kreuzfideles zum Konklave
Das Konklave war stets ein ernster Moment im Leben der Kirche. Dennoch haben jene, die es als Kardinal betraten oder als Papst verließen, auch in dieser schwierigen Zeit nicht von der Heiterkeit gelassen, die einem katholischen Christen zu eigen ist. Von Ulrich Nersinger, Vatikanspezialist.
(kreuz.net) Kardinal Luigi d’Este sagte bei jedem Konklave, aus dem er nicht als Papst hervorging, er
gebe die Hoffnung nicht auf, denn sein Wappenspruch laute: „Cum tempore – Mit der Zeit“.Am 4. August 1903 wählten die in Konklave versammelten Purpurträger den Patriarchen von Venedig, Giuseppe Sarto, zum Papst. Noch bevor der ranghöchste Kardinaldiakon den Namen des neuen Papstes offiziell verkündet hatte, war man schon über die Identität des Pontifex Maximus informiert worden. Ein Konklavist hatte nämlich von einem Fenster aus mit einer Schere winkend auf sich aufmerksam gemacht. Der Hinweis wurde sofort verstanden. Den Insidern war klar, daß es sich bei dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche nur um Kardinal Sarto – Sarto = italienisch für ‘Schneider’ – handeln konnte. Als der Papst von diesem Vorfall hörte, lächelte er und sprach den Konklavisten von der Exkommunikation, die sich dieser zugezogen hatte, los.
Im Jahre 1935, am Gedenktag des hl. Eugen, schenkte Pius XI. seinem Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli – dem späteren Pius XII. – ein Bild, das die Übertragung der Schlüsselgewalt an den hl. Petrus darstellte. Der Papst hatte auf dem unteren Rand des Bildes die Widmung geschrieben: „Auch als Wunsch an Eure Eminenz“.
Als sich nach dem Tode Pius’ XI. die Kardinäle am 2. März 1939 zur letzten entscheidenden Wahlversammlung begaben, stolperte Kardinal Pacelli über eine Stufe und fiel zu Boden. Einer der Purpurträger, der Zeuge dieses Vorfalls wurde, machte die Bemerkung: „O, Vicarius Christi in terris – Oh, der Stellvertreter Christi auf Erden“.
Bis zum Jahre 1963 wurde zu Beginn eines Konklaves jeder Kardinal von einem Angehörigen der Päpstlichen Nobelgarde zu seiner Konklavezelle geleitet. Beim Konklave von 1958 wurden dem Patriarchen von Venedig, Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli, die Amtsräume des Kommandanten der aristokratischen Leibgarde als Unterkunft zugewiesen. Der Nobelgardist, der Kardinal Roncalli das Geleit gab, blieb nicht an der Türschwelle stehen, sondern betrat – wohl aus Gewohnheit – die Zimmer. Der künftige Papst soll ihm mit einem Schmunzeln gesagt haben: „Keine Angst, ich werde nichts beschädigen oder mitgehen lassen!“
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