob man das Konzil für die „teilweise massiven“ Negativentwicklungen in der Kirche verantwortlich
machen könne, weicht Hw. Schumacher aus: „Das ist eine Ermessensfrage.“
Negativentwicklungen habe es
schon vor dem Konzil gegeben, lenkt er weiter ab: Schuldzuweisungen würden letztlich nicht weiterhelfen.
Das Konzil sei „vielleicht“ im Hinblick auf die Glaubensbereitschaft der Menschen in unserer säkularen
Welt „zu optimistisch“ gewesen: „Vielleicht hat es auch zu sehr auf die äußeren Formen gesetzt.“
Es
hätte vielleicht die Kontinuität der Glaubensentfaltung deutlicher herausstellen müssen – meint er:
„Mit Sicherheit gilt das für die nachkonziliare Kirche.“
Klarer Blick auf die deutschen Verhältnisse
Die Situation der Kirche in Deutschland schätzt Hw. Schumacher „nicht sehr positiv“ ein.
Man verschließe
die Augen vor der kirchlichen Wirklichkeit und lasse die Emotionen dominieren: „Man beruft sich zwar extensiv
auf die Ratio, baut jedoch gänzlich auf dem Gefühl.“
Die Verkündigung sei weithin undogmatisch, indifferent
und pragmatisch: „Die Disziplin läßt überall sehr zu wünschen übrig.“
Es habe sich ein Agnostizismus
verbreitet, der ganz am Rande noch von der katholischen Tradition lebt, etwa nach dem Motto „Vielleicht
hat es doch mit dem Glauben der Kirche etwas auf sich“.
Im übrigen würden sich die „Glieder der Kirche“
mehr und mehr von der Kirche distanzieren.
Das Problem verschärft sich – so Hw. Schumacher – dadurch,
„daß die Kinder und Jugendlichen weithin nicht mehr kirchlich sozialisiert werden und Glaubensvermittlung
an sie im argen liegt.“
Doch nach Angaben des Dogmatiker „spricht einiges dafür“, daß eine neue Generation
von Priestern heranwächst, „die erfüllt ist vom Geist des Gebetes und des Apostolates und sich dankbar
inspirieren läßt durch die unwiderstehliche Eindrucksmächtigkeit und Überzeugungskraft des derzeitigen
Papstes.“
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